Bund der Vertriebenen Bernd Fabritius wird Nachfolger von Erika Steinbach

Ablösung nach 16 Jahren: Erika Steinbach hat ihr Amt als Präsidentin des Bundes der Vertriebenen abgegeben. Der Verband wählte Bernd Fabritius zu ihrem Nachfolger - der CSU-Politiker bricht eine lange Tradition.

BdV-Präsident Fabritius mit Vorgängerin Steinbach: Naht ein Kurswechsel?
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BdV-Präsident Fabritius mit Vorgängerin Steinbach: Naht ein Kurswechsel?


Berlin - Der CSU-Politiker Bernd Fabritius ist neuer Präsident des Bundes der Vertriebenen (BdV). Bei der Bundesversammlung des Verbands in Berlin erhielt der bisherige Vizepräsident 144 Ja-Stimmen bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung. Der 49-Jährige tritt die Nachfolge von Erika Steinbach an, die sich nach 16 Jahren an der Spitze des BdV zurückzieht.

Mit Fabritius übernimmt zum ersten Mal ein nach dem Zweiten Weltkrieg geborenes Mitglied den Vorsitz des Dachverbandes. Er wurde in Rumänien geboren und zog als Aussiedler mit 18 Jahren nach Deutschland. Er sagte, dass er sich durchaus zur "Erlebnisgeneration" zähle. Es sei "ein bisschen Normalität", dass auch ein Aussiedler an der Spitze des BdV stehen könne.

Der BdV versteht sich als die Interessenvertretung der Vertriebenen, Aussiedler und Spätaussiedler in Deutschland. Nach eigenen Angaben hat der Verband mehr als 1,3 Millionen Mitglieder. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten mehr als zwölf Millionen Deutsche ihre Heimat in den damaligen deutschen Provinzen östlich von Oder und Neiße sowie in anderen Ländern Ostmitteleuropas verlassen müssen. In den darauffolgenden Jahrzehnten kamen noch vier Millionen Aussiedler in die Bundesrepublik.

Viele Kontroversen unter Steinbach

Steinbach hatte dem BdV zuvor seit 1998 vorgesessen, zum letzten Mal wurde sie 2010 als Präsidentin im Amt bestätigt. In ihrer Amtszeit hat sie zahlreiche Kontroversen ausgelöst, vor allem das Verhältnis des BdV zum Nachbarland Polen hatte sich erheblich verschlechtert. Ihre harsche Kritik an Polens Deutschland-Beauftragten Wladyslaw Bartoszewski, dem sie einen "schlechten Charakter" vorwarf, bedauerte sie jedoch später.

Als eines seiner Ziele hat Fabritius nun angekündigt, sich stärker um die Belange der in Ostmitteleuropa verbliebenen deutschen Minderheiten zu kümmern. Außerdem will er das angespannte Verhältnis des Verbandes zu Polen verbessern. "Voraussetzung ist die ehrliche und kritische Betrachtung der jeweils eigenen Geschichte", sagte Fabritius.

mxw/dpa/AFP



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