Besuch beim Altkanzler Orbán 80 Minuten Gast von Kohl

Er kam mit einem Blumenstrauß und verließ nach knapp 80 Minuten wieder das Haus in Oggersheim: Ungarns umstrittener Premier Viktor Orbán hat Helmut Kohl besucht - um dem Altkanzler "die Ehre zu erweisen".

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Es handelte sich nach Angaben von Helmut Kohls Büro um einen rein privaten Besuch: Ungarns Regierungschef Viktor Orbán hat den Altkanzler am Dienstag in dessen Haus in Ludwigshafen-Oggersheim besucht.

Orbán war mit einem großen Blumenstrauß gekommen und verließ das Haus von Kohl nach rund 80 Minuten. Er würdigte anschließend die deutsche-ungarische Freundschaft und Kohl sei Symbol dieser Freundschaft. "Ich bin gekommen, ihm unsere Ehre zu erweisen, auch im Namen aller Ungarn", sagte Orbán. Er wolle sich dafür bedanken, was Kohl für Ungarn getan habe.

Zugleich bat Orbán, Kohl "nicht in irgendwelche ganz konkreten politischen Auseinandersetzungen hineinzuziehen, hineinzureißen. Er steht über uns aktiven Politikern." Kohl ist seit Längerem gesundheitlich in schlechter Verfassung. Im Rollstuhl sitzend verabschiedete Kohl zusammen mit seiner Frau Maike Kohl-Richter draußen seinen Gast.

Am Wochenende war ein Vorwort Kohls für die ungarische Ausgabe seines Buches "Aus Sorge um Europa" veröffentlicht worden. Darin kritisierte er die Grenzöffnung für Flüchtlinge . Europa könne "nicht zur Heimat für Millionen Menschen weltweit in Not werden". Die Lösung liege in den Herkunftsregionen der Menschen, nicht in Europa.

Orbán steht wegen seiner Flüchtlingspolitik in der Kritik, er setzt auf Abschottung und ist gegen eine Verteilung der Flüchtlinge in Europa. Zugleich gilt er als einer der schärfsten Kritiker des Kurses von Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

Die Bundesregierung hatte im Vorfeld gelassen auf das geplante Treffen reagiert.

als/dpa/AFP



insgesamt 48 Beiträge
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Shane 19.04.2016
1. Ungarisches Sprichwort
madarat tolláról, embert barátjáról ... passt sehr gut. Frei übersetzt in etwa: Man erkennt Vögel am Gefieder, Menschen an ihren Freunden.
schröderschröder 19.04.2016
2. Teileeise
In der Flüchtlingsfrage mag Kohl dem Ungarn recht geben. Aber als Ureuropäer muss Kohl den Ungarischen Kurs doch zutiest verurteilen
lesens 19.04.2016
3. kann einem leid tun
wer will das noch wissen? Privatbesuch - sind wir hier in 'Bunte'? Dieser Altkanzler kann einem leid tun, schlecht beraten. Bei weitem nicht das charismatische Format eines Herrn Schmidt
AnnaGramm 19.04.2016
4.
Wenn es privat war, dann lasst es halt auch privat bleiben. Kohl ist ein alter Mann und mit Sicherheit nicht mehr in der Lage Große Politik zu machen. Die Große Politik macht jetzt "Kohls Mädchen".
themistokles 19.04.2016
5. Bezeichnendes Bild
Man sieht die Einflüsterin.... Welche Absicht hat der Besuch denn? Doch nur, um intern Zwietracht zu sähen.
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