Baden-Württemberg Unbekannte werfen scharfe Handgranate auf Flüchtlingsheim

In Baden-Württemberg haben Unbekannte eine Handgranate auf das Gelände eines Flüchtlingsheims mit 170 Bewohnern geworfen. Sie war scharf, explodierte jedoch nicht.

Polizei vor Flüchtlingsunterkunft in Villingen-Schwenningen: 170 Asylbewerber sind hier untergebracht
Marc Eich

Polizei vor Flüchtlingsunterkunft in Villingen-Schwenningen: 170 Asylbewerber sind hier untergebracht


Gewalttaten gegen Flüchtlinge und ihre Unterkünfte nehmen drastisch zu - und sie werden bedrohlicher: Unbekannte haben in der Nacht zum Freitag einen Anschlag mit einer Handgranate auf eine Flüchtlingsunterkunft im baden-württembergischen Villingen-Schwenningen verübt.

Die scharfe Handgranate landete um 1.15 Uhr auf dem Gelände der Unterkunft im Schwarzwald-Baar-Kreis. Der Splint, mit dem solche Sprengkörper gesichert werden, war gezogen, die Granate explodierte jedoch nicht. In der Hülle befand sich Sprengstoff. Es sei aber unklar, ob sich auch ein Zünder darin befand. Sicherheitskräfte entdeckten die Granate, Entschärfer sprengten sie. Menschen kamen nicht zu Schaden.

Laut Polizei handelte es sich um den ersten derartigen Vorfall in Villingen-Schwenningen. Die Sonderkommission "Container" hat die Ermittlungen übernommen. Derzeit suchen Ermittler die Umgebung des Tatorts nach Beweisen ab.

In der Flüchtlingsunterkunft, einer ehemaligen Kaserne, sind rund 170 Asylbewerber untergebracht. 20 Bewohner der Einrichtung mussten kurzzeitig ihre Wohnungen verlassen.

Zu möglichen Verdächtigen sagte Thomas Kalmbach, Sprecher der Polizei in Tuttlingen, SPIEGEL ONLINE: "Zur Gruppe 'Refugees Welcome' gehörte der Täter sicher nicht." Ob die Angreifer einen rechtsextremistischen Hintergrund haben, sollen die Ermittlungen zeigen.

In Baden-Württemberg gab es nach Auskunft des Innenministeriums vom Freitag im vergangenen Jahr 68 Übergriffe gegen Flüchtlingsunterkünfte. In Deutschland wurden im gleichen Zeitraum mit 173 Gewalttaten mehr als sechsmal so viele Übergriffe verzeichnet wie noch 2014, hatte das Bundeskriminalamt (BKA) am Donnerstag mitgeteilt. Besonders extrem ist die Zunahme bei den Brandstiftungen, wo die Zahl im Jahresvergleich von 6 auf 92 stieg. Seit dem 1. Januar 2016 hat das BKA weitere 10 Gewalttaten gegen Asylunterkünfte erfasst.

Die Gesamtzahl der Straftaten gegen Flüchtlingsunterkünfte stieg um mehr als das Fünffache von 199 auf 1005. Davon wurden 901 Taten als politisch motivierte Kriminalität (PMK) dem rechten Spektrum zugeschrieben. Im gesamten Jahr 2014 waren es noch 199 Straftaten gewesen, von denen 177 als PMK-rechts gewertet wurden.

cht/syd/dpa/AP

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