Völkermord an Herero Polenz soll mit Namibia verhandeln

Berlin hat einen Verhandlungsführer für die Aufarbeitung der brutalen deutschen Kolonialgeschichte in Namibia ernannt. CDU-Außenpolitiker Polenz soll die Gespräche über den Völkermord an den Herero leiten.

Gefangene Herero Anfang des 20. Jahrhunderts: Gespräche über deutsche Schuld
AFP/ National Archives of Namibia

Gefangene Herero Anfang des 20. Jahrhunderts: Gespräche über deutsche Schuld


Die Bundesregierung will die Verhandlungen mit Namibia zur Aufarbeitung der brutalen deutschen Kolonialgeschichte intensivieren. Auf deutscher Seite soll nun Ruprecht Polenz (CDU), der langjährige Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, für die Gespräche zuständig sein. Das teilte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Mittwoch mit. Auch Namibia werde einen Verhandlungsführer ernennen.

Bei den Gesprächen geht es um die Anerkennung der deutschen historischen Schuld - und wahrscheinlich auch um eine Form der finanziellen Wiedergutmachung.

Ruprecht Polenz: Der CDU-Politiker soll mit Namibia verhandeln
REUTERS

Ruprecht Polenz: Der CDU-Politiker soll mit Namibia verhandeln

Deutschland hatte es jahrzehntelang abgelehnt, die Massaker der Truppen des Deutschen Kaiserreichs im damaligen Deutsch-Südwestafrika als Völkermord zu bezeichnen. Erst im Juli rang sich die Bundesregierung dazu durch, die Gräueltaten von 1904 bis 1908 als "Kriegsverbrechen und Völkermord" zu bezeichnen.

Experten gehen davon aus, dass die deutsche "Schutztruppe" damals rund 65.000 der 80.000 Menschen vom Volk der Herero und mindestens 10.000 von insgesamt 20.000 Angehörigen des Stammes der Nama tötete.

Die Gespräche mit der namibischen Regierung laufen seit Monaten. Die Herero wollen jedoch ein Ergebnis nur dann akzeptieren, wenn diese nicht an den Gesprächen teilnehmen kann. Die von der Volksgruppe der Ovambo dominierte Regierung lehnt das jedoch bislang ab.

Dem Krieg gegen die Herero gingen seit Ende des 19. Jahrhunderts bereits 20 Jahre Unterdrückung voraus. Die einheimische Bevölkerung galt den meisten deutschen Siedlern als Menschen zweiter Klasse. Sie wurden weitgehend entrechtet, ihr Land ging mehr und mehr in den Besitz der Deutschen über.

Die Lebensgrundlage des Hirtenstamms schwand - und der Zorn der Herero wuchs. Am 12. Januar 1904 brach der Aufstand los. "Ich kämpfe", verkündete Herero-Häuptling Samuel Maharero, "tötet alle Deutschen." Nur Frauen, Kinder und Missionare sollten verschont werden. Die Herero griffen Farmen an, blockierten Bahnlinien, zerstörten Telegrafenmasten und überfielen Handelsniederlassungen. 123 Deutsche starben, die Wucht des Aufstands traf die Siedler völlig überraschend.

Ab August 1904 führte das Kaiserreich einen brutalen Vernichtungskrieg. Die wenigen überlebenden Herero wurden anschließend in Lagern interniert und mussten Zwangsarbeit leisten.

ler/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 43 Beiträge
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Seite 1
vox veritas 04.11.2015
1.
Wenn wir lange genug suchen, finden wir bestimmt noch was aus dem Mittelalter oder der Zeit davor. Jetzt mal ganz im Ernst. Natürlich sollen die Taten aus der Vergangenheit nicht abgestritten werden, aber irgendwann muß doch mal Schluß sein, weil das alles nur noch Geschichte ist. Man möchte meinen, es gibt eine deutsche Lust am Schuldsein - einen quasi intellektuellen Schuldmasochismus.
Willi Wacker 04.11.2015
2.
Zitat von vox veritasWenn wir lange genug suchen, finden wir bestimmt noch was aus dem Mittelalter oder der Zeit davor. Jetzt mal ganz im Ernst. Natürlich sollen die Taten aus der Vergangenheit nicht abgestritten werden, aber irgendwann muß doch mal Schluß sein, weil das alles nur noch Geschichte ist. Man möchte meinen, es gibt eine deutsche Lust am Schuldsein - einen quasi intellektuellen Schuldmasochismus.
Ja, ich hätte da was: mein Großvater wurde durch die Sowjetunion enteignet. Dagegen möchte ich jetzt klagen. Ups, der 2+4 Vertrag schliesst alle derartigen "Altfälle" aus und erklärt die Ansprüche für erloschen. Komisch, eh.
klauspeterstuder 04.11.2015
3. Schlussstrich
Über 100 Jahre ist das her. Nun wollen auch deren Nachkommen Geld rausschinden. Wir sollten Italien wegen der Verbrechen der römischen Besatzungstruppen und Frankreich auf Grund der napoleonischen Unterdrückung verklagen.
Kurt2.1 04.11.2015
4. .
Dieses leidige Thema aufzuarbeiten, ist sicher richtig. Ich würde es aber begrüßen, würde man mit den Herero direkt sprechen und dieses Volk unterstützen. Man hat in der Vergangenheit schon reichlich Geld wegen der Verbrechen an den Herero nach Namibia geschickt. Wieviel davon mag wohl bei denen angekommen sein?
fareast 04.11.2015
5.
Das ist seit 100 Jahren ueberfaellig.
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