Grüne Beck entschuldigt sich für Pädophilie-Text

"Für Opfer sexuellen Missbrauchs muss das, was meine Partei in Teilen und ich einmal niedergeschrieben haben, schrecklich klingen." Volker Beck räumt Fehler im Umgang mit dem Thema Pädophilie ein. Trotzdem fühlt sich der Grünen-Politiker von der Öffentlichkeit unfair behandelt.

Grünen-Politiker Beck: "Gegen den Mainstream der Schwulenbewegung"
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Grünen-Politiker Beck: "Gegen den Mainstream der Schwulenbewegung"


Wetzlar/Hamburg - Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck hat ein persönliches Fehlverhalten im Zusammenhang mit seinem Umgang mit dem Thema Pädophilie eingeräumt. Im Interview mit dem Medienmagazin "pro" sagte Beck: "Für Opfer sexuellen Missbrauchs muss das, was meine Partei in Teilen und ich einmal niedergeschrieben haben, schrecklich klingen. Dafür entschuldige ich mich."

Zugleich betonte der Grünen-Politiker jedoch, dass er in den achtziger Jahren "gegen den Mainstream der Schwulenbewegung" stets gefordert habe, "dass eben nicht alles straffrei wird. Wie ich das getan habe, war grundfalsch".

Der heute 53-Jährige war im Kontext des Phädophilieskandals der Grünen für einen Fachaufsatz in die Kritik geraten, der 1988 in dem Buch "Der pädosexuelle Komplex" veröffentlicht worden war. Nach Becks Angaben waren seinerzeit Aussagen in seinem Text vom damaligen Herausgeber verfälscht worden. DER SPIEGEL hatte dagegen nachgewiesen, dass es sich hierbei nur um marginale Änderungen gehandelt hat.

Beck sieht seine Rolle nicht ausreichend gewürdigt

Hierzu sagte Beck jetzt im "pro"-Interview: "Was die Wahrhaftigkeit meiner Aussagen angeht: Ich habe diesen Artikel vor 26 Jahren geschrieben und konnte mich beim besten Willen nicht daran erinnern, welche Stellen der Herausgeber des entsprechenden Buches verändert hatte und welche nicht - ich wusste nur, es war etwas verändert worden."

Kritisch äußerte sich Beck zum öffentlichen Umgang mit seiner Person. Seine tatsächliche Rolle bei der Behandlung des Themas sei nicht ausreichend gewürdigt worden: "Dass ich in Partei und Schwulenbewegung maßgeblich die Unterstützung pädophiler Positionen herausgedrängt habe, geriet völlig aus dem Blick. Das fand ich nicht richtig und unfair."

Beck war von 2002 bis 2013 Parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen-Fraktion im Bundestag. Nach dem schwachen Ergebnis seiner Partei bei der Wahl im September gab er dieses Amt auf.

syd

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