Streit vor Sondierungsgesprächen Kauder ermahnt Lindner

Unionsfraktionschef Kauder wünscht sich mehr Zurückhaltung von FDP-Chef Lindner. Dieser hatte sich vor den Sondierungsgesprächen gegen einen CDU-Finanzminister ausgesprochen.

Angela Merkel, Volker Kauder
REUTERS

Angela Merkel, Volker Kauder


Vor dem Start der Jamaika-Sondierungen hat Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) den FDP-Vorsitzenden Christian Lindner ermahnt. Niemand solle die Gespräche mit "roten Linien" belasten. Er rate dazu, "ein sondierungsfreundliches Klima in allen betroffenen Parteien zu schaffen. Und das heißt, nicht jeden Tag dem anderen eine Wurst vor die Nase zu halten", sagte Kauder vor einer Sitzung der Unionsfraktion in Berlin.

Man sei sich einig gewesen, "dass Personalfragen erst am Ende stehen sollten, nicht am Start". Deswegen werde er keine "roten Linien" aufstellen, sagte Kauder und ergänzte: "Ich ziehe schwarze Ziele vor."

Lindner hatte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gesagt, das Finanzministerium solle in einer neuen Koalition nicht wieder an die CDU gehen. "Ein Grüner, ein CSU- oder ein FDP-Finanzminister - alles wäre besser, als das Kanzleramt und das Finanzministerium weiterhin in CDU-Hand zu halten, denn so wird durchregiert. Das hat sich nicht bewährt."

Kauder sagte, es sei nun die Aufgabe, "mit großem Ernst, mit großer Anstrengung, mit höchster Qualität" eine gute Regierung für Deutschland zu bilden. Die Herausforderungen im Land, in Europa und der Welt seien groß. "Es ist klar, dass es nicht entscheidend auf die Schnelligkeit ankommt", fügte er hinzu. "Aber es wäre schön, wenn wir bis zum Ende des Jahres, vor der Weihnachtspause einen Koalitionsvertrag zusammenbekommen hätten."

cte/dpa

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eckawol 17.10.2017
1. Mahnungen eines Verlierers
"Es ist klar, dass es nicht entscheidend auf die Schnelligkeit ankommt". "Aber es wäre schön, wenn wir bis zum Ende des Jahres, vor der Weihnachtspause einen Koalitionsvertrag zusammenbekommen hätten". Es kann nicht sein, dass die Zeitschiene von der CDU á la Kauder vorgegeben werden soll,
Norden 17.10.2017
2. Guter Punkt des FDP-Vorsitzenden!
Christian Lindner trifft exakt den Punkt: In einer Koalition mit der CDU, in der diese die Kanzlerin stellt, sollte das Finanzministerium von einer anderen Partei geführt werden, damit der Finanzminister ihr widersprechen kann, ohne sich selbst in eine schwierige parteipolitische Lage zu bringen!
flux71 17.10.2017
3.
Als stärkste Kraft sollte die CDU doch mal lieber langsam von ihrem hohen Ross herunter kommen. Als stärkste Kraft hat sie nicht nur Anspruch, sondern in gleichem Maße auch Verpflichtung, Politik für alle zu machen! Man könnte ob des Wahlergebnisses schon auf die Idee kommen, dass die CDU eben kein Wahlgewinner, sondern ein haushoher Verlierer ist. Die Verluste, die sie einfuhr, sprechen da eigentlich für sich. Deshalb kann ich Forderungen der FDP und der GRÜNEN durchaus verstehen: Aus einer Position der Stärke heraus kann die CDU nicht wirklich argumentieren. Sie ist eher ein Mehrheitsbeschaffer für eine andere Politik, die da von gelb und grün kommt.
jujo 17.10.2017
4. ....
Selbstverständlich wünsche ich mir eine stabile Regierung für Deutschland. Ich denke aber das wird eine schwere Geburt und dann weiter keine Totgeburt. Ich denke bis Ostern könnte es Neuwahlen geben. Wäre ja schön wenn dann etliche Protestler sich zu einer anderen Entscheidung bei ihrer Wahl durchringen würden.
bausa 17.10.2017
5. Lindner hat recht,
Finanzminister und Kanzleramtschef aus einer Partei bedeutet zuviel Macht. Die CDU, allen voran Frau Merkel, tun gut daran ein bischen Demut zu zeigen. Sie vertreten nicht die Mehrheit von Deutschlands Wähler. Mir wäre es am liebsten, es gäbe Neuwahlen, eine 3 Parteien Koalition ist unberechenbar.
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