Unionsinterner Streit Kauder wirft Merkel-Kritikern parteischädigendes Verhalten vor

Unionsfraktionschef Kauder fordert die Kritiker in den eigenen Reihen auf, ihr verbales Dauerfeuer auf die Kanzlerin einzustellen. Horst Seehofer verspricht Zurückhaltung - bis zum Wochenende.

  CDU-Fraktionschef Volker Kauder: "Es wäre viel besser, wenn wir zusammenhalten"
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CDU-Fraktionschef Volker Kauder: "Es wäre viel besser, wenn wir zusammenhalten"


Unionsfraktionschef Volker Kauder wirft Kritikern von Angela Merkels Flüchtlingspolitik vor, der Union als Ganzes zu schaden. Vor allem wandte sich Kauder an die bayerische Schwesterpartei CSU und deren Angriffe auf die Kanzlerin. Damit werde die Union insgesamt geschwächt. "Ich finde, dass wir uns schaden mit solchen Bemerkungen", sagte Kauder im "Morgenmagazin" der ARD. "Es wäre viel besser, wenn wir zusammenhalten."

Die große Mehrheit in der Unionsfraktion stehe hinter Merkel, hob der CDU-Politiker hervor. Auch gebe es in der Flüchtlingspolitik bereits erhebliche Erfolge. Man mache eine ganze Menge, das gehe aber unter, "wenn wir uns nicht einig sind".

Auch mit Blick auf den bevorstehenden EU-Gipfel mahnte Kauder zur Einigkeit. "Jetzt geht es darum, dass wir miteinander die zentrale Aufgabe meistern, den Schutz der Außengrenzen, um die Freiheit innerhalb von Europa zu erhalten."

Seehofer: Merkel "hat faire Chance verdient"

Offenbar stößt Kauders Appell in Bayern auf offene Ohren. Parteichef Horst Seehofer teilte mit, die Kritik an Kanzlerin Merkel vorerst einzustellen - wenigstens bis nach dem EU-Gipfel. Seehofer sagte in München: "Jetzt hat eine Regierungschefin die faire Chance verdient, die Dinge in Europa zu diskutieren und zu verhandeln." Und er fügte hinzu: "Da steht jetzt die Union zu unserer Kanzlerin, dass sie hoffentlich Erfolg hat."

An der Position der CSU hat sich jedoch nichts geändert: Seehofer fordert nach wie vor nationale Maßnahmen zur Reduzierung der Flüchtlingszahlen. "Wir können nicht nur darauf vertrauen, dass andere die Arbeit machen." Seehofer ließ offen, wie die CSU reagieren wird, wenn Merkel ihre Forderung nach einer europaweiten Verteilung der Flüchtlinge in Brüssel nicht durchsetzen kann. Das werde am Wochenende besprochen. "Es hat jetzt keinen Sinn, Prognosen abzugeben."

Kauder ging in seinem Fernsehinterview auch auf die Abschottungspolitik der osteuropäischen Staaten der Visegrád-Gruppe ein. "Ich mache mir große Sorgen, dass gerade was da teilweise auf dem Balkan passiert, dazu führt, dass Griechenland in die größten Schwierigkeiten kommt." Das müsse verhindert werden.

cht/AFP

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