Abschaffung der Wehrpflicht Ex-Minister Rühe wirft Guttenberg "Zerstörung der Bundeswehr" vor

Wurde die Bundeswehr kaputtgespart? Ja, sagt der frühere CDU-Verteidigungsminister Rühe. Er sieht die Schuld vor allem bei einem seiner Nachfolger: Karl-Theodor zu Guttenberg. Aber auch Ursula von der Leyen kommt schlecht weg.

Karl-Theodor zu Guttenberg (Archivbild)
BARTH/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Karl-Theodor zu Guttenberg (Archivbild)


Harte Attacke gegen Karl-Theodor zu Guttenberg: Der frühere Verteidigungsminister unter Helmut Kohl, Volker Rühe, wirft dem CSU-Mann schwere Fehler im Umgang mit der Bundeswehr vor. "Er hat freiwillig acht Milliarden eingespart. Und kopflos die Wehrpflicht abgeschafft ohne ein Konzept, wie man auf dem freien Arbeitsmarkt die Leute bekommt", sagte Rühe dem "Tagesspiegel". An anderer Stelle spricht er von der "Zerstörung der Bundeswehr durch den CSU-Minister zu Guttenberg"

Rühe, der in diesem Jahr 77 Jahre alt wird, war von 1992 bis 1998 Verteidigungsminister im Kabinett von Bundeskanzler Helmut Kohl. In die Amtszeit des CDU-Manns fiel die Neuausrichtung der Bundeswehr nach dem Ende des Kalten Krieges. So beteiligte sich die Bundeswehr damals zum Beispiel an der Uno-Mission in Somalia und im Zuge des Bosnienkrieges auch an Einsätzen der Nato.

Volker Rühe
imago/ Metodi Popow

Volker Rühe

Der heute 47-jährige Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) war von Oktober 2009 bis März 2011 Verteidigungsminister - und war damals maßgeblich an der Abschaffung der Wehrpflicht beteiligt.

Rühe kritisierte auch die aktuelle Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. "Ich bin immer wieder empört, wenn die jetzige Verteidigungsministerin sagt, wir hätten seit 1990 unangemessen gekürzt", sagte Rühe dem "Tagesspiegel". "Wir hatten, als ich 1998 wegging, 340.000 Soldaten, davon 135.000 Wehrpflichtige. Es stimmt nicht, dass die Weichen seit 1990 falsch gestellt wurden. Die Eingriffe, die die Bundeswehr schwer getroffen haben, geschahen von 2005 an, vor allem unter zu Guttenberg."

Für die Zukunft forderte Rühe eine deutliche Stärkung der Bundeswehr. "Wenn wir es künftig ernst meinen mit der Aufgabenteilung in Europa, dann muss die Bundeswehr zur stärksten konventionellen Streitmacht Europas werden, nicht nur auf dem Papier, sondern faktisch." Deutsche Soldaten müssten auch wieder an internationalen Kampfeinsätzen beteiligt werden und "dasselbe Risiko tragen wie die anderen". Anders als beim Bosnien- und Kosovokrieg in den Neunzigerjahren würde sich die Bundeswehr heute nur noch an Aufklärungseinsätzen beteiligen. "Die Deutschen fotografieren, die anderen bombardieren - das ist eine Sonderrolle, die nicht trägt", sagte Rühe.

stk

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kolappps 10.02.2019
1. nicht nur Wehrpflicht abschaffen
sondern die ganze Bundeswehr. Einer muss ja mal beginnen, gegen den Rüstungswahn was zu tun - etwas positives tun. Die Jungs können sich im Katastrophenschutz üben, Sandsäcke für Hochwasserschutz abfüllen usw. Ich denke es gibt genügend Projekte etwas Positives zu leisten, als sich darüber Gedanken zu machen, wie ich meinen Nachbarn am effektivsten umbringe.
claus7447 10.02.2019
2. Das ist CDU und CSU Handeln
K.-D. privatisiert (ohne vermutlich zu wissen was er tut - aber forsches Auftreten reicht doch), UvdL haut die Kohle für Berater raus, hat keinerlei Kontrolle über die Finanzen, schafft es das die BW zum einen kaum ihre Aufgaben erfüllen kann, zum anderen langsam der Lächerlichkeit preisgegeben werden. Und dann behauptet diese "C" Parteien, sie hätten a. Ahnung von Organisation, b. von Geld! Ja, ich würde sagen: Büsserhemd anziehen, Köpfe tauschen! Vor allem sich langsam auf eine soziale Politik besinnen und nicht so Nulpen wie FM puschen (ich weiß jetzt provoziere ich!).
kelcht 10.02.2019
3.
1990 mussten sich die soldaten in somalia laut legende noch privat die tropenausrüstung kaufen. Gut in Afghanistan unter SPD regie durfte man immer meist nur in gesicherten gebieten wie kabul oder Kunduz krieg spielen. Auch das heiße plastik am G36 das dieses gewehr ungenauer macht als andere westliche flinten und karabiner ist aus rühes zeit und davor. Rühe, Guttenberg, vdL god bless Amerika sonst wären wir heute schon Germanistan oder BRDDR.
tom2strong 10.02.2019
4. Vertrag von Aachen
Seit dem Vertrag von Aachen sehe ich zu den Vorschlägen Rühes keine Veranlassung. Besser wir beteiligen uns angemessen an den Kosten eines kerneuropäischen Militärs.
DKH 10.02.2019
5. Niemand in Europa will
Dass die Bundeswehr die stärkste Armee Europas wird. Das macht Angst.
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