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Vorstoß durch von der Leyen: Auch Moppel sollen dienen dürfen

Soldaten beim Marschieren (Archivbild): Softskills statt Muskeln? Zur Großansicht
picture alliance / dpa

Soldaten beim Marschieren (Archivbild): Softskills statt Muskeln?

Vom Gepäckmarsch gestählter Körper in Uniform? Für Verteidigungsministerin von der Leyen ist das kein Merkmal eines modernen Soldaten mehr. Mit einer Lockerung der Fitnessregeln will sie die Truppe als Arbeitgeber attraktiver machen.

Berlin - Die Bundeswehr muss anziehender werden - das findet zumindest die Verteidigungsministerin. Wenn es nach Ursula von der Leyen (CDU) geht, gilt das aber vor allem für den Ruf der Truppe als Arbeitgeber. Und weniger für den körperlichen Zustand der Soldaten. Daher hat die Ministerin eine Überprüfung der Eignungsmerkmale für die Bundeswehr angekündigt.

"Beispiel körperliche Fitness", sagte sie der "Rheinischen Post". "Es stellt sich die Frage, ob jeder einzelne Soldat und jede einzelne Soldatin, gleich welche Aufgabe sie im Riesenkonzern Bundeswehr ausfüllt, tatsächlich einen langen Marsch mit schwerem Gepäck bewältigen können muss."

Wichtiger als die reine körperliche Belastbarkeit könnten schon bald andere Fähigkeiten werden. "Da müssen wir eher danach gehen, was eigentlich eine moderne, hochtechnisierte Armee braucht", so die Ministerin. Fitness sei immer gut, eine moderne Armee brauche aber ebenso die Fähigkeit zum vernetzten Arbeiten, soziale Kompetenzen, eine moderne Unternehmenskultur und ein ausgeprägtes Technikverständnis. "Für Menschen, die das bei der Bundeswehr einbringen wollen, dürfen wir nicht unnötige Hürden aufbauen."

Eine Reaktion auf diesen Vorstoß der Ministerin steht noch aus - dafür hallt ihre Forderung vom Wochenende noch nach. Im SPIEGEL hatte von der Leyen da für eine höhere Militärpräsenz an den Nato-Außengrenzen plädiert. Dies sei angesichts der Angst vor weiteren russischen Annexionen nötig. Für ihre Einlassung steht von der Leyen weiter in der Kritik - auch in der eigenen Partei.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen (CDU), stellte in einem Zeitungsinterview klar, "dass es auf das militärische Agieren Putins (des russischen Präsidenten) vom Westen keine militärische Antwort geben wird". Der "Neuen Westfälischen" sagte er: "Daran wird und darf es keinen Zweifel geben."

Auch der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold forderte von der Leyen zur Zurückhaltung auf. "Ich würde mir eigentlich wünschen, dass die Verteidigungsministerin sich um die Verteidigungspolitik kümmert, weil wir einen Außenminister haben, der die außenpolitischen Fragen mit dem gebotenen klugen Händchen schon leistet", sagte Arnold der dpa.

jok/dpa

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1. Momentchen
Darknessfalls 25.03.2014
Soziale Kompetenzen? In der Bundeswehr??? Liebe Frau vdL, wissen Sie eigentlich, welchem Ressort Sie als Ministerin vorstehen? Es stimmt: wir haben keine Verteidigungsarmee mehr ,wo jeder Mann - und jede Frau - in die Schusslinie geraten könnte. Aber die extreme Spezialisierung wird das Gegenteil von dem erbringen, was Sie sich wünschen. Fragen Sie mal die Briten, wer im Falklandkrieg die Kohlen aus dem Feuer holen musste und wie es um die Fitness der "normalen" Soldaten bestellt war - ein Resultat daraus war das bei der BW eingeführte GAT... Sie haben sicher ausreichend überbezahlte Staatssekretäre, die Sie mit Daten versorgen können. Ansonsten: schönes Kriegsspielen noch!
2. So weit kommt's noch
spon-facebook-10000110374 25.03.2014
Das kann echt nicht der Ernst der Frau von der Leyen sein. Keine Armee der Welt wird mittlerweile als Elite der Nation betrachtet, aber jetzt dieses letzte positive Merkmal von den Soldaten wegziehen? Worauf sollen die denn stolz sein, wenn die bei der Truppe sind?
3. Find ich gut
vebughy 25.03.2014
Prinzipiell sollten alle Qualifikationen abgeschafft werden. Der lokale Metgermeister sollte sich auch Neurochirurgisch nennen dürfen. Wir wollen den Beruf etwas attraktiver machen und da stören diese harte Kriterien wie Medizinstudium nur. Ein Soldat sollte prinzipiell nicht mit Stress oder physischen Anstrengungen belastet werden. Es sollte ausreichen, wenn er oder sie den Bus zur Kampfstätte finden kann und die Schnürsänkel ohne erhöhte Atmung binden kann. Auch sollte ein Soldat 15 Minuten Call of Duty ohne Konzentrationsverlust spielen können. Mal eine dumme Frage, wer in dieser Demokratie schützt uns eigentlich vor der Inkompetenz der Politiker?
4. moderne Unternehmenskultur?
polarwolf14 25.03.2014
Heißt das nun etwa mit modern, dass jetzt irgendwelche Unternehmensberater installiert werden, die den Soldaten PseudoBWL- Wissen und Taschenpsychologie beibringen wollen in einem Meeting mit Beamer und Flipchart? Mit Konzernartigen Strukturen und studierten Koordinatoren? Die Bundeswehr soll also verweichlichen, wenn ich das richtig verstehe. Die BW kann sich dann besser auflösen, bevor irgendwelche unfitte Pseudohipster, die keine Ahnung vom Leben eines Soldaten haben, übernehmen. Diese Frau ist ein Skandal.
5. Ein global agierender Konzern?
demokrat_de 25.03.2014
Sehr geehrte Kriegsministerin, wann geht die Bundewehr an die Börse? .... Zustände sind das hier ... Komisch, daß im Zusammenhang mit Staaten und Staatsaufgaben nur noch von Unternehmenskultur die Rede ist... Sind wir als Bürger nur noch Humankapital?
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