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Soldaten über von der Leyen: "Denken können wir doch alle"

Von und Claudia Thaler

Eine Frau gibt nun die Befehle im Bendler-Block. Ursula von der Leyen ist die erste Verteidigungsministerin in der Geschichte der Bundesrepublik. Was sagen die Soldaten dazu? Antworten aus zwei Kasernen in Hamburg und Berlin.

Verteidigungsministerin von der Leyen: Das sagt die Truppe Fotos
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"Frauen" täten der Bundeswehr "in jeder Weise gut", sagte Noch-Verteidigungsminister Thomas de Maizière vor ein paar Wochen. Er spielte darauf an, dass nur neun Prozent der Soldaten weiblich sind. Doch jetzt erobert mit Ursula von der Leyen eine Frau diese Männerdomäne am Kabinettstisch.

Obwohl in Spanien schon eine hochschwangere Verteidigungsministerin vor die Truppen trat, finden das hierzulande manche immer noch befremdlich. In sozialen Netzwerken machten schnell hämische Kommentare die Runde. Eine Frau an der Spitze der Soldaten, das sei zum "Brüllen", schrieb einer auf Twitter, ein anderer bezeichnete sie dort als "Zickenkriegerin" oder als "Supernanny der Kompanie". Ob jetzt nun Häkeln und Kochen auf den Ausbildungsplan der Soldaten stehe, fragte ein anderer Tweet.

Doch was sagen eigentlich die Soldaten zu ihrer neuen Chefin?

Die Julius-Leber-Kaserne in Berlin. Hier begrüßte de Maizière den potentiellen Nachwuchs. Benjamin Runge wird vielleicht bald dazugehören. Der 19-Jährige hat einen Bundeswehr-Flyer in der Hand. Gerade hat er sich für den Freiwilligen Wehrdienst beworben. Er würde sich von einer Frau genauso viel sagen lassen wie von einem Mann. "Warum sollte 'ne Frau so was nicht können? Denken können wir doch alle", sagt er.

Kerstin Bienek arbeitet seit Jahren für einen Zulieferer der Bundeswehr und findet, die Zeit war reif für so einen Schritt: "Unsere Welt hat sich verändert. Frau Merkel hat gezeigt, dass Frauen akzeptiert werden, ganz oben in der Politik. Ich finde es das richtige Signal, dass jetzt eine Frau kommt", sagt sie.

"Sie wird den Job gut machen"

Dominik Köber von der Fregatte "Brandenburg" sieht das ähnlich. Er ist bei der Marine und wirkt wie ein Mann mit Disziplin. Bevor er antwortet, rückt er seine Mütze zurecht: "Sie wird den Job gut machen. Sie ist eine Ministerin mit Erfahrung und sie ist kompetent", sagt er. Sein Kollege Daniel Schmitz ist da skeptischer: "Wir müssen erst einmal abwarten, wie sie sich so macht", sagt er. Daran, dass sie eine Frau ist, stört er sich nicht. Nur, wie sieht es mit den Kompetenzen aus?

Im Fernsehen sagte Ursula von der Leyen, sie habe sich bisher 72 Stunden auf ihre neue Aufgabe vorbereiten können. "Ein bisschen wenig für einen so gut bezahlten Job", sagt einer, bevor er im eingezäunten Eingang der Kaserne verschwindet. Seinen Namen verrät er nicht. Noch ist das zu heikel. Männer in Uniform könnten oft nicht so frei sprechen wie Zivilisten, heißt es aus der Pressestelle der Bundeswehr. Viele schütteln den Kopf. Sie wollen lieber warten, bis es ein offizielles Statement gibt.

In der Hamburger Kaserne wird heftig diskutiert

Auf dem Campus der Universität der Bundeswehr in Hamburg ist der Respekt vor der Dienststelle sogar so groß, dass gar keiner der Soldaten mit vollem Namen genannt werden will. Dafür sind hier die Diskussionen umso heftiger. "Ich finde es besser, wenn das ein Kerl macht", sagt Soldat Florian D. "Als Frau war sie ja nicht mal beim Bund!", ruft ein Kamerad. Der Vater von de Maizière war immerhin General.

Viele sind der Meinung, dass es für dieses Ressort eben doch mehr braucht als Führungskompetenz und Erfahrung als Ministerin. Soldat Maximilian F. winkt ab: "Ist ja auch schon bisschen her, dass der Thomas beim Bund war", sagt er. Auch in Hamburg findet von der Leyen dann doch noch Fürsprecher. "Als Familienministerin kennt sie sich mit dem Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie aus. Das ist auch für uns sehr wichtig", sagt Hannes L.

Ein Mann von der Flugbereitschaft der Bundeswehr philosophiert, dass Frauen generell weniger nach der Macht gieren als Männer. Zumindest in diesem Punkt wäre von der Leyen eine Ausnahme.

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insgesamt 253 Beiträge
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1. ..
jan. 16.12.2013
Eine Diskussion über Geschlechter ist billig und überflüssig. Der Ablauf der nächsten Wahlperiode wird zeigen, ob sie den Job gut macht. Mich als Betroffenen hat sie als Fürsprecher. Billige Polemik oder Machogehabe sind hier echt nicht angebracht.
2.
barlog 16.12.2013
Man wird sehen, wie Frau von der Leyen die Probleme, die sich unter ihrem Vorgänger angehäuft haben, angeht. Ich habe das Gefühl, daß sie hier mehr Geschick zeigen wird. Im übrigen finde ich das Gesülze von Soldaten à la "hat nicht gedient" ziemlich beschränkt. Hier geht es nicht um den Posten eines Heerführers, sondern um einen hochdotierten Beamtenposten, bei dem das Fehlen männlicher Eitelkeit wohl eher vorteilhaft sein dürfte.
3. Na klar, alle finden das toll
Daniel_B. 16.12.2013
Wenn man seine Meinung als Soldat ohne Angst vor Repressalien frei äußern dürfte, würde die Zustimmung nicht so gut ausfallen. Ein(e) Verteidigungsminister(in) der/die nicht mal gedient hat. Was soll der Käse? Das war schon bei den männlichen Ministern befremdlich. Und zu Thomas '"Frauen" täten der Bundeswehr "in jeder Weise gut"' de Maizière: Ich war in der ersten AGA, in der Frauen _freiwillig_ mitmachen durften. Das tat der ganzen Gruppe keineswegs in jeder Weise gut. Ständig gab es Extra-Würste und wenn eine Frau keine Lust mehr hatte, konnte sie einfach bestimmte Übungen auslassen. Noch dazu waren die Frauen allesamt langsamer und weniger belastbar als der durchschnittliche männliche Soldat. Das durften dann die stärksten männlichen Kameraden ganz kameradschaftlich ausbaden (Rucksack schleppen, etc.). Gerade bei der Armee sollte es nach persönlicher Eignung gehen. Gleiche Anforderungen für alle. Die meisten Frauen scheiden da leider bei aus. Aber es geht manchmal halt um Leben und Tod - wenn ein Kamerad von 80 KG verwundet wird, möchte ich mal die Frau sehen, die den dann wegträgt. Aber was erwartet man von einem scheidenden Verteidigungsminister, der niemals zusammen mit Frauen in der kämpfenden Truppe gedient hat. Deshalb finde ich es auch unerhört, dass Ungediente überhaupt Verteidigungsminister spielen wollen.
4. Es kann ja nur besser werden
mundi 16.12.2013
Was haben ihre Vorgänger für Leistungen erbracht? Der Kalte Krieg ist zu Ende, doch braucht das Ministerium immer mehr Geld. Nach Ende des 2. Weltkrieges hätte uns kein Feind einen größeren materiellen Schaden anrichten können als das Verteidigungsministerium. Kostspielige, aber wehruntaugliche Rüstungsprojekte werden abgesegnet. Keine Transparenz gegenüber dem Parlament. Ein Geflecht eines Riesenministeriums und der Rüstungsindustrie. Vielleicht kann die neue Ministerin es besser machen, denn schlechter geht´s nicht.
5. Was sollen die
bemag 16.12.2013
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEEine Frau gibt nun die Befehle im Bendler-Block. Ursula von der Leyen ist die erste Verteidigungsministerin in der Geschichte der Bundesrepublik. Was sagen die Soldaten dazu? Antworten aus zwei Kasernen in Hamburg und Berlin. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/von-der-leyen-soldaten-reagieren-auf-die-neue-verteidigungsministerin-a-939404.html
Soldaten schon öffentlich äußern außer den gleichartigen Bekundungen der meisten Medien. Das was die Soldaten denken werden Sie eh nicht erfahren. Einige werden schon wissen das es auch Frauen geben mag die so eine Aufgabe leisten können. Aber davon ist vdL meilenweit entfernt, nur niemand wusste wohin mit ihr und Demiesere ist auch aus der Schusslinie. Kompetent ist die Dame wohl nur im endlosen schwafeln.
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