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Altersvorsorge: Union fürchtet Rentenwahlkampf der SPD

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In CDU und CSU sind viele sauer - weil Ursula von der Leyen das Thema Rente auf die Tagesordnung gesetzt hat. "Da können wir gar nicht punkten", klagt ein Unionspolitiker. Tatsächlich dürfte die Debatte vor allem der SPD nützen.

Rentner in Dresden: Wird Altersarmut zum Wahlkampfthema? Zur Großansicht
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Rentner in Dresden: Wird Altersarmut zum Wahlkampfthema?

Berlin - Wie ihr Rentenkonzept genau aussehen soll, darüber ist sich die SPD noch nicht einig. Aber klar dürfte vielen Genossen sein, dass sie mit der Bekämpfung der Altersarmut an einem Thema werkeln, mit dem sie mal wieder richtig punkten könnten. Kurzfristig - aber auch mit Blick auf den kommenden Bundestagswahlkampf.

Mehrfach wurde Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) von den eigenen Leuten zurückgepfiffen, als sie jüngst Vorschläge zur besseren Absicherung von Geringverdienern im Alter machte. Nun kommt die SPD.

Die Christdemokratin von der Leyen hat ein Großthema gesetzt - doch damit auch zugleich der Opposition eine Vorlage geliefert. "Die Menschen haben ein gutes Gespür dafür, für wen soziale Gerechtigkeit ein wirkliches Anliegen ist", sagt Thomas Oppermann, Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion.

Die strategischen Überlegungen in der SPD dürften in etwa so aussehen: Von der Leyen hat das Thema groß gemacht, nun können sich die Sozialdemokraten mit ihrem Rentenkonzept als Kleine-Leute-Kümmerer präsentieren. "Dem Thema dient das", sagt Parteichef Sigmar Gabriel über den öffentlichen Rentenstreit in der Koalition. Was er nicht sagt, aber viele Genossen denken: Es könnte am Ende auch der SPD nützen. "Je mehr sich die Menschen mit unserem Konzept auseinandersetzen, desto besser wird deutlich werden, dass wir die gerechtere Lösung haben", sagt Fraktionsgeschäftsführer Oppermann.

Der SPD wird hohe Gerechtigkeitskompetenz zugeschrieben

Agenda 2010 hin oder her, beim Thema Soziales wird der SPD von den Bürgern immer noch mehr als den anderen Parteien zugetraut. Es ist eines der wenigen Kompetenzfelder, auf denen die Partei klar vor der Union liegt. In einer Infratest-Umfrage kam die SPD dort zuletzt bei der Frage, wer für soziale Gerechtigkeit sorge, auf satte 41 Prozent - CDU/CSU hingegen nur auf magere 20 Prozent. Solche Werte gelten in den Reihen der schwarz-gelben Koalition als Alarmzeichen. Vor allem bei der Union geht die Sorge vor einem Rentenwahlkampf der SPD um. Wenn CDU und CSU keine schlüssigen Antworten auf die von der Arbeitsministerin aufgezeigten Versorgungsengpässe finden, könnten die Sozialdemokraten in diese Lücke stoßen. Dann würde sich die SPD als Schutzmacht vor Erwerbs- und Altersarmut profilieren.

Ein Mitglied des Unionsfraktionsvorstandes empört sich darüber, dass die Ministerin das Thema nach vorne geschoben hat und es nicht mehr so schnell einzufangen ist. "Ganz Deutschland freut sich über die gute Finanzlage der Rentenversicherung, die Stimmung ist gut und da kommt dann so eine Debatte, die uns die Ministerin ohne Not ins eigene Nest legt. Da wird das eigene Profil über das Interesse der Partei gestellt", sagt er. Und fügt bitter hinzu: "Das ist brandgefährlich, denn bei dem Thema können wir als Union gar nicht punkten. Egal, was wir tun."

Doch von der Leyen ist beharrlich, macht weiter Druck. Am Dienstag wurde das Thema mit ihr in der Arbeitsgruppe Soziales der Unionsfraktion besprochen, allerdings ohne neue Ergebnisse, wie es hieß. Die Christdemokratin hat wiederholt klargemacht, dass sie bis Ende Oktober von der Koalition "Richtungsentscheidungen" in der Sache erwartet. "Sie macht unheimlich viel und subtil Druck", heißt es aus der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Auch die FDP ist in Sorge

Die FDP kann vergleichsweise entspannt auf den Streit in der Union blicken - die Sicherung der Rente ist kein Kernthema, mit ihm wird die Partei kaum mehr Wähler an sich binden können. Volker Wissing, Vizechef der Bundestagsfraktion, warnt trotzdem: "Die Altersvorsorge ist ein zu sensibles Thema, um es für den Wahlkampf zu missbrauchen." Die Parteien seien daher gut beraten, gemeinsam daran zu arbeiten, die Rente für die Zukunft zu sichern.

In der Unionsfraktion sind es besonders die Abgeordneten der Jungen Gruppe, die beim Thema Zuschussrente mit ihrer Ministerin über Kreuz liegen. Hier gibt es ebenfalls Befürchtungen, am Ende könnte das Ganze im kommenden Bundestagswahlkampf eine so dominierende Rolle spielen, dass CDU und CSU gleichermaßen in die Enge getrieben werden könnten. "Allen Parteien tut es nicht gut, einen Rentenwahlkampf zu führen, weil die Ängste in der Bevölkerung zu groß sind, wie unberechtigt und berechtigt sie auch sind", sagt Philipp Mißfelder, Mitglied der Jungen Gruppe und im CDU-Präsidium. "Es hat doch in Zukunft niemand auf diesem Feld gute Nachrichten zu verkünden, dafür reicht ein Blick auf den demografischen Wandel", sagt er.

Doch von der Leyen denkt nicht daran, ihr Thema so schnell zu versenken. Sie will eine Lösung, zunächst mit CDU und CSU, dann in der Koalition. "Wir sollten in der Rente jetzt die Weichen richtig stellen und sie damit nicht zum Wahlkampfthema machen", sagte die Ministerin kürzlich. Im Klartext heißt das wohl: Sorgt für eine Einigung, dann wird das Thema auch nicht von der SPD im kommenden Jahr gespielt.

Das empfinden manche in ihrer Fraktion als subtile Erpressung.

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1. kein Titel!
friedrich_eckard 11.09.2012
Rentenwahlkampf der SPD? Damit die Partei als Ganzes und der Schildknappe des vorletzten Kanzlers, den sie als Kanzlerkandidaten präsentieren wird, im Besonderen bei jeder Gelegenheit den Zusammenhang zwischen Altersarmut und Lohndrückerei, also Hartz-IV, um die Ohren gehauen bekommt? Damit sie ständig mit dem Namen Maschmeyer konfrontiert wird, demzugefallen die gesetzliche Rente ohne Not demontiert worden ist, weil der Nachfolger Kohls ihm ja noch für grosszügige Unterstützung Gefälligkeiten schuldig war? Dann macht mal schön... profitieren von so einem Wahlkampf könnte einzig die LINKE, und wenn Frau von der Leyharbeit einen solchen Wahlkampf angestossen haben sollte, dann hat sie im mephistophelischen Sinne als Teil von jener Kraft gewirkt, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.
2.
Klopsdrops 11.09.2012
Zitat von sysopDPAIn CDU und CSU sind viele sauer - weil Ursula von der Leyen das Thema Rente auf die Tagesordnung gesetzt hat. "Da können wir gar nicht punkten", klagt ein Unionspolitiker. Tatsächlich dürfte die Debatte vor allem der SPD nützen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,855151,00.html
Nee, Herr Mißfelder. Genau das sind die entscheidenden großen Zukunftsthemen, die in einen Wahlkampf gehören. Gesundheitssystem, Rentensystem, Mindestlöhne usw. DAS sind die entscheidenden Themen, die alle Menschen angehen und mit denen alle Menschen sich beschäftigen müssen. Wieso sollen immer genau solche Themen vom Wahlkampf ausgeschlossen sein? Damit die Parteien dann nach Gutsherrenart darüber entscheiden können, was sie auf dem Gebiet grad so für richtig halten? Und die Bundestagswahlen sollen dann als Legitimation von irgendwelchen Pillepalle-Themen dominiert werden? Aber wenn's an die entscheidenden Fragen dieser Gesellschaft geht, soll sich der Bürger nicht in einer Wahl für eine von mehreren Perspektiven entscheiden dürfen? Dass das Thema jetzt aufkommt und sicherlich noch bis zur Bundestagswahl eine wichtige Rolle spielt, ist genau richtig. Alle Parteien sollen ihre Konzepte ausarbeiten und zur Bundestagswahl zur Wahl stellen und dann entscheidet der Bürger, was er will.
3. Die Angst der Union
L.Werner 11.09.2012
Zitat von sysopDPAIn CDU und CSU sind viele sauer - weil Ursula von der Leyen das Thema Rente auf die Tagesordnung gesetzt hat. "Da können wir gar nicht punkten", klagt ein Unionspolitiker. Tatsächlich dürfte die Debatte vor allem der SPD nützen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,855151,00.html
Aha, da haben wirs also. Die CDU macht also nur Politik, wenns sie beim Volk punkten kann. Allein diese Aussage dieser schwarzen Partei steht für sich selbst. Pfui Teufel !!!!!!!!! Diese Partei muss schleunigst eingestampft werden. Denn dort zählt das Soziale überhaupt nichts mehr. Diese Partei ist der verlängerte Arm des Kapitals. Ich rufe alle noch einigermasen sozial denkende Schwarzen auf, die CDU zu verlassen und in die SPD einzutreten.
4.
marthaimschnee 11.09.2012
Ein Konzept der SPD, wozu? von der Leyen hat die Meßlatte so dermaßen niedrig gelegt, daß man kein taugliches Konzept braucht, um diese zu überspringen. Ein langfristiges Konzept der SPD müßte sich von der gesamten Agenda 2010 distanzieren, die überhaupt der Grund für die katastrophale Schieflage der Sozialsysteme ist. Sie müßte dafür eintreten, daß die Arbeitnehmer angemessen an den Produktivitätsfortschritten beteiligt werden und schlußendlich, daß auch und vor allem diejenigen in die Sozialsysteme einzahlen, die sich derzeit einfach über Beitragsbemssungsgrenzen daraus verpissen! Aber die SPD ist schließlich nur noch dem Namen nach sozialdemokratisch. Selbst wenn die Basis sozial sein will, die Führung läßt sie einfach nicht und steuert auf dem Kurs der Konservativen. Weder sozial noch demokratisch! Und wer Hoffnungen darauf setzt, daß sich bei den nächsten Wahlen an der politischen Richtung etwas ändert, der sollte sich damit abfinden, daß er dafür eine andere als die 4 großen Parteien wählen muß!
5. Weil wir keine Lösung haben,
kuddemuddel 11.09.2012
wollen wir auch nicht darüber reden: sagt der Politiker. Warum die Bevölkerung derzeit verunsichern, Wenn das System implodiert, bin ich längst in Rente, die ich mir als Politiker redlich verdient habe. Nicht anders kann ich das interpretieren.
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Die Säulen des Sozialsystems
Arbeitslosenversicherung
Jeder Arbeitnehmer in Deutschland ist Pflichtmitglied der Arbeitslosenversicherung. Die Hauptleistung der Versicherung ist das Arbeitslosengeld I (ALG I), das einen Teil des ehemaligen Nettoeinkommens ersetzt und bis zu ein Jahr nach Verlust einer Stelle gezahlt wird. Für ältere Arbeitslose gelten Ausnahmen. Läuft die Zahlung des ALG I aus, ohne dass eine neue Stelle gefunden wurde, wird anschließend Arbeitslosengeld II (ALG II) gezahlt. Das Instrument - auch bekannt als Hartz IV - wurde im Jahr 2005 geschaffen, als die ehemalige Arbeitslosen- und Sozialhilfe zusammengelegt wurden. Der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung beträgt derzeit 3,0 Prozent des Bruttolohns. Arbeitgeber zahlen diesen Satz auch für jeden Beschäftigten.
Krankenversicherung
Es gibt zwei Arten von Krankenversicherungen - die Gesetzliche (GKV) und die Private (PKV). Rund 90 Prozent der Erwerbstätigen sind in der GKV pflichtversichert. Der Beitragssatz beträgt aktuell 15,5 Prozent für alle Versicherten. Zusätzlich können die Krankenkassen vom Einkommen unabhängige Beiträge erheben. Seit Anfang 2009 fließen alle Beiträge in einen Gesundheitsfonds, aus dem sie an die Kassen verteilt werden. Der Zugang zur PKV steht nur Selbstständigen und Arbeitnehmern oberhalb einer Einkommensgrenze offen.
Rentenversicherung
Die Beiträge werden durch ein Umlageverfahren finanziert, bei dem die Berufstätigen die Leistungen der Rentner zahlen. Anhand der eingezahlten Beiträge wird die künftige Rentenhöhe errechnet. Zurzeit liegt der Beitragssatz bei 19,6 Prozent. Im Januar 2013 sinkt der Beitrag auf 18,9 Prozent. Das gesetzliche Renteneintrittsalter wird derzeit stufenweise von 65 Jahren auf 67 Jahre heraufgesetzt.
Pflegeversicherung
Die Pflegeversicherung ist die jüngste der Sozialversicherungen in Deutschland. Sie ist eine Grundversicherung, die einen Teil der Pflegekosten abdeckt.
Alles zur Rente ab 67
So steigt das Rentenalter
Wann Sie mit Ihrer vollen Rente rechnen können
Jahrgang Alter*
1946 65
1947 65+1
1948 65+2
1949 65+3
1950 65+4
1951 65+5
1952 65+6
1953 65+7
1954 65+8
1955 65+9
1956 65+10
1957 65+11
1958 66+0
1959 66+2
1960 66+4
1961 66+6
1962 66+8
1963 66+10
ab 1964 67+0
* in Jahren + Monaten
Ab 2012 steigt das Renteneintrittsalter schrittweise auf 67 Jahre. Die Umstellung beginnt mit dem Geburtsjahrgang 1947. Menschen, die in diesem Jahr geboren wurden, müssen einen Monat länger arbeiten, wenn sie ihre Rente vollständig erhalten wollen. Bis 2023 kommt dann für die einzelnen Jahrgänge jeweils ein Monat Mehrarbeitszeit hinzu. Ab 2024 geht es weiter mit Zweimonatsschritten. Ab dem Geburtsjahrgang 1964 gilt so schließlich das neue Rentenalter 67.
Das sind die Ausnahmen
Wer schon 45 Jahre Rentenbeiträge bezahlt hat, kann auch künftig mit 65 in Rente gehen, ohne Abzüge akzeptieren zu müssen. Dabei zählt auch die Kindererziehung bis zum zehnten Lebensjahr des Nachwuchses bei den Beitragszeiten mit. Allerdings schaffen es nur wenige Arbeitnehmer tatsächlich auf 45 Beitragsjahre - bei den Männern waren es zuletzt 28 Prozent, bei Frauen sogar nur vier Prozent.
So viele Abschläge zahlen Sie
Wer 35 Jahre Beiträge gezahlt hat, soll auch künftig mit 63 in Rente gehen können, muss aber Abschläge dafür in Kauf nehmen: 0,3 Prozent für jeden Monat, den man vor der Regelzeit aufhört.
Das ändert sich bei der Witwenrente
Hinterbliebene Ehepartner bekommen künftig statt ab 45 erst ab 47 die große Witwenrente (55 Prozent der normalen Versichertenrente). Bis dahin muss man sich mit der kleinen Witwenrente von 25 Prozent zufriedengeben.
So ändert sich Ihr Versicherungsbeitrag
Der Beitragssatz zur Rentenversicherung soll durch die Reform bis 2020 nicht über 20 Prozent und bis 2030 nicht über 22 Prozent steigen. Das ist eine schwierige Aufgabe: Dem Statistischen Bundesamt zufolge wird der Altersdurchschnitt der Bevölkerung im Jahr 2050 von 42 auf 50 Jahre steigen.
Das ändert sich für Schwerbehinderte
Für Schwerbehinderte wird das Renteneintrittsalter stufenweise von 63 auf 65 Jahre angehoben. Mit finanziellen Abschlägen ist aber auch der Renteneintritt mit 62 möglich.
Das ändert sich bei den Erwerbsminderungsrenten
Wer aus gesundheitlichen Gründen nur eingeschränkt arbeiten kann, muss sich auf maximal 10,8 Prozent Abschlag einstellen. Er kann als Erwerbsgeminderter zudem mit 63 Jahren ohne Einbußen in Rente gehen. Diese Regelung gilt bis 2023, danach sind 40 Beitragsjahre erforderlich.


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