Energiegipfel im Kanzleramt: Länderchefs fordern schnelleren Windkraft-Ausbau

Wie schafft Deutschland die Energiewende? Vor dem Spitzentreffen im Kanzleramt fordern mehrere Länderchefs einen schnelleren Ausbau der Windkraft. Deutliche Kritik erntet erneut der Plan der Bundesregierung, die Ökostrom-Produktion zu deckeln.

Windräder im Schwarzwald: Länder wehren sich gegen Drosselung bei Windkraft Zur Großansicht
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Windräder im Schwarzwald: Länder wehren sich gegen Drosselung bei Windkraft

Berlin - Ministerpräsidenten mehrerer Bundesländer wehren sich vor dem Energiegipfel im Kanzleramt gegen die geplante Deckelung des Ökostrom-Ausbaus. Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sagte, sein Land werde den Ausbau der Windkraft auf keinen Fall drosseln. "Wir wollen auf zehn Prozent kommen bis zum Jahr 2020. Davon werde ich mich nicht abbringen lassen", sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Andere Länder, etwa in Norddeutschland, pochen auf ein Festhalten an den Offshore-Plänen zum Aufbau großer Windparks im Meer.

Die Ministerpräsidenten der Länder beraten am Mittag in einem Spitzentreffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die weiteren Schritte bei der Energiewende. Dabei geht es darum, die Ausbauziele für Ökostrom aufeinander abzustimmen. Zwar zeigten sich die meisten Länder im Vorfeld zu einer Anpassung ihrer Ziele bereit, verknüpften dies aber mit Bedingungen oder der Forderung an den Bund, eine Ausbaustrategie vorzulegen.

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) will den Bau weiterer Windräder und Biogasanlagen deckeln, um zu verhindern, dass Ökostrom produziert wird, für den das Leitungsnetz noch nicht ausreicht. Andernfalls - so wird befürchtet - könnten die Kosten für die Verbraucher weiter drastisch steigen. Beim Strom gibt es bereits heute einen Anteil erneuerbarer Energien von 25 Prozent. Die Bundesregierung will das Ökostrom-Ziel bis 2020 von 35 auf 40 Prozent anheben. Würden alle Länderziele umgesetzt, würde das Ziel allerdings deutlich übertroffen.

Merkel will am Freitagmittag mit den Ministerpräsidenten über Versorgungssicherheit, Preisstabilität und den Netzausbau sprechen. Die Länderchefs hatten in der vergangenen Woche in einem Eckpunktepapier gefordert, das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) so zu ändern, dass es die Investitionssicherheit gewährleistet, die Kosten für die Energiewende "auf ein vertretbares Maß begrenzt" und das Zusammenspiel von erneuerbaren Energien mit "der übrigen Energieversorgung" optimiert.

Albig bringt staatlichen Netzbetreiber ins Spiel

Gegen Altmaiers Plan kündigte außer Kretschmann auch andere Länderchefs Widerstand an. Der niedersächsische Ministerpräsident David McAllister (CDU) forderte einen weiteren Ausbau der Windenergie auf hoher See. Er wünsche sich, "dass wir ein klares Bekenntnis auch der Bundesregierung und der 16 Ministerpräsidenten bekommen zum weiteren Ausbau der Offshore-Energie", sagte McAllister im ZDF-"Morgenmagazin". Dies sei "für uns im Norden ganz besonders wichtig".

Zur Lösung der Probleme beim Ausbau der Stromnetze sollte nach Ansicht von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) notfalls eine staatliche Netzbetreibergesellschaft gegründet werden. "Die Exit-Strategie muss klar sein: Wenn wir feststellen, dass ein privater Netzbetreiber es nicht schafft, muss es der Staat machen", sagte er den "Kieler Nachrichten" (Freitag). "Bisher jedenfalls machen die Netzbetreiber beim Netzausbau viel zu wenig, obwohl Geld im Markt ist und sie die technischen Möglichkeiten haben."

Laut der Umweltschutzorganisation Greenpeace würde das Konzept Altmaiers Zehntausende neue Arbeitsplätze verhindern. Durch die geplante Begrenzung des Ausbaus der erneuerbaren Energien gingen der Wirtschaft fünf Milliarden Euro an Wertschöpfung verloren, teilte Greenpeace am Freitag unter Berufung auf eine Studie des Instituts für Ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) mit.

Greenpeace nennt Altmaier-Plan "absurd"

Nach Ansicht des Greenpeace-Energieexperten Andree Böhling wäre es "völlig absurd", den Ausbau der Windenergie zu drosseln. "Das vernichtet Arbeitsplätze und Einkommen, ohne den Strompreis spürbar abzusenken." Da gerade die günstige Windenergie der stärkste Motor für Wertschöpfung und Beschäftigung sei, müsse der Ausbau dynamisch beibehalten werden, forderte Greenpeace. Und zwar nicht nur im Norden, sondern auch im Süden Deutschlands, sagte Böhling: "Windkraft im Süden liefert dort Strom, wo die größte Nachfrage ist, verbessert die Versorgungssicherheit und braucht weniger teure Stromleitungen."

Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) machte vor dem Spitzentreffen einen Reformvorschlag: Produzenten alternativer Energien sollten künftig garantieren, dass sie stets die vereinbarte Menge Strom zur Verfügung stellen könnten, sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Da dies mit schwankenden Strommengen aus Wind und Sonne kaum möglich sei, könnten Ökostrom-Erzeuger Verträge mit Kraftwerken schließen, bei Windstille oder Sonnenmangel konventionellen Strom einzuspeisen. Dies verhindere, dass es zwei getrennte Systeme und einen Ausbau mit doppelten Kosten gebe, sagte Bouffier.

Der Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer, Hans Heinrich Driftmann, forderte eine Verständigung darüber, wo wie viel erneuerbare Energie ausgebaut werden sollen. "Im Moment haben wir bei den Länderzielen einen Wildwuchs: Export im Norden, Autarkie im Süden, das passt nicht zusammen", sagte Driftmann dem "Düsseldorfer Handelsblatt". "Wichtig ist, dass die Kanzlerin in Richtung Kabinett genauso wie in Richtung Länder eine klare Linie vorgibt."

fab/dpa/dapd

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1. .
paperbag 02.11.2012
Zitat von sysopWie schafft Deutschland die Energiewende? Vor dem Spitzentreffen im Kanzleramt fordern mehrere Länderchefs einen schnelleren Ausbau der Windkraft. Deutliche Kritik erntet erneut der Plan der Bundesregierung, die Ökostrom-Produktion zu deckeln. Vor Energiegipfel drängen Länder auf Windkraft-Ausbau - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/vor-energiegipfel-draengen-laender-auf-windkraft-ausbau-a-864863.html)
Bouffier hat vollkommen recht. Der wahre Wert der reg. En. zeigt sich erst, wenn die Verbraucher kontinuierlich mit el. Energie versorgt werden müssen. Solange Strom aus regenerativen Quellen zu festgesetzten Preisen abgenommern werden muss, der Kraftwerksbetreiber für seine vorgehaltene Leistung aber nicht bezahlt wird, werden die wahren Kosten der reg. En. verschleiert. Und dann ständig dieses halbdämlichen Reportagen der ÖR Sender mit Gemeinden, die ihre Natur mit Windrädern verschandeln und von Unabhängigkeit von den EVU reden. Wenn dann mal Flaute ist, sind Sie die ersten, welche vom nächstgelegenen Großkraftwerk beliefert werden wollen. Wenn das EVU die Preise aus diesem Grund erhöhen will ist natürlich wieder von der Energiemafia die Rede. Jedem sollte klar sein, dass wir für Strom aus regenerativen Quellen ohnehin viel mehr zahlen aber zusätzlich dazu auch der Strom aus konventionellen Kraftwerken teuerer wird die Netze ausgebaut werden müssen. Wenn man dies vor 2 Jahren gesagt hat, wurde man als Mitglied der Atomlobby abgetan. Wo sind denn die ganzen Helden von damals, die der Bevölkerung weis gemacht haben, dass der Atomausstieg und die dazu gehörige Energiewende nichts kosten würde? Wenigstens muss die dämliche Bevölkerung selber zahlen, da die Wirtschaft klugerweise aus diesem Unsinn größtenteils ausgenommen ist. So hat der Bürger zumindest einen Job um seine EEG Umlage zu bezahlen, aber daran arbeiten die Helden von damals ja auch schon eifrig.
2. Für wen treten die Länderpolitiker
u.loose 02.11.2012
Zitat von sysopWie schafft Deutschland die Energiewende? Vor dem Spitzentreffen im Kanzleramt fordern mehrere Länderchefs einen schnelleren Ausbau der Windkraft. Deutliche Kritik erntet erneut der Plan der Bundesregierung, die Ökostrom-Produktion zu deckeln. Vor Energiegipfel drängen Länder auf Windkraft-Ausbau - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/vor-energiegipfel-draengen-laender-auf-windkraft-ausbau-a-864863.html)
eigentlich an? Für ihre Wahlbürger, oder als Händchenhalter grüner Lobbyisten? Ach ja - was hat greenpeace da eigentlich zu suchen? Muss man sich nun schon von Sektierern samt ihrer "Lohnschreiber" wieder mal die Mär von den Arbeitsplätzen anhören lassen. Na ja - die kommen ja auch wieder auf den Boden, nach "hunderttausenden" sind es ja nur noch "zehntausende". Niedlich auch deren Sorge um die "Wertschöpfung" - allerdings mit dem kleinen Haken, dass für angebliche 5 Mrd der Bürger wohl 10 Mrd aufbringen muss. Lange Rede - offenbar ein gackernder Haufen Lokal-Egoisten und am Ende schaut der gemeine Bürger mit "vertretbaren" Kosten - "sind ja nur xxx Euro mehr im Jahr" - in die Röhre.
3. Lobbyismus...
fritzlothar 02.11.2012
..zahlt sich aus! Die großen Energiekonzerne wollen keine Energiewende, schon gar keine, an der sie nicht Milliarden verdienen. Also setzt man seine Lobbyisten in Gang und schon knicken FDP und CDU/CSU ein. Nebelkerzen werden geworfen, den Leuten vorgegaukelt, daß man die Energiewende betreibt und - man macht genau das Gegenteil. Im Ausland ist man auch auf diesen
4. Offshore Windkraft sofort stoppen
thiede11 02.11.2012
An Land dagegen massiv ausbauen, dasselbe gilt für PV. Der Staat muß Netze bauen, die vier Netzbetreiber haben in der Vergangenheit den Ausbau ständig verhindert. Die Forschung in power-to-gas verstärken u. den Ausbau im Norden fördern sodaß im Norden der Überschuß an Strom als Windgas/Methan/Methanol/H2 gespeichert u. dort für den Autoverkehr u. KWKs genutzt werden kann.
5. Welch ein schlechter Witz
veermaster 02.11.2012
Habe ich das richtig verstanden? Die Netzbetreiber und im Zweifel die dahinter stehenden 4 großen "Energieversorger", also das Oligopol, hat uns jahrelang die Leitungsgebühren zahlen lassen, sich und den Aktionären die Taschen vollgestopft, die Leitungen statt sie instandzusetzen und auszubauen, verrotten lassen und will jetzt auf unsere Kosten ihre Leitungsnetze sanieren, die wir ja schon einmal bezahlt haben, um uns anschließend für die auf unsere Kosten sanierten und ausgebauten Leitungsnetze teure Nutzungsgebühren abzunehmen? Ist das so, dann verkneife ich mir jedweden Kommentar, der wäre definitiv strafrechtlich relevant.
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EEG-Umlage
Was ist die EEG-Umlage?
Die EEG-Umlage ist das zentrale Förderinstrument für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Wind-, Solar- und Biogasanlagen können am Markt noch nicht mit Kohle- und Atomkraftwerken konkurrieren. Damit sie trotzdem rentabel sind, wird solchen Kraftwerken der Strom zu einem fixen Preis abgenommen. Dieser liegt deutlich über dem Preis an der Strombörse EEX. Die Differenz von Börsenpreis und fixem Abnahmepreis zahlen die Verbraucher über ihre Stromrechnung.
Warum steigt die EEG-Umlage?
Das hat zwei Gründe. Erstens, weil die absolute Menge des Ökostroms steigt. Durch die Energiewende gehen eine große Menge neuer Ökostromanlagen ans Netz. Zweitens steigt die EEG-Umlage auch relativ. Das hat paradoxerweise mit sinkenden Strompreisen zu tun. Die erneuerbaren Energien erhöhen das Stromangebot in Zeiten großer Nachfrage und senken dadurch den Strompreis an der Börse. Wenn aber der Strompreis sinkt, dann steigt die Differenz zwischen dem tatsächlichen Strompreis und dem fixen Abnahmepreis, den Betreiber von Ökostromanlagen garantiert bekommen - und die Verbraucher per EEG-Umlage ausgleichen müssen.
Zahlen alle Verbraucher die EEG-Umlage?
Im Prinzip ja. Allerdings werden ausgerechnet die größten Stromfresser der Nation entlastet. Sie genießen den Schutz der sogenannten besonderen Ausgleichsregel des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Laut dieser zahlen Firmen die volle EEG-Umlage nur für die ersten eine Million Kilowattstunden Strom, die sie verbrauchen. Für jede weitere Kilowattstunde zahlen sie nur noch zehn Prozent der EEG-Umlage, ab einem Verbrauch von zehn Millionen Kilowattstunden ist es nur noch ein Prozent, ab einem Verbrauch von 100 Millionen Kilowattstunden sind es noch 0,05 Cent. Beispiel: Die Trimet Aluminium AG verbraucht bei voller Auslastung 4,6 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr*. Die Aluminiumhütte muss also nur für rund 0,02 Prozent ihres Gesamtverbrauchs die volle EEG-Umlage zahlen.

Vor-/Nachteile der Energieträger
Die Energiewirtschaft befindet sich im Umbruch - SPIEGEL ONLINE zeigt die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Energieträger.
Erdöl
Plus: Erdöl ist der Schmierstoff industrieller Volkswirtschaften. In Deutschland deckt Öl rund 35 Prozent des Energiebedarfs - so viel wie kein anderer Rohstoff. Im Verkehrssektor gibt es momentan kaum Alternativen zu Öl: Das bestehende Tankstellennetz ist auf Benzin und Diesel ausgerichtet, die heute gängigen Motoren fahren fast nur mit diesen beiden Treibstoffen.

Minus: Der Ölpreis ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen - und mit ihm der Spritpreis. Autofahrer mussten zeitweise mehr als 1,50 Euro für Benzin zahlen. Die deutsche Volkswirtschaft verliert dadurch Milliardenbeträge, denn das Land ist fast völlig von Importen abhängig. Weltweit liegen die meisten Ölvorkommen in politisch heiklen Regionen wie dem Nahen Osten, Russland, Venezuela oder Nigeria. Versorgungskrisen kann man daher nicht ausschließen. Darüber hinaus ist Erdöl ein endlicher Rohstoff: Die bekannten Vorkommen gehen langsam zur Neige. Große neue Felder wurden in den vergangenen Jahren kaum entdeckt - und wenn, dann nur in schwierig zu erschließenden Gebieten wie der Arktis. Hinzu kommt die CO2-Problematik: Wenn Öl verbrannt wird, entsteht das Klimagas Kohlendioxid .
Erdgas
Plus: Erdgas ist der klimafreundlichste fossile Energieträger - bei der Verbrennung entsteht weniger CO2 als bei Kohle oder Öl. Außerdem halten die Vorräte noch eine Weile: Die Reichweite der Gasvorkommen wird auf rund 60 Jahre geschätzt, bei Öl sind es nur 40 Jahre. machen zudem den Zugriff auf große neue Gas-Reservoirs möglich. Ein weiterer Vorteil: Gas kann einen wichtigen Beitrag zur Stromerzeugung leisten. Denn Gaskraftwerke lassen sich schnell hoch- und runterfahren - diese Flexibilität hilft, die Schwankungen beim Windstrom auszugleichen.

Minus: Weltweit verfügen nur wenige Länder über Gasvorkommen. Entsprechend groß sind die Abhängigkeiten - Deutschland bezieht rund 40 Prozent seines Erdgases aus Russland. Problematisch ist außerdem die noch immer weit verbreitete Bindung an den Ölpreis: Je teurer Erdöl wird, desto teurer wird auch Gas. Stromkonzerne klagen bereits, dass sich Gaskraftwerke kaum mehr rentieren. Private Haushalte kennen dasselbe Problem beim Heizen - Gas ist kaum günstiger als Öl. Auch beim Autofahren stellt Erdgas keine Alternative dar: Der aktuelle Preisvorteil gegenüber Benzin und Diesel liegt nur an der steuerlichen Begünstigung.
Kohle
Plus: Kohle gibt es fast überall auf der Welt - einseitige Importabhängigkeiten wie beim Gas sind deshalb nicht zu befürchten. Auch Deutschland verfügt über nennenswerte Ressourcen: Braunkohle lässt sich ohne Subventionen fördern, für Steinkohle ist dies bei weiter steigenden Preisen zumindest denkbar. Außerdem reichen die Vorräte so lange wie bei keinem anderen fossilen Energieträger: Schätzungen gehen von rund 200 Jahren aus. Kohle eignet sich vor allem zur Stromerzeugung in der Grundlast - rund 50 Prozent des deutschen Stroms stammen aus Kohlekraftwerken .

Minus: Kein Energieträger ist so klimaschädlich wie Kohle. Bei der Verbrennung entsteht rund doppelt so viel CO2 wie bei Gas. Problematisch könnte dies vor allem dann werden, wenn man bestehende Atomkraftwerke durch neue Kohlekraftwerke ersetzt - oder wenn Elektroautos künftig in großem Stil Kohlestrom tanken. Bedenklich sind außerdem die Arbeitsbedingungen, unter denen Kohle gefördert wird : Zu den größten Produzenten zählen China, Russland und Südafrika - Länder, in denen immer wieder Bergleute ums Leben kommen.
Atomenergie
Plus: Kernkraftwerke produzieren - wenn sie einmal gebaut sind - günstigen Strom. Der Rohstoff Uran wird nur in geringen Mengen verbraucht, so dass die laufenden Betriebskosten gering sind. Atomstrom kann in der Grundlast eingesetzt werden, also unabhängig von kurzfristigen Wetterschwankungen. In Frankreich wird Atomstrom auch zum Heizen verwendet, langfristig könnten so auch Elektroautos betrieben werden. Bei der Kernenergie wird kaum CO2 freigesetzt. Sie ist damit klimafreundlicher als Kohle oder Gas.

Minus: Der größte Nachteil der Atomenergie ist das Risiko eines GAUs. Selbst wenn man dafür eine geringe Wahrscheinlichkeit unterstellt - der Schaden wäre enorm. Die Katastrophe in Tschernobyl war nur ein Vorgeschmack dessen, was im dicht besiedelten Mitteleuropa passieren würde: Tausende Opfer, auf ewig verseuchte Landstriche, Vermögensverluste in zigfacher Milliardenhöhe. Hinzu kommt die ungelöste Frage der Endlagerung : Obwohl die Kernenergie seit rund 50 Jahren genutzt wird, gibt es bis heute keine dauerhafte Deponie für die verstrahlten Abfälle. Ob es überhaupt ein sicheres Endlager geben kann, ist umstritten: Der Atommüll strahlt zum Teil mehr als 100.000 Jahre lang - was in dieser Zeit alles passiert, kann niemand vorhersagen. In jüngster Zeit wird ein weiteres Problem immer häufiger diskutiert: Was geschieht, wenn Terroristen einen Anschlag auf ein Kernkraftwerk verüben? Oder wenn sie in den Besitz von spaltbarem Material gelangen? Sicherheitsexperten haben auf diese Fragen keine abschließende Antwort.
Wasser
Plus: Die Wasserkraft ist sehr umweltfreundlich - mit geringem Eingriff in die Natur lässt sich günstig Energie gewinnen. Rund fünf Prozent des deutschen Stroms stammen aus Wasserkraftwerken. Außerdem lässt sich in Stauseen sehr gut Energie speichern: Bei einem Überangebot an Strom wird Wasser nach oben gepumpt. Bei Bedarf wird es dann abgelassen, um die Turbinen anzutreiben.

Minus: In Deutschland ist das Potential der Wasserkraft so gut wie ausgeschöpft. Fast jeder Fluss hat ein Kraftwerk, ebenso fast jeder See. Im Ausland wiederum ist die Wasserkraft zum Teil in Verruf geraten: Riesenprojekte wie der Jangtse-Staudamm in China zerstören die Natur in großem Stil.
Wind
Plus: Von allen erneuerbaren Energien ist die Windkraft in den vergangenen Jahren am stärksten gewachsen. Mittlerweile beziehen die Deutschen deutlich mehr Strom aus Windrädern als aus Wasserkraftwerken. Auch in Zukunft hat die Branche großes Wachstumspotential - vor allem offshore, also in Windparks auf dem Meer . Ein weiterer Vorteil: Die Windkraft ist verhältnismäßig günstig. Die Betreiber der Anlagen bekommen über das Erneuerbare-Energien-Gesetz nur wenig mehr Förderung als der Preis für konventionellen Strom an der Energiebörse hoch ist. Zum Vergleich: Solarstrom wird weit höher vergütet.

Minus: Kritiker halten Windräder für eine Verschandelung der Landschaft. Außerdem weht der Wind sehr unzuverlässig: Bei einer starken Brise wird das deutsche Stromnetz überlastet, bei Flaute muss Strom aus dem Ausland hinzugekauft werden. Praktikable Speicher für Windenergie gibt es bisher nicht. Ein weiterer Nachteil: Starker Wind bläst vor allem in Norddeutschland, die großen Verbrauchszentren liegen aber im Süden und Westen. Um den Strom abzutransportieren, sind zahlreiche neue Leitungen nötig .
Sonne
Plus: Die Sonne ist nach menschlichen Maßstäben eine ewige Energiequelle , und sie scheint für jeden umsonst. Hätten alle Dächer Deutschlands eine Solaranlage, könnte so ein großer Teil des hiesigen Strombedarfs gedeckt werden - klimaschonend und unabhängig von Importen. Darüber hinaus lässt sich das Sonnenlicht auch zur Warmwasserbereitung nutzen: Mit Solarkollektoren kann man herkömmliche Heizungen ergänzen und so die Energiekosten drücken.

Minus: Die Sonne hat den gleichen Nachteil wie der Wind - ihre Energie lässt sich nicht zu jeder Uhrzeit nutzen. Das größte Problem ist jedoch der Preis: Solarstrom kostet viel mehr als konventioneller Strom. Und trotz milliardenschwerer Subventionen leistet Sonnenenergie bislang nur einen geringen Beitrag zur deutschen Stromversorgung: Schätzungen schwanken zwischen einem um zwei Prozent. Damit die Photovoltaik in Mitteleuropa wettbewerbsfähig wird, müsste es eine technische Revolution geben - oder die Preise für konventionelle Energie müssten dramatisch steigen.
Biomasse
Plus: Holz, Stroh, Mais - beim Verbrennen dieser Stoffe wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie die Pflanzen vorher der Atmosphäre entzogen haben. Biomasse lässt sich in vielen Bereichen einsetzen: zum Heizen (beispielsweise mit Holzpellets), zum Autofahren (mit Biodiesel oder Bioethanol ) oder zur Stromerzeugung (mit Biogas). Der große Vorteil: Biomasse ist gespeicherte Energie. Man kann also frei entscheiden, wann man sie nutzen möchte - anders als bei Wind- oder Solarkraft. Ein weiterer Pluspunkt: Energiepflanzen, die in Deutschland wachsen, reduzieren die Abhängigkeit von Importen.

Minus: In jüngster Zeit gerät die Bioenergie massiv in die Kritik. Denn die Pflanzen benötigen enorme Anbauflächen - und treten damit in direkte Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Gerade bei Biotreibstoffen wird das zum Problem: Lässt es sich moralisch rechtfertigen, dass die Reichen Mais tanken - während die Armen hungern? Hinzu kommt ein gigantisches Mengenproblem: Wollte Deutschland seinen gesamten Benzin- und Dieselbedarf mit Biokraftstoffen decken, wäre dafür eine Fläche nötig, die größer ist als die gesamte Bundesrepublik. Das Gleiche gilt fürs Heizen: Sollten alle Bundesbürger auf Holzpellets umsteigen, würde der deutsche Wald dafür nicht reichen - erneut wären Energie-Importe nötig.
Erdwärme
Plus: Die Wärme im Erdinneren steht rund um die Uhr zur Verfügung. Sie lässt sich sowohl zum Heizen als auch zur Stromerzeugung nutzen. Gäbe es keine Probleme mit der Bohrtechnik, könnte die Geothermie den gesamten deutschen Energiebedarf decken.

Minus: In Deutschland muss man Hunderte oder gar Tausende Meter tief bohren, um ein ausreichendes Temperaturniveau zu erreichen. Die Kosten der Geothermie sind deshalb sehr hoch. Mancherorts gibt es außerdem Probleme mit dem Grundwasser. Andere Länder sind hier aus geologischen Gründen in einer besseren Position: Island zum Beispiel deckt seinen Energiebedarf zum Großteil mit der Wärme aus dem Erdinneren.