Aufruf zu Toleranz an Muslime "Im Islam gibt es leider Defizite"

Unionsfraktionschef Volker Kauder hat an Muslime weltweit appelliert, Christen tolerant zu begegnen. Religionsfreiheit sei ein Gradmesser auch für andere Freiheitsrechte. Sorge machten ihm Ägypten, der Irak, Syrien und die Türkei.

Volker Kauder (CDU)
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Volker Kauder (CDU)


Unionsfraktionschef Volker Kauder hat zu Ostern von Muslimen weltweit mehr religiöse Toleranz gefordert. "Im Islam gibt es hier leider Defizite", sagte der CDU-Politiker der Nachrichtenagentur dpa. Gerade die Fanatiker der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) beriefen sich leider auch auf die Lehren des Koran.

"Diesen offenkundigen Irrlehren muss von den geistigen Autoritäten des Islam noch stärker widersprochen werden", sagte Kauder. Diese müssten "doch selbst ein hohes Interesse haben, dass ihre Religion nicht von Fanatikern diskreditiert wird".

Jenen, die Gläubige radikalisieren wollten, "muss aus der islamischen Lehre heraus entgegengetreten werden", sagte Kauder. Der Großscheich der Azhar-Moschee in Kairo, Ahmed el-Tayeb, mit dem er in regelmäßigem Kontakt sei, mache das beispielsweise. "Aber es müssen noch mehr sein."

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Der CDU-Politiker kritisierte, die Lage der Christen insbesondere in Syrien und dem Irak habe sich in den vergangenen Jahren dramatisch verschlechtert. In Ägypten wollten islamistische Fanatiker die Gesellschaft spalten, warnte Kauder vor dem Hintergrund der jüngsten Anschläge auf koptische Christen mit zahlreichen Toten.

Lage der Christen in der Türkei "nicht akzeptabel"

Der Fraktionschef kritisierte auch die Entwicklung in der Türkei unter Präsident Recep Tayyip Erdogan. "Die Lage der Christen in der Türkei ist bereits seit Jahren nicht akzeptabel", sagte er. So wie Erdogan heute mit der Presse- und Meinungsfreiheit umgehe, "ist er schon zuvor mit den Rechten der Christen verfahren". Christen würden in der Türkei "seit Langem mehr oder weniger offen diskriminiert". So dürften die Kirchen keine Priester ausbilden, der Staat stelle zudem den Besitz der Kirchen infrage.

In der Türkei sind bei einem Referendum am Ostersonntag mehr als 55 Millionen Wahlberechtigte zur Stimmabgabe für oder gegen das von Erdogan angestrebte Präsidialsystem aufgerufen. Dieses würde ihm deutlich mehr Macht verleihen.

"Allein wegen der Behandlung der christlichen Minderheit kann die Türkei momentan überhaupt nicht damit rechnen, EU-Mitglied zu werden", sagte Kauder. "In den vergangenen Monaten hat sich das Land auch auf anderen Gebieten immer weiter von der EU entfernt."

Die Entwicklung der Türkei sei für viele Länder typisch, ergänzte er: "Dort, wo die Religionsfreiheit mit Füßen getreten wird, sind in aller Regel die übrigen Freiheitsrechte nicht gewährleistet." Auch darum sei es so wichtig, sich intensiv mit der Religionsfreiheit zu beschäftigen: Ihr Grad sei "ein Lackmustest für den Grad der Freiheitsgewährung insgesamt".

cht/dpa



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