Berlin - 40 US-Milliardäre um Bill Gates und Warren Buffett haben es vorgemacht - jetzt sollen auch deutsche Reiche große Summen Spenden - das fordern mehrere deutsche Politiker. "Ein gutes Vorbild" sei die Ankündigung der amerikanischen Superreichen, mindestens die Hälfte ihres Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden, meint Grünen-Chefin Claudia Roth. "Wer spenden kann, soll das tun", forderte Roth in der "Passauer Neuen Presse".
Sozialdemokraten schließen sich dem Reigen transatlantischen Lobes an. SPD-Fraktionsvize Joachim Poß bezeichnete das Vorhaben der US-Milliardäre ebenfalls als "eine gute Idee". Das Stiftungsrecht sei auch in Deutschland längst weiterentwickelt worden. "Man kann den Ansatz auch hier weiter verfolgen", betonte Poß.
Microsoft-Gründer Gates und Investmentguru Buffett hatten 40 Milliardäre in den USA überzeugt, mindestens die Hälfte ihres Vermögens zu spenden - so wie sie es vorher schon selbst getan haben. An dieser bisher einzigartigen Aktion beteiligen sich damit etwa zehn Prozent aller US-Milliardäre - und sie dürfte mehr als 100 Milliarden Dollar zusammenbringen. Damit wäre das gesamte jährliche Spendenaufkommen in Amerika verdoppelt. Nun hoffen die Initiatoren weltweit auf Nachahmer und setzen darauf, dass eine neue Ära der Wohltätigkeit beginnt. In Deutschland hat die Debatte über Wohltätigkeit von Reichen bereits begonnen.
Allerdings sehen Grüne und SPD weiterhin die Notwendigkeit, die Besitzer hoher Vermögen in Deutschland auch seitens des Staates verstärkt in die Pflicht zu nehmen: "Eine solche Geste kann eine vernünftige Vermögensbesteuerung nicht ersetzen", bemerkte Poß. Derzeit arbeitet die SPD an einem neuen Steuerkonzept. Auch Grünen-Chefin Roth hält daran fest, dass der Staat "beim Spitzensteuersatz und der Besteuerung der Vermögen" Rahmenbedingungen setzen müsse, damit der soziale Rechtsstaat finanzierbar bleibe.
Die Liste der amerikanischen Milliardäre, die sich dazu verpflichtet haben, zu Lebzeiten oder nach ihrem Tode einen beträchtlichen Teil ihres Vermögens zu spenden, liest sich wie ein Who's who der US-Superreichen: New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg ist ebenso darunter wie Oracle-Mitgründer Larry Ellison, der Energie-Tycoon T. Boone Pickens und Medienmogul Ted Turner. Weiterhin zählen dazu der Immobilien- und Baumilliardär Eli Broad, der Risikokapitalgeber John Doerr, der Medienunternehmer Gerry Lenfest und der ehemalige Cisco-Chef John Morgridge.
Initiator Buffett zeigt sich hocherfreut: "Wir haben gerade erst angefangen, aber das Feedback ist bereits riesig." Mit der Initiative wolle man "auch eine Debatte über Reichtum anregen, über Vermögen und den Umgang damit".
| Die zehn spendabelsten US-Wohltäter | |||||
| Name | Hintergrund | geschätzte Spendensumme* | aktuelles Vermögen* | Spendenanteil am aktuellen Vermögen in Prozent | |
| 1 | Warren Buffett | Investor (Berkshire Hathaway) | 40.785 | 50.000 | 82 |
| 2 | Bill & Melinda Gates | Microsoft-Gründer | 27.602 | 57.000 | 48 |
| 3 | George Kaiser | Bankchef (BOK Financial corporation) | 2897 | 12.000 | 24 |
| 4 | George Soros | Investor | 6936 | 11.000 | 63 |
| 5 | William Barron Hilton | Hotelerbe | 1700 | 2266 | 75 |
| 6 | Walton-Familie | Famile der Wal-Mart-Gründer | 2015 | 93.100 | 2 |
| 7 | Herbert & Marion Sandler | Sparkassengründer (Golden West Financial) | 1389 | 2400 | 58 |
| 8 | Peter Peterson | Blackstone-Gründer | 1175 | 2500 | 47 |
| 9 | Donald Bren | Immobilien | 1340 | 12.000 | 11 |
| 10 | Michael Bloomberg | Bloomberg-Gründer, Bürgermeister von New York City | 1500 | 20.000 | 8 |
| Quelle: BusinessWeek; Stand: 2008; *in Millionen Dollar | |||||
sef/Reuters/ddp
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