Vorläufiges Endergebnis SPD gewinnt mit nur 21,6 Prozent in Berlin

Die SPD hat bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus herbe Verluste erlitten - bekam mit 21,6 Prozent aber die meisten Stimmen. Für eine Regierungsmehrheit braucht sie nun zwei Koalitionspartner.

Michael Müller (SPD)
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Michael Müller (SPD)


In Berlin zeichnet sich das bundesweit erste Regierungsbündnis von SPD, Linken und Grünen unter Führung der Sozialdemokraten ab. Nach dem vorläufigen Ergebnis gewann die SPD die Wahl zum Abgeordnetenhaus vor ihrem bisherigen Koalitionspartner CDU. Die früheren Volksparteien verloren zusammen über zwölf Prozentpunkte und fuhren ihr jeweils schlechtestes Nachkriegsergebnis in Berlin ein. Die SPD kann zwar weiter regieren, muss sich aber zwei Partner suchen: Zweierbündnisse haben keine Mehrheit mehr.

Nach dem vorläufigen Ergebnis erreichte die SPD 21,6 Prozent (2011: 28,3). Die Union kam mit 17,6 Prozent auf Platz zwei (2011: 23,3). Die Linkspartei landete mit 15,6 Prozent auf Platz drei (2011: 11,7) und überflügelte knapp die Grünen, die auf 15,2 Prozent kamen (2011: 17,6). Die FDP kehrt mit 6,7 Prozent ins Parlament zurück (2011: 1,8). Erwartungsgemäß flogen die Piraten mit 1,7 Prozent (2011: 8,9) raus.

Die AfD holte 14,2 Prozent und sitzt nun in 10 von 16 Landesparlamenten. Zudem sind fünf Politiker der AfD direkt gewählt worden. Kay Nerstheimer kam im Wahlkreis Lichtenberg 1 bei den Erststimmen auf 26 Prozent. Weitere Direktmandate gingen in den Wahlkreisen Marzahn-Hellersdorf 1 und 3 an die Kandidaten Gunnar Lindemann (30,6 Prozent) und Jessica Bießmann (29,8 Prozent). Ebenfalls direkt gewählt wurde AfD-Politiker Frank Scholtysek mit 23,8 Prozent im Wahlkreis Treptow-Köpenick 3. Im Wahlkreis Pankow 1 war AfD-Kandidat Christian Buchholz mit 22,4 Prozent der Erststimmen erfolgreich.

Die Sitzverteilung im Abgeordnetenhaus sieht wie folgt aus: SPD 38 Sitze, CDU 31, Linke 27, Grüne 27, AfD 25, FDP 12 Sitze. Die Wahlbeteiligung war mit 66,9 Prozent deutlich höher als 2011, damals waren es bloß 60,2 Prozent gewesen.

SPD-Spitzenkandidat Michael Müller (51), dessen Partei seit 15 Jahren den Regierenden Bürgermeister im Roten Rathaus stellt, kündigte Sondierungsgespräche zur Regierungsbildung mit allen Parteien außer der AfD an. Er fügte hinzu: "Ich sehe mehr Schnittmengen mit Grünen und Linken." SPD-Chef Sigmar Gabriel betonte: "Berlin bleibt sozial und menschlich anständig." Mehr Reaktionen zum Wahlausgang lesen Sie im folgenden Überblick:

Bis zur Bundestagswahl im September 2017 gibt es mit den Wahlen im Saarland (26. März), in Schleswig-Holstein (7. Mai) und in Nordrhein-Westfalen (14. Mai) drei weitere politische Stimmungstests.

aar/dpa



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