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Vorratshaltung: Ministerium empfiehlt Krisen-Vorrat

Von Oliver Bilger

4,5 Kilo Getreide, Brot oder Kartoffeln, 21 Liter Getränke, zwei Kilo Gemüse oder Hülsenfrüchte und noch vieles mehr. Das sollte ein Haushalt nach Auffassung des Ministeriums für Verbraucherschutz pro Person bunkern: für Krisenzeiten, wie es neuerdings auf einer Website des Ministeriums heißt.

Lebensmitteleinkauf: Für Krisenzeiten gerüstet
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Lebensmitteleinkauf: Für Krisenzeiten gerüstet

Hamburg - "Über mögliche Versorgungsengpässe macht sich kaum noch jemand Gedanken", heißt es in einer Mitteilung der Behörde. "Auf private Vorratshaltung wird häufig verzichtet." Nicht auszuschließen seien jedoch Krisensituationen, in denen es Engpässe in der Lebensmittelversorgung geben könne. Als Beispiele werden Naturkatastrophen, Tierseuchen oder schwere Unfälle, beispielsweise in Atomkraftwerken, genannt.

Dieter Schneider, Referatsleiter für Notfallvorsorge beim Verbraucherschutzministerium, erklärt, dass es für die neue Seite im Internet keinen ganz konkreten Anlass gibt. Vielmehr habe die "Summe der Ereignisse" - wie Terrorangriffe oder Überflutungen - in den vergangenen Jahren zu diesem Angebot geführt, sagte er auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Nach monatelanger Vorbereitung ist das Portal seit wenigen Tagen im Internet verfügbar.

Die Web-Seite ist Teil eines Computer gestützten Informationssystems zur Ernährungsnotfallvorsorge, wie es im Beamtendeutsch heißt. Dieses soll im Notfall die Arbeit der für die Ernährungsvorsorge zuständigen Stellen erleichtern. Grund für den Aufbau eines solchen Systems war die aus Anlass der Terroranschläge vom 11. September 2001 vom Bundesrat im November 2001 getroffene Feststellung, dass "im Bereich der Ernährungssicherstellung und Ernährungsnotfallvorsorge ein modernes, bundesweites EDV-Informationssystem, auf dessen Grundlage Bund und Länder rasch und grenzübergreifend die Ernährung in Versorgungssituationen sicherstellen könnten, fehlt", heißt es auf der Website.

Auf www.ernaehrungsvorsorge.de kann sich nun jeder über seine persönliche Notfallausrüstung informieren. Es wird aufgelistet, wie viel Gemüse, Obst, Getreideprodukte und Getränke für einen 14-tägigen Grundvorrat ausreichen. Der individuelle Bedarf einer Familie kann mit einem Vorratskalkulator berechnet werden. Darüber hinaus gibt es Tipps zum Haltbarmachen der Speisen, weitere Hinweise werden zu Lagerung und Pflege des Vorrats geliefert.

"Es ist ganz sinnig, den Verbrauchern vor Augen zu führen, dass es vielfältige Situationen gibt, in denen es gut ist, kleinere Lebensmittelvorräte zu haben", so der Referatsleiter. Die Tendenz der Vorratshaltung in Deutschland sei abnehmend, vor allem in städtischen Haushalten werde, meist wegen Platzmangels, wenig vorgehalten. Dieses Problem soll in den Blickpunkt der Verbraucher rücken.

Schneider geht zwar davon aus, dass der Markt eine Situation bei momentan denkbaren Krisenszenarien regeln könne, für einen anderen Notfall so sei es dennoch gut, "etwas im Haus zu haben und nicht täglich auf den Einkauf angewiesen zu sein". Man wisse nie, wie schnell Behörden von der Versorgung abgeschnittenen Menschen im Notfall versorgen können, besonders auf dem Land. Einige Konserven für die Überbrückung von Engpässen könnten also nicht schaden.

Die Gefahr mit der Web-Seite Angst zu schüren, sieht Schneider nicht: "Keinesfalls sollen Panikreaktionen provoziert werden."

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