Herne - Michelle Müntefering bekommt weitere Konkurrenz im Kampf um das Bundestagsmandat in ihrer Heimatstadt Herne. Der Chefredakteur der SPD-Parteizeitung "Vorwärts", Uwe Knüpfer, will sich ebenfalls zur Wahl stellen lassen, wie die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" (WAZ) berichtet. Ein überraschender Schritt für die Genossen - eigentlich hätten sich nach parteiinternen Absprachen bereits im Januar alle Kandidaten vorstellen sollen.
Die Frau des ehemaligen SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering hatte damals angekündigt,für die Sozialdemokraten in den Bundestag einziehen zu wollen. Sie ist seit gut zehn Jahren stellvertretende SPD-Unterbezirksvorsitzende in Herne.
Der in Berlin lebende Knüpfer sagte der Zeitung, dass ihn Genossen aus seiner Heimatstadt Herne nun gebeten hatten, sich ebenfalls aufstellen zu lassen. Der Grabenkampf zwischen Michelle Müntefering und ihrer bisher einzigen Konkurrentin um das Mandat, Anke Hildebrand, habe der Partei in der Ruhrgebietsstadt geschadet. Wer ihn genau um die Kandidatur gebeten habe, sagte Knüpfer allerdings nicht. Er stellte klar, dass er "nicht gegen irgendjemanden" antrete, sondern für die Stadt Herne. Knüpfer war von 2000 bis 2005 Chefredakteur der WAZ.
Der SPD-Vorsitzende in Herne, Alexander Vogt, und dessen Amtsvorgänger Gerd Bollmann kritisieren die plötzliche Entscheidung von Knüpfer. Ein solches Vorgehen entspreche nicht den parteiinternen Absprachen, nach denen die möglichen Kandidaten bis zum 15. Januar beim Vorstand hätten vorsprechen sollen, um sich danach der Parteibasis zu stellen. Die WAZ berichtet, dass Müntefering und Hildebrand bisher jeweils rund 20 solcher Vorstellungsgespräche absolviert hätten.
Am 18. September wird die Herner SPD mit den Genossen aus Bochum, die einen gemeinsamen Wahlkreis bilden, über die Kandidatur abstimmen. Die Herner Genossen bilden bei der Abstimmung eine Mehrheit. Im Wahlkreis 142 Bochum/Herne kann sich die Partei traditionell vieler Stimmen sicher sein: Bei der letzten Bundestagswahl 2009 entfielen hier 51,7 Prozent der Erststimmen auf den SPD-Kandidaten Bollmann.
Müntefering ist nicht die einzige Politiker-Gattin, die eine Karriere im Staatsamt anstrebt: Anfang des Jahres hatte Doris Schröder-Köpf bekannt gegeben, bei der Landtagswahl in Niedersachsen im Januar 2013 kandidieren zu wollen.
jls
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