Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Vorwurf des Rechtsradikalismus: Dr. Fürst spaltet Regensburger CSU

Von , München

In Regensburg will die CSU-Stadtratsfraktion einen Jungpolitiker loswerden. Vorwurf: Machtstreben, Nähe zum Rechtsradikalismus. Doch Thomas Fürst wehrt sich - und strebt jetzt mithilfe eines dubiosen Netzwerks nach Höherem - wahrscheinlich erfolgreich.

München - Herbert Schlegl hofft noch. "Also, wenn ich das von drei Vierteln der Leute gesagt bekomme, dann würde ich doch die Segel streichen", sagt er. Schlegl ist Vorsitzender der CSU-Stadtratsfraktion in Regensburg. Am Montagabend haben sie dort die Notbremse gezogen und eine Vertrauensabstimmung gemacht, wie sie die Geschäftsordnung eigentlich gar nicht vorsieht: "Hat Dr. Fürst noch mein Vertrauen?", stand auf dem Zettel. Und von den 30 abgegebenen Stimmen lauteten 22 auf "Nein" - also fast drei Viertel. Schlegl: "Er ist nicht erwünscht."

CSU-Jungpolitiker Fürst: "Er will unbedingt Berufspolitiker werden."
MARCO-URBAN.DE

CSU-Jungpolitiker Fürst: "Er will unbedingt Berufspolitiker werden."

Das stört den Dr. Fürst aber überhaupt nicht. Als "völligen Unsinn" bezeichnet er die Vertrauensabstimmung in der "Mittelbayerischen Zeitung".

Thomas Fürst ist 35 Jahre alt, Mitglied der katholischen Studentenverbindung "Rupertia" sowie der "Marianischen Männercongregation". Er will hoch hinaus. Seit 2002 sitzt er im Regensburger Stadtrat, aber "von der Sacharbeit her hat er noch keine besondere Aufmerksamkeit auf sich gezogen", sagt Fraktionschef Schlegl.

"Über Jahre hinweg ein Netzwerk aufgebaut"

Dafür aber hat er die CSU der Mittelalterstadt gehörig durcheinandergewirbelt. Sie steht kurz vor der Spaltung. Das ging so: Im Februar 2007 wird Fürst überraschend zum Vorsitzenden des bedeutendsten Regensburger CSU-Ortsverbands gewählt - rund 25 Neumitglieder scheinen ihm die klare Mehrheit gesichert zu haben. Zufall? Schon im Jahr 2003 muss sich Thomas Fürst als damaliger Regensburger JU-Chef einer parteiinternen Untersuchungskommission stellen. Der Vorwurf damals: Manipulationsversuche bei Parteiwahlen, um die Macht in den Ortsverbänden zu übernehmen.

"Über Jahre hinweg" habe Thomas Fürst "ein Netzwerk aufgebaut", sagt Herbert Schlegl zu SPIEGEL ONLINE: "Er will unbedingt eine Position, er will unbedingt Berufspolitiker werden." Schlegls Befürchtung: Die Wahlen zum CSU-Kreisvorstand am kommenden Samstag. Fürst oder einer aus seinem Netzwerk könnte antreten. Die Chancen: "Patt-Situation oder Mehrheit für Fürst, davon gehe ich aus", sagt Schlegl. Kreisvorsitzende gelten was in der CSU, Fürst könnte es über diese Schiene in den Landtag, vielleicht bis in den Bundestag schaffen.

Ein Stadtrat, dem man Machtversessenheit und Mauschelei vorwirft? Eine Kommunalpartei vor der Spaltung? Wo gibt es das nicht? Das alles wäre nur eine Provinzposse. Doch Thomas Fürst steht im Ruch des Schwarzbraunen, Kritiker werfen ihm Nähe zum Rechtsradikalismus vor. Fürst weist das zurück.

Bierchen unterm Hakenkreuz?

Die Vorwürfe beginnen in dem Moment, in dem Thomas Fürst die politische Bühne betritt. Im Juli 1997 ist er 26 Jahre alt und seit einiger Zeit JU-Chef des Kreises. Da berichtet eine Regensburger Zeitung von der Party bei ihm daheim: In bierseliger Runde sei unter Reichskriegsflagge und Hakenkreuzfahne an der Wand das Horst-Wessel-Lied gesungen worden. Außerdem habe Fürst nach einer Tour durch die Innenstadt einen Ausländer angepöbelt: "Scheiß-Kanake, verpiss dich!" Die Zeugen der Zeitung: Zwei JU-Mitglieder. Später folgen weitere Details: Auch "Bomben auf Engeland" sei gesungen worden, während im Fernsehen ein Porno lief. Und Thomas Fürst selbst sei schließlich betrunken umgekippt, als er die Hakenkreuzfahne habe befestigen wollen.

Die Vorwürfe werden nie wirklich aufgeklärt. In erster Instanz kann Fürst ein Verbot der Behauptungen erwirken, die zweite Instanz aber attestiert der Zeitung, sie habe mit ausreichender Sorgfalt recherchiert. Die Jungunionisten hätten die Vorwürfe zwar stets bestritten aber nicht zweifelsfrei widerlegen können.

Jüngster Vorwurf: Fürst habe als JU-Chef vor einigen Jahren ein Mitglied nicht rechtzeitig gemaßregelt, das auf einer Feier gesagt haben soll: "Die Ausländer gehören genauso vergast wie die Juden." Fürst sagt schließlich der "Süddeutschen Zeitung", er habe davon erst 2004 erfahren und dann "sofort reagiert". Allerdings unternahm Fürst unter anderem mit dem entsprechenden Mitglied noch im vergangenen Sommer einen Segeltörn. Fürst: "Die Crew-Liste war mir nicht bekannt."

Fürst scheint von Anbeginn an seinem heute berüchtigten Netzwerk geknüpft zu haben. Auf Partys habe er "den Rubel rollen lassen", heißt es im Regensburger JU-Umfeld. "Ausgewählte Personen wurden eingeladen, der Alkohol floss", wollen sich manche erinnern. Neuen JUlern habe Fürst so auch angeblich mal den Mitgliedsbeitrag erlassen, "um sie sich gefügig zu machen". Thomas Fürst selbst war am Dienstag für SPIEGEL ONLINE nicht erreichbar.

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: