Vorzeitiges Haftende: Ex-RAF-Terrorist Christian Klar ist frei

26 Jahre lang saß er im Gefängnis - jetzt hat der frühere RAF-Terrorist Christian Klar die Justizvollzugsanstalt Bruchsal verlassen. Der 56-Jährige wurde früher freigelassen als erwartet.

Karlsruhe - Christian Klar ist in die Freiheit zurückgekehrt: "Er wird nun selber bestimmen können, was er macht und wo er es machen will", sagte der Anwalt des früheren RAF-Terroristen. Zum Aufenthaltsort wollte Heinz-Jürgen Schneider keine Angaben machen. Die Vorstellung, dass Klar jetzt durch die Talkshows tingeln werde, sei allerdings absurd.

Auf freiem Fuß: Ex-RAF-Terrorist Christian Klar
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Auf freiem Fuß: Ex-RAF-Terrorist Christian Klar

Nach 26 Jahren im Gefängnis hat der 56-Jährige am Freitag die Justizvollzugsanstalt Bruchsal verlassen.

Ein Sprecher des baden-württembergischen Justizministeriums bestätigte die Freilassung auf Anfrage, Angaben zum Aufenthaltsort machte er aber auch nicht.

Das Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart hatte Ende November entschieden, dass Klar nach Ablauf seiner Mindesthaftzeit zum 3. Januar 2009 auf Bewährung entlassen werden muss. Die Richter sahen keine Rückfallgefahr mehr. Berichten zufolge hat Klar in der Haft gearbeitet und konnte durch angesparten Urlaub früher freigelassen werden.

Der Sohn des von RAF-Terroristen ermordeten Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer zeigte Verständnis für die Freilassung Klars. "Ich habe schon immer gesagt: Bei den RAF-Terroristen handelt es sich um gemeine, kriminelle Verbrecher. Dann kann man ihnen die Vorzüge, die ein Rechtsstaat bietet, nicht verschließen", sagte Schleyer, dessen Vater 1977 erschossen worden war. Klar habe keine Reue gezeigt. "Wer so brutal und menschenverachtend gegen andere gehandelt hat, dem nimmt man sowieso keine Reue ab."

Der einstige Terrorist Klar war länger als jedes andere RAF-Mitglied im Gefängnis. 1985 war er wegen neunfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden, 1992 kam eine weitere Verurteilung hinzu. In der Öffentlichkeit hat die Entlassungsentscheidung zu heftigen Kontroversen geführt, weil Klar keine Reue zeigt und sein Wissen über Details von Anschlägen nicht preisgibt. Sein Gnadengesuch hatte Bundespräsident Horst Köhler vergangenes Jahr abgelehnt.

Klar war des neunfachen Mordes unter anderem an Generalbundesanwalt Siegfried Buback, Dresdner-Bank-Chef Jürgen Ponto und Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer für schuldig gefunden worden.

Nach Klars Freilassung ist Birgit Hogefeld als einzige Ex-Terroristin der RAF noch hinter Gittern.

Hogefeld sitzt seit 1993 im Gefängnis. Der Bundesgerichtshof bestätigte 1999 ihre Verurteilung zu lebenslanger Haft wegen der Ermordung eines US-Soldaten und des Bombenanschlags auf die Frankfurter US-Airbase im Jahr 1985. Da eine besondere Schwere der Schuld festgestellt wurde, kann Hogefeld nicht mit ihrer Entlassung auf Bewährung aus dem Frankfurter Gefängnis nach 15 Jahren rechnen. Ihr Gnadengesuch wies Köhler im Mai 2007 ab.

hen/dpa/AP

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