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Wählerwanderung: Merkel nimmt FDP mehr als zwei Millionen Stimmen ab

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Die Union triumphiert - und das hat sie vor allem einstigen FDP-Wählern zu verdanken: Merkel und Co. haben den Liberalen 2,21 Millionen Stimmen abgenommen. Zudem konnten CDU/CSU mehr als eine Million Ex-Nichtwähler mobilisieren. Und was ist das Geheimnis der AfD? Die Wählerwanderung zeigt es.

Berlin - Es war Merkels Wahlkampf, es ist ihr Triumph. Die Union hat beim Werben um Stimmen voll auf die Kanzlerin gesetzt - und die Taktik ging auf: Nach den Hochrechnungen von ARD und ZDF legen CDU/CSU um rund acht Punkte zu. Ein "Superergebnis", sagte Angela Merkel. "Wir werden damit verantwortungsvoll und sorgsam umgehen."

Die Union verdankt ihr starkes Abschneiden insbesondere zwei Faktoren. Das zeigen Analysen der Meinungsforscher von Infratest dimap im Auftrag der ARD auf Grundlage der ersten Hochrechnungen (Stand: 19.30 Uhr):

  • Zum einen nahm die Union der FDP 2,21 Millionen Stimmen ab.

  • Zum anderen konnte die Union 1,25 Millionen ehemalige Nichtwähler mobilisieren.

Doch die Union musste auch Verluste hinnehmen: 300.000 ehemalige Wähler aus dem CDU/CSU-Lager wechselten diesmal zur AfD. Die Partei bekam zudem 360.000 Stimmen von ehemaligen Wählern der Linkspartei und 450.000 von Ex-FDP-Wählern. Insgesamt reicht es den bisherigen Hochrechnungen zufolge für 4,7 Prozent der Stimmen - die Europakritiker könnten noch knapp in den 18. Bundestag einziehen.

Für die FDP endete der Wahltag in einem Desaster. 14,6 Prozent erreichten die Liberalen bei den Wahlen 2009. Jetzt wird die Partei aus dem Bundestag fliegen - zum ersten Mal in ihrer Geschichte. Nur: Wo sind all die FDP-Wähler hin? Neben der Union profitierte auch die SPD von der Wechselstimmung. Die Sozialdemokraten haben die Stimmen von 520.000 ehemaligen FDP-Wählern bekommen. Und 430.000 Menschen, die 2009 noch für die Liberalen stimmten, gingen diesmal gar nicht wählen.

Wohin strömten die Nicht- und Wechselwähler? Welches Lager stimmte für wen? Klicken Sie auf die Grafik, um die Zuwächse und Verluste der Parteien zu sehen:

2009 hatte die Union mit 33,8 Prozent noch ihr schlechtestes Ergebnis seit 1949 erreicht. Sie verlor damals 1,14 Millionen ehemalige Anhänger an die Liberalen - und die wiederum erreichten mit 14,6 Prozent das Sensationsergebnis.

Aus dem SPD-Lager bekamen die Liberalen 2009 insgesamt 530.000 neue Wähler. Dass viele ehemalige Anhänger der SPD den Rücken kehrten, lag vor allem an den Agenda-2010-Reformen: Fast zwei Drittel der sozialdemokratischen Klientel sagte damals, die SPD hätte mit Hartz IV und der Rente mit 67 ihre Prinzipien aufgegeben.

870.000 ehemalige SPD-Anhänger gaben 2009 den Grünen ihre Stimme, die Linkspartei nahm der SPD 1,1 Millionen Ex-Wähler weg, die Union 880.000. Zudem blieben zwei Millionen Ex-SPD-Wähler zu Hause. Die Folge: Die Sozialdemokraten erreichten mit 23 Prozent das schlechteste Ergebnis in ihrer Geschichte.

Lesen Sie die Höhepunkte des Wahlabends im Minutenprotokoll hier und sehen Sie die Ergebnisgrafiken hier:

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insgesamt 47 Beiträge
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1. Frage:
funnyone2007 22.09.2013
Kurze Frage zur Übertragung der Ergebnisse Ich möchte keine Verschwörung wecken..aber ich hab eine Frage: Wie werden die Wahlergebniss der einzlnen Bezirke weitergegeben? Per speziellen Login auf einen Zentralrechner übers Internet? Werden diese gegengecheckt? Wie funktioniert das? Und nun doch ne kleine Theorie: Die CDU ist ja die Lieblingspartei der USA, Merkel für mich ein kleiner Groupie von Obama und Friedrich ein Fanboy, die USA braucht die CDU, die USA hat die NSA und die wiederum haben Mittel und Wege Datenübertragungen, PCs usw zu überwachen und zu ändern. Ich weiss ist weit hergeholt.. trotzdem würde mich interessieren wie sicher die Übertragung der Wahleregbnisse auf den Zentralrechner ist bzw wie das genau funktioniert, wie wird eine Manipulation ausgeschlossen.. danke
2. Leihstimmen
EvilGenius 22.09.2013
Zitat von sysopDie Union triumphiert - und das hat sie vor allem einstigen FDP-Wählern zu verdanken: Merkel und Co. haben den Liberalen 2,21 Millionen Stimmen abgenommen. Zudem konnten CDU/CSU mehr als eine Million Ex-Nichtwähler mobilisieren. Und was ist das Geheimnis der AfD? Die Wählerwanderung zeigt es. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/waehlerwanderung-union-nimmt-fdp-zwei-millionen-stimmen-ab-a-923331.html
Wohl eher zurückgenommen. Ein Großteil der FDP-Stimmen von der letzten Wahl war ohnehin nur geliehen.
3. Hochinteressant ...
maulkorb 22.09.2013
Merkel hat Kannibalismus betrieben. Sie hat ihrem Wunschpartner die Stimmen weggenommen und dabei ihre Wunschkoalition versenkt. Gleichzeitig hat ihr die AfD soviele Stimmen abgenommen, daß es nicht zu einer absoluten Mehrheit reicht. Die Kanzlerin hat voll auf Egoismus gesetzt. Haupsache ich bekomme möglichst viele Stimmen und stehe als grandiose Siegerin dar. Alles andere wird sich dann geben. Taktisch klug war das nicht!
4. Nanu
Tahlos 22.09.2013
ich habe noch garkein "Wir haben vestanden" von der FDP gehört bzw gelesen. Das ist doch einer der beiden Sätze neben "wir sind die Gewinner" - der diesmal ja nun wegfallen dürfte.
5. Das ist doch absoluter Unsinn,
skeptiker6 22.09.2013
Merkel hat der FDP ganz und gar nichts "abgenommen", sie hat ihr lediglich nicht so viel abgegeben wie bei der letzten BT-Wahl. Das damalige alberne Triumphieren und Auftrumpfen der FDP-Führung hat doch niemand ernst genommen - JEDER wusste, woher die vielen Stimmen kamen.
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