Waffengeschäfte Möllemann kassierte angeblich Millionen-Provisionen

Der frühere FDP-Spitzenpolitiker Jürgen Möllemann soll angeblich tiefer in Waffengeschäfte verwickelt gewesen sein als bisher bekannt. Einem Bericht zufolge war Möllemann in den neunziger Jahren an mehreren internationalen Rüstungsgeschäften beteiligt und bekam dafür Provisionen in Millionenhöhe.


Nach Möllemanns Tod: Trauerflor im Düsseldorfer Landtag
DPA

Nach Möllemanns Tod: Trauerflor im Düsseldorfer Landtag

Berlin - Eines der Waffengeschäfte habe einen Umfang von fast einer halben Milliarde Mark gehabt, berichtet die "Berliner Zeitung" unter Berufung auf Ermittlungskreise. Über Scheinfirmen habe Möllemann dafür Provisionen in Höhe von mehreren Millionen Mark kassiert, die zum Teil nicht versteuert worden seien. Bisher war Möllemann nur mit der Lieferung von Fuchs-Spürpanzern an Saudi-Arabien in Verbindung gebracht worden.

Unterdessen begann nach dem tödlichen Fallschirm-Absturz des Politikers eine Debatte über eine mögliche Mitverantwortung der Parteispitze. Diese will ungeachtet aller Differenzen der vergangenen Monate für ihren Ex-Minister und -Vizekanzler einen Staatsakt im Bundestag herbeiführen.

Der FDP-Fraktionsvorsitzende in Schleswig-Holstein Wolfgang Kubicki sagte der "Bild am Sonntag", sicherlich bereuten einige Vertreter der FDP-Spitze heute, dass sie nicht nur den Politiker, sondern auch die Persönlichkeit Jürgen Möllemann so massiv in Frage gestellt hätten.

Möllemann war am Donnerstag bei einem Fallschirmsprung am westfälischen Flughafen Marl-Loemühle in den Tod gestürzt. Die Anzeichen für einen Freitod des 57-Jährigen verdichten sich. Die technische Untersuchung an den Fallschirmen ergab nach Angaben der Ermittler weder einen Fehler noch eine Manipulation.

Außer im Münsteraner Wohnhaus Möllemanns sind alle Durchsuchungen beendet. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sind kistenweise Akten sowie Hard- und Software von Computern beschlagnahmt worden. Ein Sprecher sagte, es habe mehrere Wochen lang mit Anwälten Gespräche über das vereinfachte Verfahren eines Strafbefehls mit Geldstrafe für Möllemann gegeben. Das habe Möllemann aber wohl so nicht gewollt. Deshalb sei dann die Durchsuchungsaktion erfolgt, um sachgerecht weiter ermitteln zu können.



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