Datenanalyse Wer die AfD in Berlin gewählt hat

Männer ab 45 Jahre, Arbeiter und Arbeitslose: Das sind die Gruppen, in denen die Berliner AfD besonders viel Zuspruch bekam.

AfD-Politiker Jörg Meuthen (l.), Georg Pazderski
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AfD-Politiker Jörg Meuthen (l.), Georg Pazderski

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Die AfD hat den Einzug in das zehnte Landesparlament geschafft: Auch wenn die Partei in Berlin nicht so stark abschnitt, wie erhofft, reichte es doch für ein "sattes zweistelliges Ergebnis", wie die Co-Landesparteichefin Beatrix von Storch jubelte.

Ein Grund dafür ist die gestiegene Wahlbeteiligung. Sie liegt um mehr als sechs Prozentpunkte höher als 2011.

Videoanalyse: "Die AfD rückt ihrem Ziel näher"

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Von der gestiegenen Wahlbeteiligung konnte die AfD erneut am stärksten profitieren. Laut Analysen von Infratest Dimap mobilisierten die Rechtspopulisten 64.000 Ex-Nichtwähler, die anderen fünf Parteien, die es ins Abgeordnetenhaus schafften, bringen es gemeinsam nur auf 41.000.

Außerdem wechselten 37.000 CDU-Wähler und 22.000 SPD-Wähler zur AfD. Am wenigsten Stimmen gewann Spitzenkandidat Georg Pazderski, der die Partei gemeinsam mit von Storch führt, von den Grünen. Von der Ökopartei wanderten nur 3000 Wähler zur AfD ab, von Linkspartei und Piraten waren es jeweils 11.000.

Wählerwanderung

Als Grund für ihre Entscheidung gaben nur 26 Prozent der AfD-Wähler an, aus Überzeugung gehandelt zu haben. 70 Prozent sagten, sie hätten die AfD aus Enttäuschung über die anderen Parteien gewählt. Diese Werte entsprechen jenen zuletzt in Mecklenburg-Vorpommern, dort hatten 66 Prozent der AfD-Wähler Protest als ihre Motivation angegeben.

Zudem entschieden sich die AfD-Wähler so früh wie keine andere Gruppe: 46 Prozent gaben an, sich bereits vor längerer Zeit festgelegt zu haben. Auf alle Wähler bezogen liegt der Wert nur bei 30 Prozent, die meisten entschieden sich laut Infratest in den letzten Tagen oder Wochen.

Am stärksten schnitt die AfD bei Wählern ab, die mindestens 45 Jahre alt waren. Bei der Altersgruppe zwischen 45 und 59 holte die Partei ihr bestes Ergebnis, knapp dahinter folgen die über 60-Jährigen.

Wie zuletzt in Mecklenburg-Vorpommern bekam die AfD auch in Berlin deutlich mehr Zuspruch von Männern als von Frauen. 15 Prozent der Berliner wählten die Partei, nur neun Prozent der Berlinerinnen. Bei den 18- bis 24-jährigen Frauen lag der Zuspruch nur bei fünf Prozent. In dieser Gruppe schnitten die Grünen am besten ab (26 Prozent).

Anders als bei der Wahl im Nordosten vor zwei Wochen ist die AfD in Berlin vor allem eine Partei der Arbeiter und Arbeitslosen. In diesen beiden Gruppen sind die Rechtspopulisten mit 23 beziehungsweise 19 Prozent stärkste Kraft geworden. Bei den Selbstständigen bekam die AfD dagegen nur neun Prozent, hier profitierten Grüne (23 Prozent) und FDP (zwölf Prozent) von der Schwäche der Volksparteien.

Die AfD ist am stärksten bei Wählern der mittleren und unteren Bildungsschicht. Bei den Hochgebildeten kommt sie nur auf sieben Prozent - zusammen mit der FDP ist das der schwächste Wert aller in das Abgeordnetenhaus gewählten Parteien.



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