Trotz Erfolg in Hamburg AfD droht der nächste Krach

Die Alternative für Deutschland schafft in Hamburg erstmals den Sprung in ein westdeutsches Parlament. Nun will die Partei den Siegeszug fortsetzen - doch es gibt bereits wieder Streit.

Von

Getty Images

Hamburg - Die AfD schreibt ihre Erfolgsgeschichte fort: 2014 war mit dem Einzug ins Europaparlament und in die Landtage von Sachsen, Thüringen und Brandenburg ein Erfolgsjahr. Mit Hamburg zieht die Partei nun erstmals in ein westdeutsches Parlament ein. Nicht nur Parteichef Bernd Lucke, derzeit beurlaubter Wirtschaftsprofessor in Hamburg, sondern auch der Hamburger und AfD-Parteivize Hans-Olaf Henkel leisteten prominente Unterstützung im Wahlkampf.

Das zog offensichtlich. Spitzenkandidat Jörn Kruse jubelt: "Wir haben es geschafft, obwohl wir heftigen Gegenwind von speziellen Medien bekommen haben."

Das Ergebnis sei absolut respektabel, findet Kruse. "Wer es in Hamburg schafft, der schafft es auch in allen westlichen Bundesländern", sagt er. Aus der Opposition heraus will der 66-jährige emeritierte Wirtschaftsprofessor nun vor allem die Themen des Wahlkampfes im Blick behalten: innere Sicherheit, Verbrechen, Kriminalität und Zuwanderung. Ein Themenfeld, mit dem schon in der Vergangenheit rechtspopulistische Parteien in der Hansestadt punkten konnten. In jüngerer Zeit waren die "Statt Partei" und die Rechtsstaatliche Offensive des einstigen Innensenators Ronald Schill am Senat beteiligt.

Alte Figuren in neuen Positionen

Wenn nun die AfD mit acht Abgeordneten in die Bürgerschaft einzieht, dann wird wieder einer aus alten Zeiten einen Platz erhalten: Neben Kruse zieht auch Dirk Nockemann ein. Er war einst Innensenator für die Schill-Partei, die nach diversen Skandalen ihres Gründers in der Öffentlichkeit verschrien ist. Doch Nockemann hat Kruses und auch Henkels Unterstützung und soll für die AfD das Thema innere Sicherheit abdecken. "Nockemann ist vernünftig", sagte EU-Parlamentarier Henkel vor der Wahl.

Mit dieser Aufstellung konnte die AfD den etablierten Parteien Stimmen wegnehmen: Nicht nur der CDU und der FDP, sondern auch der SPD griff die AfD Wähler ab. Rund sechs Prozent kann die Partei in der Hansestadt verbuchen.

Doch offenbar reicht das nicht jedem in der Partei - in ostdeutschen Ländern hatte die Partei teils zweistellige Ergebnisse. Schon droht der AfD neuer Streit. Seit Wochen zoffen sich die AfD-Oberen um den richtigen Kurs. Während Lucke und auch Henkel eher eine liberale Linie verfolgen und auf Wirtschaftsthemen setzen, wollen die konservativen Spitzenleute Frauke Petry und Konrad Adam die Partei noch weiter rechtsaußen ansiedeln.

AfD-Vize mäkelt am Hamburger Wahlkampf herum

Petry fühlt sich nun bestätigt, dass ihre Linie richtig ist - und stänkert gegen Lucke und Henkel, indem sie den Hamburger Wahlkampf kritisiert. "Wenn man sich anschaut, welche relevanten Themen von der AfD Hamburg für die Plakate ausgewählt wurden, dann waren das originäre AfD-Inhalte wie innere Sicherheit, Islam und Zuwanderung, mit zum Teil sogar noch einmal angeschärften Parolen", so Petry in der "Welt". "Auf den Plakaten war das Wahlkampf mit Kante", sagt Petry. In den Veranstaltungen hätten jedoch marktliberale Themen rund um den Euro oder das Freihandelsabkommen TTIP dominiert.

"Wir hätten eine Klammer zwischen die marktliberalen und die konservativen Themen setzen müssen", sagte Petry. "Ich glaube, es war gewollt, wurde aber nicht in allen Fällen umgesetzt. Und ich glaube, es hätte Hamburg geholfen, wenn die Partei dort einen Wahlkampf mit Siegern gemacht hätte."

Doch Lucke gibt sich unbeirrt. Dass es die AfD trotz Widrigkeiten in die Bürgerschaft geschafft habe, sei ein Grund zu feiern, findet er nach der Wahl. Dass Wahlplakate beschmiert worden seien, und dass Hamburg eigentlich fest in SPD-Hand sei, das habe die Hamburger nicht von einem großartigen Wahlkampf abgehalten.

Viermal hintereinander habe man es jetzt geschafft, in ein Landesparlament einzuziehen. Die Ergebnisse in Hamburg würden nun zeigen: "Die AfD ist da, die AfD wird gebraucht. Wir haben noch viel zu tun."

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 58 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Kassandro5000 16.02.2015
1. Und wo
Ist jetzt der Streit?
kritiker82 16.02.2015
2. Ja und?
Flügelstreitigkeiten gibt es in jeder Partei. Wenn dort nicht gerade Chaoten das Sagen haben, wie früher etwa bei den Piraten, lässt sich das klären. Ich stehe politisch nicht der AfD nahe, aber ich bin Demokrat. Und wie in den Medien versucht wird, diese Partei seit ihrer Gründung fertig zu machen, wie andererseits nur am Rande - wenn überhaupt - über die zerstörten Plakate der AfD berichtet wird, das ist zutiefst undemokratisch. Man gewinnt so den Eindruck, dass politischen Kräften, welche nicht dem großen linksgrün-wirtschaftskonservativen Einheitsbrei entsprechen, der sich selbst genug ist - auch große Koalition oder "Mainstream" genannt - die Existenzberechtigung abgesprichen wird, und dass diese anderen politischen Kräfte darüber hinaus mit allen Mitteln bekämpft werden sollen, legitimen wie illegitimen. Das hat dann endgültig nichts mehr mit Demokratie zu tun. Wir sollten uns daran gewöhnen, dass die AfD nun mal auf der politischen Bühne erschienen ist und diese belebt, und da auch so schnell nicht mehr verschwinden wird - so lange nämlich, wie ein nicht zu ignorierender Prozentsatz von Bürgern den Eindruck hat, von den anderen Parteien nicht mehr vertreten zu werden, ignoriert zu werden, mit seinen Sorgen alleine gelassen zu werden.
interessierterleser1965 16.02.2015
3. Parteienwettstreit
Es ist schon bewundernswert, mit welche Hingabe Spon versucht, bei der AfD ein Haar in der Suppe zu finden. Es droht kein Krach in der AfD, sondern man diskutiert mit unterschiedlichen Auffassungen über den richtigen Wahlkampf. Was man in jeder Partei nach einer Wahl tut. Das ist nichts besonderes. Das als "Krach" hinzustellen, ist nur plumpe Stimmungsmache. Das Ergebnis der AfD ist sicher nicht so hoch, wie in einigen ostdeutschen Landtagen, aber nicht jede Partei ist überall gleich stark. Die SPD versucht ja auch in Bayern jedes Mal tapfer eine Wahl halbwegs unbeschadet zu überstehen und scheitert damit grandios. Sicher ist Hamburg die Heimat von Bernd Lucke, aber auch fest in SPD Hand. Dagegen kommt man als neue Partei schwer an. Gemessen daran sind 6 % sicher nicht berauschend, aber sicher kein Ergebnis, für das man sich verstecken muss. Hinsichtlich der Wahlkampfthemen ist noch anzumerken, dass das Thema Zuwanderung nicht das Startthema der AfD war, aber ein Thema, das sehr früh auch zu den Kernthemen der AfD gehört. Die etablierten Parteien haben sich lange gewehrt, erst nach dem Erstarken der Pegida wollten plötzlich auch alle ein Einwanderungsgesetz nach kanadischem Vorbild. Also genau das, was AfD und Pegida an diesem Punkt auch wollen. Und genau das, was SPD und CDU und Grüne als rechtsradikale Forderung zuerst abgelehnt haben. Erfunden hat diese Idee in Deutschland übrigens die CSU. Eine Partei, die sicher vieles ist, aber nicht rechtsradikal. Ebensowenig wie die Kanadier, die dieses Modell der Zuwanderungssteuerung seit vielen Jahren erfolgreich praktizieren.
ecbert 16.02.2015
4. Jede Partei hat einen rechten und linken
Warum wird das hier in dem Bericht so dargestellt, als wenn die AfD hoffnungslos zerstritten sei ? In der SPD teilen auch nicht alle den Kurs von Herrn Gabriel. Das ist in demokratischen Parteien aber völlig normal, gehört zu jedem "Parteileben" und ist nichts Außergewöhnliches !
luegenpresse2014 16.02.2015
5.
Streit in einer Partei ist immer gut, um diese beim Wähler unbeliebt zu machen. Mehr davon. Wir alle müssen zusammenhalten um diese Parteiopposition aufzuhalten. Den Medien bin ich sehr dankbar dafür.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.