SPD-Politikerin Schröder-Köpf Lob für Putin, Kritik an Merkel

Die Niedersachsen-Wahl steht an, Doris Schröder-Köpf kämpft um ein Direktmandat. Einer prorussischen Website erzählte sie von einem der "großen Fehler" Merkels und wie sie mit Putin die "Nacht durchgequatscht" hat.

Doris Schröder-Köpf
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Doris Schröder-Köpf


Für die SPD sieht es in Niedersachsen kurz vor der Landtagswahl gut aus: Die Sozialdemokraten von Ministerpräsident Stephan Weil liegen laut einer neuen Umfrage in der Wählergunst derzeit vor der CDU. Laut der am Donnerstag im ZDF-"heute journal" veröffentlichten Projektion der Forschungsgruppe Wahlen kommen sie derzeit auf 34,5 Prozent, die CDU auf 33 Prozent.

Eine Politikerin, die für die SPD wieder in den Landtag ziehen möchte, ist Doris Schröder-Köpf. Sie steht auf Listenplatz 14, im Wahlkreis Hannover-Döhren kämpft sie um ein Direktmandat. Vor wenigen Tagen sagte sie im Gespräch mit dem SPIEGEL, der Wahlkampf laufe gut.

Nun ist ein weiteres Interview mit der Politikerin erschienen, sie gab es der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Sputnik. Sie hoffe, dass sie dieses Mal den Wahlkreis direkt gewinnen könne, die Situation sei eine andere als 2013. "Inzwischen bin ich eine etablierte Abgeordnete, viele Menschen, die mich vorher nur in meiner Rolle als Ehefrau von Gerhard Schröder kannten, haben mich inzwischen als eigenständige Politikerin kennengelernt."

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Niedersachsen-Wahl: Weil gegen Althusmann

Im Verlauf des Interviews lobt Schröder-Köpf Russland und Wladimir Putin, er sei ein "sehr differenzierter, ein sehr kluger Mann". Als sie ihn das erste Mal "länger und etwas privater getroffen" habe, "haben wir die ganze Nacht durchgequatscht und uns über innen- und außenpolitische Themen unterhalten".

Nach der Amtszeit von Gerhard Schröder hätten die Beziehungen zwischen Berlin und Moskau gelitten. Wenn mit einem historischen Blick auf die Arbeit von Angela Merkel geschaut werde, werde man "das als einen der ganz großen Fehler" erkennen. "Es lag sozusagen eine Straße im Sonnenschein vor ihr, die sie nur hätte betreten müssen."

Wahlkampf-Endspurt mit Berliner Hilfe

Am Donnerstag kämpften Politiker in Niedersachsen auch mit bundespolitischer Unterstützung um Wählerstimmen. CDU-Chefin Merkel kam zu Veranstaltungen nach Seevetal und Vechta. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel kam zur SPD nach Einbeck. FDP-Chef Christian Lindner unterstützte Spitzenkandidat Stefan Birkner in Hannover.

Am Freitag kommt SPD-Chef Martin Schulz nach Hannover, Merkel tritt mit CDU-Spitzenkandidat Bernd Althusmann in Osnabrück auf. Zuvor wird die Kanzlerin noch in Stade versuchen, Wähler zu überzeugen.

Die Koalitionsverhandlungen dürften nach den Wahlen schwierig werden, da sowohl Rot-Grün als auch Schwarz-Gelb nach den aktuellen Umfragen keine Mehrheit hätten. Ministerpräsident Weil hatte sich am Donnerstag im Sender Phoenix zudem erneut gegen eine große Koalition ausgesprochen, ohne sie auszuschließen. "Große Koalitionen müssen meines Erachtens immer die absolute Ausnahme bleiben", sagte Weil. "Es kommt übrigens auch dazu, dass, ich sag mal das Betriebsklima zwischen CDU und SPD in Niedersachsen schon einigermaßen belastet ist."

aar/dpa



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keinputintroll 13.10.2017
1. Vollste Zustimmung
Frau Schröder-Köpf hat vollkommen Recht. Merkel hat die deutsch-russischen Beziehungen zerstört und damit einen großen Schaden angerichtet. Beide Länder waren auf einem sehr konstruktiven Weg der Annäherung und gegenseitigen Wertschätzung. Wer sich jetzt in Russland umschaut, stellt fest, dass die Chinesen die Lücken geschlossen haben, die due völlig destruktive Sanktionspolitik der EU hinterlassen hat.
stefan.p1 13.10.2017
2. Mit der Meinung steht Frau Schröder Köpf sicher nicht alleine da!
Zitat: "Wenn mit einem historischen Blick auf die Arbeit von Angela Merkel geschaut werde, werde man "das als einen der ganz großen Fehler" erkennen. " Kann ich so voll und ganz unterschreiben!
Kurt2.1 13.10.2017
3. .
Ich kann Frau Schröder-Köpf nur zustimmen in ihrer Einschätzung der Merkel-Politik gegenüber Russland. Merkels persönliche Haltung für die Abneigung gegenüber Russland und die fast schon devote Haltung gegenüber der USA sind nicht sehr professionell. Sicher ist es richtig, die Verfehlungen Russlands in der Vergangenheit aufzuzählen, speziell die Annexion der Krim, die ich am Ende nachvollziehen kann, aber nicht den Umgang mit der Ukraine insgesamt. Der unerbittliche Umgang mit Russland relativiert sich aber bei der Betrachtung der US-Politik der letzten Jahre und der deutschen Haltung dazu. Ich hielte es für richtig, dass sich unser Land vom Automatismus der Zustimmung der US-Politik löst und diese kritischer sieht. Deutschland muss sich aus seiner unmündigen Rolle gegenüber der USA lösen. Ein guter Anfang dazu wäre die schrittweise Aufhebung der Sanktionen gegen Russland.
Wolfgang Heubach 13.10.2017
4. Historischer Fehler
Die Russland-Politik von Frau Merkel ist ein historischer Fehler. Die Menschen in Russland waren und sind Deutschland sehr zugewandt, brachten Deutschland riesiges Vertrauen entgegen. Frau Merkel sieht darüber hinweg, was in der Poroschenko-Ukraine wirklich geschieht und daß es KIew ist, das die Umsetzung von Minsk II bislang verhindert hat. Auch wird Poroschenko mit dem nordkoreanischen Raketenprogramm in Verbindung gebracht. Ganz zu schweigen davon, daß die Milliarden des Westens und des IWF im Poroschenko-Staat "versickert" sind. Beim "kleinen Mann" ist dort nichts angekommen. Die Aufhebung der Sanktionen ist deshalb längst überfällig. Im Interesse der Menschen ("Wandel durch Annäherung") und aus handfestem Interesse der Bundesrepublik Deutschland selbst. Ein Blick auf die Weltlage unter Einbeziehung der Entwicklung in den USA dürfte genügen.
g_bec 13.10.2017
5. Faszinierend.
Faszinierend, wie loyal die Frau zu ihrem Ex-Mann ist. Aber diese Loyalität scheint ihr ein wenig die Sinne zu verwirren und ihr den Blick für Ursache und Wirkung zu verschleiern.
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