Landtagswahl SPD gewinnt in Mecklenburg-Vorpommern, AfD vor CDU

Die SPD wurde in Mecklenburg-Vorpommern zwar stärkste Partei, aber der große Sieger ist die AfD. Die Rechtspopulisten kamen aus dem Stand auf den zweiten Platz und überholten die schockierte CDU.


Der schnelle Überblick
    Das ist passiert:
  • Die SPD gewinnt die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern, verliert aber deutlich Prozente.
  • Debakel für die CDU: Sie kommt nur auf den dritten Platz.
  • Die AfD triumphiert und kommt vor der Union auf Platz zwei.
  • Die Linkspartei verliert kräftig, es reicht nur für Platz vier.
Die Grünen verpassen den Einzug in das Parlament, ebenso wie FDP und NPD.

Sieg für die SPD bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern: Aus der Abstimmung ging die Partei von Regierungschef Erwin Sellering am Sonntag ersten Hochrechnungen zufolge als stärkte Kraft hervor - gefolgt von der AfD auf Platz zwei. Die SPD kommt laut den Hochrechnungen für ARD und ZDF auf 30,3 Prozent.

Die AfD erreicht aus dem Stand 21,1 beziehungsweise 21,4 Prozent und überflügelt damit die mitregierende CDU, die mit 19,1 Prozent ihr historisch schlechtestes Landesergebnis einfährt. Die Rechtspopulisten sind damit in neun Landesparlamenten vertreten. Rund ein Jahr vor der Bundestagswahl geht damit die Erfolgsserie der AfD weiter.

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Wahlabend in Mecklenburg-Vorpommern: Jubel, Triumph, Enttäuschung

Die Linkspartei erhält demnach 12,9 bis 13 Prozent, die Grünen rutschten am Abend unter die Fünf-Prozent-Grenze und verpassten damit offenbar den Einzug in den Landtag. Auch die rechtsradikale NPD mit rund 3 Prozent und die FDP mit 2,9 beziehungsweise 3,0 Prozent kommen nicht in das Parlament in Schwerin.

Den Hochrechnungen zufolge erhält die SPD im neuen Landtag 26 Sitze, während auf die AfD 18 Mandate und auf die CDU 16 Sitze entfallen. Die Linkspartei schickt demnach elf Abgeordnete in das neue Parlament.

Regierungschef Sellering sagte, "das war der schwerste Wahlkampf, den die SPD bisher hier zu führen hatte mit einer hohen Zahl an AfD-Wählern, wo man gegenhalten musste". Dennoch sprach er von einem "tollen Ergebnis, ich bin sehr zufrieden".

AfD-Chefin Frauke Petry sah in einer ersten Reaktion im Erfolg ihrer Partei vor allem ein Signal gegen die bisherigen Landtagsparteien. Die AfD habe aus allen Parteien Wähler für sich gewinnen können, sagte Petry am Sonntag. "Das liegt daran, dass sie die Wähler zu lange nicht gehört haben", sagte sie. Dass ein Teil der Wähler von der NPD zur AfD gewandert ist, wollte sie nicht als Problem sehen. (Lesen Sie hier unsere Analyse der Wahl und verfolgen Sie hier den Newsblog vom Wahlabend.)

Bei der Wahl wurde nach Aussage des parlamentarischen Geschäftsführers der Unionsfraktion im Bundestag, Michael Grosse-Brömer (CDU), auch mit der Politik im Bund abgerechnet. "Die große Koalition sollte ein Stück weit auch abgestraft werden", sagte er im ZDF. "Das haben wir auch zur Kenntnis genommen." Neben landespolitischen Themen habe sicherlich auch ein Stück weit die Berliner Politik eine Rolle gespielt.

SPD-Vize Ralf Stegner sprach von einer "schweren politischen Niederlage der Kanzlerin in ihrem Heimatland".

2011 hatten die Sozialdemokraten 35,6 Prozent der Stimmen in Mecklenburg-Vorpommern geholt. Die CDU kam auf 23,0 Prozent. Die Linkspartei wurde vor fünf Jahren drittstärkste Kraft mit 18,4 Prozent. Für die Grünen stimmten 8,7 Prozent. Die rechtsradikale NPD erhielt 6,0 Prozent. Die FDP war mit 2,8 Prozent an der Fünfprozenthürde gescheitert und zog nicht in den Landtag ein.

Die große Koalition regiert seit zehn Jahren in Mecklenburg-Vorpommern. Sellering ist seit Oktober 2008 Regierungschef, er übernahm das Amt von Parteifreund Harald Ringstorff.

Gut 1,3 Millionen Menschen waren zur Wahl aufgerufen. Um die 71 Sitze im Schweriner Parlament bewarben sich 17 Parteien und sieben Einzelkandidaten.

In zwei Wochen wird in Berlin ein neues Landesparlament gewählt. Bis zur Bundestagswahl im September kommenden Jahres gibt es mit den Wahlen im Saarland (26. März), in Schleswig-Holstein (7. Mai) und in Nordrhein-Westfalen (14. Mai) drei weitere politische Stimmungstests. Zudem wird am 12. Februar ein neuer Bundespräsident gewählt.

Video: Debakel für die CDU - die Analyse der Wahl von SPIEGEL-ONLINE-Politikredakteur Christian Teevs

SPIEGEL ONLINE

als/dpa/Reuters/AFP

insgesamt 151 Beiträge
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Seite 1
piccolo-mini 04.09.2016
1. Also Rot-rot-grüne Politik der Vernunft
gegen die schwarz-braune Haselnuss-Opposition
waldschrat_72 04.09.2016
2. Es ist keine wirkliche Überraschung.
Und der Anfang vom Ende der Kanzlerschaft Merkel.
wahrsager26 04.09.2016
3. Wahl
Es wird Schwarz/Rot regieren.....aber es ist sehr gut,dass die AfD noch vor der CDU gelandet ist .Offiziell wird man es sich von Berlin aus schönreden.Es ist aber gar nicht nötig ,das die AfD irgendwie ins Regierungsgeschäft eintritt.Allein die Tatsache ihres Vorhandenseins wird ausreichen,den Etablierten Feuer zu machen.Ich denke an die Entstehungsgeschichte der Grünen......Warten wir ab,was die Oppositionsarbeit in MV bringen wird!Danke
ludwig49 04.09.2016
4. Bei einem Verlust...
...von über 5 Prozent kann man doch nicht von einem Gewinn der SPD reden! Die Roten sind halt die stärkste Fraktion, nicht mehr und nicht weniger.
wutbürger2010 04.09.2016
5. Alle verlieren an die AfD
Laut Prognose des ZDF von 18 Uhr kommt die AfD auf 21,5%, die SPD verliert dabei 5,6%,die CDU 3,0%, die Grünen 3,7%, die Linke 5,9% und die NPD 3,0%. Erstaunlich ist, dass sich die Stimmengewinne der AfD aus den Verlusten aller etablierten Parteien generieren, außer der FDP (etwas im Plus). Die NPD ist für mich eine undemokratisch Partei, obwohl nicht verboten. Kein guten Tag für die Demokratie und die Kanzlerin. Der Sündenbock sitzt nicht in MeckPom.
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