Thüringen und Brandenburg Landtagswahlen laufen schleppend an

Wahltag in Ostdeutschland: In Thüringen war bis 12 Uhr nur jeder Fünfte an der Abstimmungsurne, auch in Brandenburg ist die Beteiligung gering. Insgesamt sind fast vier Millionen Bürger aufgerufen, über die Zusammensetzung der beiden Parlamente zu entscheiden.


Erfurt/Potsdam - Bei trüben Wetter sind am Sonntag die Landtagswahlen in Thüringen und Brandenburg angelaufen. Nach schleppendem Beginn hat die Wahlbeteiligung bei der Landtagswahl in Thüringen angezogen: Bis Sonntagmittag lag sie leicht höher als die Werte von 2009. Bis 12 Uhr hatten nach Angaben von Landeswahlleiter Günter Krombholz rund 19,9 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Bei der Landtagswahl 2009 habe die Wahlbeteiligung bis 11 Uhr bei 18 Prozent gelegen. Krombholz berief sich auf die Zwischenergebnisse in ausgewählten Wahlbezirken. Die Zahl der Briefwähler ist darin nicht enthalten. Etwa zehn Prozent der Wahlberechtigten im Freistaat hatten Briefwahlunterlagen angefordert.

Rund 1,84 Millionen Wähler, darunter 39.000 Erstwähler, sind aufgerufen, über das neue Parlament zu entscheiden. 406 Kandidaten aus zwölf Parteien bewerben sich um die 88 Sitze. 2009 lag die Wahlbeteiligung bei Schließung der Wahllokale bei 56,2 Prozent.

Bei der Landtagswahl in Brandenburg sind bis zum frühen Nachmittag nur wenige Menschen wählen gegangen. Bis 14 Uhr hätten nur 22,4 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben, teilte Landeswahlleiter Bruno Küpper in Potsdam mit. Das sind 13,9 Prozentpunkte weniger als bei der Landtagswahl 2009. Damals hatten bis zu diesem Zeitpunkt bereits 36,3 Prozent ihre Stimme abgegeben. 2009 fielen Bundes- und Landtagswahlen zusammen. Bei solchen Doppelterminen sei die Wahlbeteiligung oft höher, erklärte eine Sprecherin des Landeswahlleiters.

In Brandenburg sind mehr als 2,1 Millionen Stimmberechtigte aufgerufen, die 88 Parlamentssitze in Potsdam neu zu vergeben. Erstmals in einem Flächenland dürfen sich auch etwa 38.300 Jugendliche ab 16 Jahren an der Landtagswahl beteiligen.

AfD könnte in beide Landtage einziehen

In Thüringen schließt die SPD nach fünf Jahren als Juniorpartner der CDU nicht aus, in eine von den Linken geführte rot-rot-grüne Regierung zu gehen. Der Spitzenkandidat der Linkspartei, Bodo Ramelow, will der erste linke Ministerpräsident in Deutschland werden.

In Brandenburg geht die seit 1990 regierende SPD als Favorit ins Rennen. Die Linke muss Umfragen zufolge mit deutlichen Einbußen rechnen. Die CDU dürfte zweitstärkste Kraft werden. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) zeigte sich bei seiner Stimmabgabe in Forst optimistisch, seine Arbeit fortsetzen zu können. Welchen Koalitionspartner er dabei bevorzugen würde, ließ er offen.

In beiden Ländern dürfte die rechtskonservative Alternative für Deutschland (AfD) neu ins Parlament einziehen. Bei der Wahl in Sachsen hatte sie vor zwei Wochen fast zehn Prozent der Stimmen geholt. Die FDP muss dagegen voraussichtlich aus beiden Landtagen ausziehen. Sie säße dann in keinem Ost-Parlament mehr und bundesweit nur noch in 6 von 16 Landtagen.

wbr/dpa

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jojack 14.09.2014
1. Wen wundert's?
Die Wähler in Thüringen und Brandenburg machen sich keine Illusionen. Wer auch immer gewinnt: die Gestaltungsspielräume sind bei der klammen Finanzlage beschränkt. Jede zukünftige Landesregierung muss schon allein deshalb mehr oder minder die gleichen Ziele verfolgen. Und bei einer rapide vom demographischen Wandel betroffenen Region sind Illusionen über eine Angleichung an süddeutsche Lebensstandards unrealistisch.
sabine_26 14.09.2014
2. Parlament nur nach Wahlbeteiligung besetzen!
Diese Form der Demokratie ist am Ende. Einen Typen der lächelt auf einem Wahlplakat einen Dauerauftrag zu meiner Vertretung wählen? Ist das überhaupt Demokratie? Ich will mitbestimmen, Einzelentscheidungen treffen oder falls ich mich nicht entscheiden kann oder will eine Organisation oder Partei meinen Stimmanteil für eine einzelne Entscheidung übertragen.
derkim 14.09.2014
3. Nur protestanten wählen
Damit wird wohl der Protestwähler gewinnen und der AfD zum "sieg" verhelfen. Traurig Eine Wahlbeteiligung von unter 50% sollte als ungültig gelten und wiederholt werden. Auch über eine Wahlpflicht sollte man nachdenken. Wer sich nicht entschieden möchte, kann ja einen leeren Zettel abgeben. Für mich schon fragwürdig wie nach 10 Jahren Merkel Tyrannei die Leute immer noch der CDU hinterher wählen.
rwj 14.09.2014
4. jau
was soll der Quatsch? Ich bin z.B. außerordentlich gehbehindert und wähle deshalb immer und regelmäßig per Briefwahl, und dann kommen da so fitte (körperlich!) Leute daher und fordern die Abschaffung der Briefwahl. Es obliegt den örtlichen Behörden sicherzustellen, daß nur geistig gesunde Menschen wählen können. Wenn ich mir so einige Ergebnisse anschaue, ist das aber bei den zur Urne Eilenden auch zahlreich nicht der Fall... ;-)
spon-facebook-10000202957 14.09.2014
5. Klasse, satte Mehrheiten
bei 5% bzw anderswo jedem 5. Wähler ... Das ist ein Schlag unter die Gürtellinie jeder Partei, deutlicher können Zeichen, die Wähler setzen, nicht sein ...
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