Bundestagswahl So groß war die Nichtwähler-Quote in Ihrem Wahlkreis

Erstmals seit 1998 ist die Wahlbeteiligung in Deutschland wieder gestiegen - allerdings nur leicht. Wo sind die meisten Wahlverweigerer zu Hause geblieben? Klicken Sie sich durch die Wahl-Zeitmaschine.

Von , und


Hamburg - Selbst der Bundespräsident wandte sich per Video-Wahlaufruf an die Bürger: "Überlassen Sie die Demokratie nicht dem Verdruss", appellierte Joachim Gauck vor der Bundestagwahl. Die Sorge war groß, dass die Wahlbeteiligung unter die 70-Prozent-Marke fallen könnte.

Dies ist nicht passiert: Zum ersten Mal seit 15 Jahren haben wieder mehr Deutsche ihre Stimme bei einer Bundestagswahl abgegeben, 71,5 Prozent der Wahlberechtigten machten ihr Kreuz. Das bedeutet immerhin ein kleines Plus von 0,7 Prozentpunkten im Vergleich zur vergangenen Abstimmung.

Doch ein Blick in die Wahlkreise zeigt, wie unterschiedlich die Beteiligung in verschiedenen Regionen ausgefallen ist:

  • Am stärksten sind die Nichtwähler in Sachsen-Anhalt vertreten, im Wahlkreis Harz: Gerade einmal 58,9 Prozent der Wahlberechtigten stimmten dort ab - Tiefstand in Deutschland. Auf Platz zwei der Nichtwähler liegt der benachbarte Wahlkreis Anhalt: Nur 59,4 Prozent der Wahlberechtigten machten dort ihr Kreuz.

  • Auf Platz drei folgt Deggendorf im bayerischen Südosten mit 60,7 Prozent Wahlbeteiligung.

  • Aber auch in Augsburg-Stadt und in Hamburg-Mitte lag die Quote unter 65 Prozent.

  • Die eifrigsten Wähler leben dagegen im baden-württembergischen Ludwigsburg - mit 80,2 Prozent verzeichnete hier der Bundeswahlleiter die Rekordbeteiligung.

  • Danach folgen Berlin-Steglitz-Zehlendorf mit 79,9 Prozent und Stuttgart I mit 79,8 Prozent.

Wie hoch war die Wahlbeteiligung in Ihrem Wahlkreis? Klicken Sie hier in die interaktive Karte, um das Ergebnis zu sehen:

Interessant ist auch die unterschiedliche Beteiligung innerhalb der Großstädte. Die unten stehende Grafik zeigt, wo die Quote der einzelnen Wahlkreise besonders weit auseinanderlag. Während zum Beispiel in Berlin-Steglitz-Zehlendorf 79,9 Prozent der Wahlberechtigten abstimmten, waren es in Marzahn-Hellersdorf nur 65,1 Prozent. Ähnlich sieht es in Hamburg und Essen aus.

insgesamt 94 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
zeitmax 23.09.2013
1. Die Wahl ist laut BVG ungültig!
Das Bundesverfassungsgericht hat in einem Urteil die Fünf-Prozent-Hürde für verfassungswidrig (!)erklärt. Die Begründung ist mehr als einleuchtend: „Der Grundsatz der Gleichheit der Wahl gebietet bei der Verhältniswahl, die auch für die Wahl der Abgeordneten des Europäischen Parlaments gilt, dass – über die Zählwertgleichheit hinaus – jeder Wähler mit seiner Stimme den gleichen Einfluss auf die Zusammensetzung der zu wählenden Vertretung haben muss. Der Grundsatz der Chancengleichheit der Parteien verlangt, dass jeder Partei grundsätzlich die gleichen Möglichkeiten im gesamten Wahlverfahren und damit gleiche Chancen bei der Verteilung der Sitze eingeräumt werden. Die Fünf-Prozent-Sperrklausel bewirkt eine Ungleichgewichtung der Wählerstimmen hinsichtlich ihres Erfolgswerts, weil diejenigen Wählerstimmen, die für Parteien abgegeben worden sind, die an der Sperrklausel gescheitert sind, ohne Erfolg bleiben. Zugleich wird durch die Fünf-Prozent-Sperrklausel der Anspruch der politischen Parteien auf Chancengleichheit beeinträchtigt.“ Karlsruhe hat in seiner Urteilsbegründung ausdrücklich gesagt, warum diese Sperrklausel in Deutschland verfassungswidrig ist: „Das Europawahlgesetz ist als deutsches Bundesrecht an den im Grundgesetz verankerten Grundsätzen der Wahlrechtsgleichheit und Chancengleichheit der politischen Parteien zu messen.“ Dem Grundsatz der Gleichheit, also auch der Gleichwertigkeit jedes Wählers, muss auch in den Bundestagswahlen entsprochen werden. Ich habe beim zuständigen Wahlleiter Einspruch erhoben.
regensommer 23.09.2013
2.
Wow, ihr habt echt tolle interaktive Sachen drauf - meinen Respekt. Ein einfacher visueller Überlick.
Kalle Bond 23.09.2013
3. Harz - Heimat der Trolle?
Da wohnen noch viele Trolle im Wald, die können nur durch Elfen benachrichtigt werden, dass Wahl ist. Ist wohl vergessen worden :)
nine1011 23.09.2013
4. Briefwahl
Für meine Großeltern, die in Sachsen-Anhalt leben, habe ich die Briefwahl beantragt. Beide Wahlscheine sind NIE angekommen. Dass beide Briefe abhanden kommen, scheint nicht an der Post zu liegen, sondern eher System zu sein. Insofern verwundert der hohe Nicht-Wähler anteil in Sachsen-Anhalt auch nicht.
turadot 23.09.2013
5.
Zitat von zeitmaxDas Bundesverfassungsgericht hat in einem Urteil die Fünf-Prozent-Hürde für verfassungswidrig (!)erklärt. Die Begründung ist mehr als einleuchtend: „Der Grundsatz der Gleichheit der Wahl gebietet bei der Verhältniswahl, die auch für die Wahl der Abgeordneten des Europäischen Parlaments gilt, dass – über die Zählwertgleichheit hinaus – jeder Wähler mit seiner Stimme den gleichen Einfluss auf die Zusammensetzung der zu wählenden Vertretung haben muss. Der Grundsatz der Chancengleichheit der Parteien verlangt, dass jeder Partei grundsätzlich die gleichen Möglichkeiten im gesamten Wahlverfahren und damit gleiche Chancen bei der Verteilung der Sitze eingeräumt werden. Die Fünf-Prozent-Sperrklausel bewirkt eine Ungleichgewichtung der Wählerstimmen hinsichtlich ihres Erfolgswerts, weil diejenigen Wählerstimmen, die für Parteien abgegeben worden sind, die an der Sperrklausel gescheitert sind, ohne Erfolg bleiben. Zugleich wird durch die Fünf-Prozent-Sperrklausel der Anspruch der politischen Parteien auf Chancengleichheit beeinträchtigt.“ Karlsruhe hat in seiner Urteilsbegründung ausdrücklich gesagt, warum diese Sperrklausel in Deutschland verfassungswidrig ist: „Das Europawahlgesetz ist als deutsches Bundesrecht an den im Grundgesetz verankerten Grundsätzen der Wahlrechtsgleichheit und Chancengleichheit der politischen Parteien zu messen.“ Dem Grundsatz der Gleichheit, also auch der Gleichwertigkeit jedes Wählers, muss auch in den Bundestagswahlen entsprochen werden. Ich habe beim zuständigen Wahlleiter Einspruch erhoben.
Achtung, einer der 27 FDP Wähler schlägt zurück! :-)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.