Mögliche Koalitionen Deutschlands neue Farbenlehre

Rot-Grün, Schwarz-Gelb - das war einmal. Nach den Landtagswahlen ist fast alles möglich: die Kenia-Koalition, die Ländle-Ampel oder das Deutschland-Bündnis. Die Übersicht.

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Mögliche Koalitionskombinationen nach den Landtagswahlen
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Mögliche Koalitionskombinationen nach den Landtagswahlen


Das waren noch übersichtliche Zeiten, als in Deutschland in Lagern gewählt wurde: Rot-Grün, Schwarz-Gelb - diese Bündnisse regierten über viele Jahre in den Ländern. Dann kamen Rot-Rot und Schwarz-Rot hinzu, immerhin auch Zweierkonstellationen.

Nach dem Super-Wahlsonntag wird es nun neue Farbenspiele geben, Dreierbündnisse vermutlich. Die AfD hat die politische Landschaft aufgemischt. Mehrheiten jenseits der Rechtspopulisten zu finden, wird schwerer. Auf Anhieb hat die AfD 24,2 Prozent in Sachsen-Anhalt geschafft (sehen Sie hier alle Ergebnisse). Ihr Anteil ist dort größer als der von SPD, Grünen und FDP zusammen, wie die Grafik zeigt:

Auch in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg haben die Rechtspopulisten zweistellige Ergebnisse erreicht. In beiden Bundesländern ist die AfD drittstärkste Kraft geworden.

Das hat Folgen: In keinem der drei Länder können die bisherigen Koalitionen weiterregieren wie bisher. Die Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und ihre Kollegen Winfried Kretschmann (Grüne) und Reiner Haseloff (CDU) müssen auf andere Farbkonstellationen ausweichen. Alle haben ausgeschlossen, mit der AfD über ein mögliches Bündnis zu sprechen.

  • Sachsen-Anhalt: Kenia-Koalition in Magdeburg?

Vor allem für Haseloff wird es in Sachsen-Anhalt schwierig, eine stabile Regierung zu finden. Bisher regierte er mit der SPD, doch die hat stark verloren. Deshalb wird er nun ein Dreierbündnis schmieden müssen. Es sind rein rechnerisch mehrere Konstellationen möglich, um sich die Mehrheit von 44 Sitzen zu sichern. Am wahrscheinlichsten ist die Kenia-Koalition aus Schwarz-Rot-Grün, der Name ist an die Farben der Flagge Kenias angelehnt. Ein Bündnis, das es bisher noch nicht auf Landesebene gegeben hat.

Auf kommunaler Ebene wurde es jedoch schon ausprobiert, etwa in Jena in Thüringen. Dort regieren CDU, SPD und Grüne bereits seit 2009 zusammen im Stadtrat. Auch im Berliner Bezirk Lichtenberg regiert seit 2011 eine Kenia-Koalition.

  • Rheinland-Pfalz: Malu Dreyers Ampeloption

In Rheinland-Pfalz hat Malu Dreyer die Wahl: Entweder schließt sich die Sozialdemokratin mit ihrer geschlagenen Rivalin Julia Klöckner von der CDU zusammen, oder sie geht eine Ampel ein. "Wir haben auch gute Zeiten in Rheinland-Pfalz erlebt gemeinsam mit der FDP", lobte Dreyer noch am Wahlabend die Liberalen, die einen Sitz mehr bekommen haben als die Grünen. FDP und Grüne wollen mit der SPD sprechen, das haben sie bereits signalisiert.

Eine Ampel bevorzugen nach Wahlumfragen von Infratest dimap für die ARD vor allem die Wähler von Grünen und FDP, bei den SPD-Anhängern liegt die große Koalition knapp vor Rot-Gelb-Grün.

  • Baden-Württemberg: Grün-Schwarz, Ampel oder Deutschland-Bündnis?

Kretschmann ist der strahlende Gewinner in Baden-Württemberg. Er hat als Vertreter der stärksten Partei nun das Mandat für eine Regierungsbildung: Möglich wäre ein Bündnis mit der schwächelnden CDU als Juniorpartner. Grün-Schwarz also? Dann hätten die Christdemokraten Zeit, sich nach der Schlappe zu sortieren und zu erneuern, könnten aber trotzdem mitreden.

Oder regiert Kretschmann weiter mit der SPD und der FDP? Für Grün-Rot allein reicht es nicht mehr. Also eine Ländle-Ampel unter der Führung der Grünen?

Rein rechnerisch würde es auch für eine Deutschland-Koalition reichen: Schwarz, rot, gelb. Die will der Wahlverlierer CDU auf die Beine stellen, um am Ende dann doch als Sieger dazustehen. Ob SPD und Liberale da mitmachen? In Baden-Württemberg stehen schwierige Sondierungen bevor.




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insgesamt 105 Beiträge
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coyote38 14.03.2016
1. Symptomatisch
Noch Fragen, warum die AfD so stark geworden ist ...? Ganz einfach, weil man alle anderen Parteien problemlos "querbeet" zusammenrühren kann, ohne dass sich Politik im Ergebnis verändert.
MephistoX 14.03.2016
2. Das ...
... "Tröstliche" an dieser neuen Farbenlehre ist, dass da nirgends Blau für die "Braunen im Schafspelz" auftaucht. Okay, die demokratischen Kräfte dieses Landes werden enger zusammenstehen (müssen), um den nicht-lösungsorientierten, mehr oder weniger subtil hetzenden "AfD"lern nen Strich durch die Rechnung zu machen - aber auch das wird glücken :)
iannis70 14.03.2016
3. Eine Farbe fehlt da noch...
...oder ist die AfD gar nicht von jedem 4. Wähler in Sachsen-Anhalt gewählt worden? Mit den Grünen ist man vor Jahren ähnlich umgegangen und man sehe sich an, wie die inzwischen etabliert sind. Also auch Schwarz-Blau ist durchaus eine Alternative und wenn es um Posten geht, dann ist man in der CDU doch gemeinhin gar nicht so zimperlich, oder?
conocedor 14.03.2016
4. schwarze Ampel
"Rein rechnerisch würde es auch für eine Deutschland-Koalition reichen: Schwarz, rot, gelb." Ein bisschen off-topic: Der früher gebräuchliche Name für diese Koalitionskonstellation gefiel mir irgendwie besser: die „Schwampel“ :-) In Sachsen-Anhalt diskutiert man einstweilen bei möglichem Scheitern der Verhandlungen auch schon die Möglichkeit einer CDU-geführten Minderheitsregierung. Das käme als weitere Variante zu den aufgeführten Farbspielen noch hinzu.
MarkusReichardt 14.03.2016
5. Deutsche Farbenlehre
Interessant ist, dass die Farbe Braun nicht vorkommt. Es scheint tatsächlich so zu sein, wie Heinrich Böll einmal geschrieben hat: "Schwarz ist die einzige Farbe, welche Braun zuverlässig übermalt". Offenbar wird das jetzt auch mit der Farbe Grau ausprobiert.
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