Wahlkampf für Sarkozy: Gabriel kritisiert Merkels Hollande-Boykott  

Angela Merkel will den französischen Sarkozy-Herausforderer François Hollande partout nicht treffen. SPD-Chef Sigmar Gabriel greift die Kanzlerin deshalb scharf an: Das sei ein "eigentümliches Demokratieverständnis".

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SPD-Chef Gabriel: "Das deutsch-französische Verhältnis ist wichtiger"

Berlin - Nein, Angela Merkel will François Hollande nicht treffen. Die Kanzlerin verweigert nach wie vor eine Zusammenkunft mit dem Spitzenkandidaten der französischen Sozialisten, der in Umfragen deutlich vor dem konservativen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy liegt. Dafür erntet die CDU-Chefin Kritik: "Wenn sie behauptet, sie könne mit dem aussichtsreichsten Präsidentschaftskandidaten nicht zusammenarbeiten, zeigt das ein eigentümliches Demokratieverständnis - und schadet deutschen Interessen", sagte SPD-Chef Sigmar Gabriel SPIEGEL ONLINE.

Gabriel erklärte weiter: "Natürlich darf Angela Merkel Wahlkampf für Sarkozy machen." Allerdings müsse der Kanzlerin klar sein, "dass Deutschland auch mit dem neuen sozialistischen Präsidenten Frankreichs zusammenarbeiten muss". Gabriel: "Das deutsch-französische Verhältnis ist wichtiger als die konservative Parteipolitik von Merkozy."

Zugleich verteidigte Gabriel seinen französischen Parteifreund. "Nicht Hollande steht auf der Bremse, sondern Angela Merkel", sagte er. "Sie blockiert die Einführung der Besteuerung von Banken und Spekulanten an den Finanzmärkten. Sie verweigert Wachstumsimpulse für Europa. Sie tut nichts gegen die täglich wachsende Jugendarbeitslosigkeit in Europa." Merkel sei "verantwortlich dafür, dass die Euro-Rettung für den deutschen Steuerzahler immer teurer wird", so Gabriel.

Kritik äußerte auch Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin. "Die deutsch-französische Freundschaft ist eine Freundschaft zwischen den Völkern - unabhängig davon, wen sich diese Völker als Regierung wählen. Die Opposition von heute kann die Regierung von morgen sein." Oppositionsführer wie Hollande nicht mehr offiziell zu empfangen, sei kindisch und verletze deutsche Interessen. "Zum Skandal wird es, wenn Frau Merkel auch noch ihre konservativen Kollegen in Spanien, Italien und Großbritannien zu solch uneuropäischem Verhalten überredet. Es ist nämlich nicht ausgeschlossen, dass Merkel wie Monti demnächst mit einem Präsidenten Hollande über Ergänzungen am Fiskalpakt verhandeln müssen. Cameron wird dabei sowieso abseits stehen wollen", sagte Trittin.

Regierungssprecher Seibert dementiert Bericht über Anti-Hollande-Allianz

Zuvor hatte bereits Außenminister Guido Westerwelle (FDP) seinen Unmut über den Hollande-Boykott Merkels geäußert. Es bestehe die große Sorge, dass der Eindruck eines Boykotts des Präsidentschaftskandidaten die deutsch-französischen Beziehungen beschädigen können, hieß es im Umfeld des Ministers gegenüber SPIEGEL ONLINE. Zwar teile man viele von Hollandes inhaltlichen Positionen nicht. Es müsse aber klar sein, dass die Bundesregierung mit jedem gewählten französischen Präsidenten sehr gut zusammenarbeiten werde, hieß es.

Nach SPIEGEL-Informationen verabredete Merkel mit der italienischen, spanischen und britischen Regierung, den französischen Präsidentschaftskandidaten François Hollande im Wahlkampf nicht zu empfangen.

Regierungssprecher Steffen Seibert dementierte die SPIEGEL-Meldung am Montag. Es handle sich um "falsche Berichterstattung". Er sagte: "Es gibt keine solche Allianz." Es gebe "keinen Grund für böses Blut". Allerdings werde die Kanzlerin Hollande weiterhin nicht empfangen. "Es gibt bislang keinen Termin im Kalender der Bundeskanzlerin für ein solches Treffen", sagte der Regierungssprecher. Deutschland werde aber nach der Präsidentenwahl in Frankreich mit jedem Präsidenten "eng, vertrauensvoll und gut" zusammenarbeiten.

Seibert verwies darauf, dass sich der sozialistische Kandidat beim SPD-Parteitag im November für einen Regierungswechsel in Deutschland ausgesprochen hatte. "Es soll dann auch keiner sich beklagen, wenn möglicherweise die CDU-Vorsitzende für ihren Parteifreund Nicolas Sarkozy Position im Wahlkampf bezieht. Da gibt es keinen Grund zur gegenseitigen Klage.

Hollande selbst gibt sich derweil gelassen: Er habe die Absage der Kanzlerin zu einem Treffen zur Kenntnis genommen, sagte die Parteichefin der französischen Sozialisten, Martine Aubry, dem Fernsehsender I-Télé in Paris. Hollande habe "aus Höflichkeit" um ein solches Treffen gebeten. Zu dem angeblichen Boykott Hollandes durch Merkel und andere konservative EU-Regierungschefs während des französischen Wahlkampfs, äußerte sich Aubry zurückhaltend. "Das wäre einmalig, wenn es stimmt", sagte sie.

Hollande tritt bei der Wahl im April gegen den konservativen Amtsinhaber Nicolas Sarkozy an. In allen Umfragen liegt er derzeit vorn. Die Entscheidung fällt vermutlich erst im Mai in der zweiten Runde. Vor der letzten Präsidentenwahl hatte Merkel die damalige sozialistische Kandidatin Ségolène Royal - Hollandes frühere Lebensgefährtin - noch empfangen. Merkel hatte im französischen Wahlkampf ihre Unterstützung für Präsident Sarkozy deutlich gemacht.

flo/anr/dpa/AFP

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1.
lschulz 05.03.2012
Zitat von sysopDie Kanzlerin will den französischen Sozialisten François Hollande partout nicht treffen. SPD-Chef Sigmar Gabriel greift Merkel wegen ihres Verhaltens gegenüber dem Sarkozy-Herausforderer scharf an. Die Kanzlerin zeige ein "eigentümliches Demokratieverständnis", so Gabriel. Wahlkampf für Sarkozy: SPD-Chef Gabriel kritisiert Merkels Hollande-Boykott** - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,819370,00.html)
Gabriel tut exakt das Gleiche mit seiner SPD er unterstützt den Kommunisten Hollande. Nur nicht offen wie die CDU sondern wie üblch verdeckt um nicht zu sagen hinterhältig
2. -
ih2011 05.03.2012
Zitat von sysop... Die Kanzlerin zeige ein "eigentümliches Demokratieverständnis", so Gabriel. Wahlkampf für Sarkozy: SPD-Chef Gabriel kritisiert Merkels Hollande-Boykott** - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,819370,00.html)
Merkel und Demokratie? Merkel ist nicht demokratisch sozialisiert und hat einen Umlernpozeß nie wirklich stattfinden lassen. Sie ist gelernte Opportunistin und hat ein gestörtes Verhältnis zur Wahrheit. Sie ist und bleibt eine FDJ-Funktionärin. Ihr Gebahren gegen Hollande erinnert an ihr Verhalten gegenüber Obama. Wie lange hat es gedauert bis diese überflüssigen, unnötigen athmosphärischen Störungen einigermaßen behoben waren.
3. .....
Maya2003 05.03.2012
Zitat von lschulzGabriel tut exakt das Gleiche mit seiner SPD er unterstützt den Kommunisten Hollande. Nur nicht offen wie die CDU sondern wie üblch verdeckt um nicht zu sagen hinterhältig
Hat man Sie schon entlassen ? "Kommunist" - man glaubt es nicht.
4. .....
Maya2003 05.03.2012
Zitat von sysopDie Kanzlerin will den französischen Sozialisten François Hollande partout nicht treffen. SPD-Chef Sigmar Gabriel greift Merkel wegen ihres Verhaltens gegenüber dem Sarkozy-Herausforderer scharf an. Die Kanzlerin zeige ein "eigentümliches Demokratieverständnis", so Gabriel. Wahlkampf für Sarkozy: Gabriel kritisiert Merkels Hollande-Boykott** - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,819370,00.html)
Gabriel ist ein Heuchler ! Wie zu lesen war ist der SPD Spitze Hollande "zu links". So gesehen müssten unsere Edelsozis eigentlich Merkel dankbar sein. Die versucht ja einen sozialistischen Sieg zu verhindern. Was gibt es schlimmeres für einen gestandenen Sozialdemokraten des Jahres 2012 als einen sozialistischen Präsidenten :) Lasst euch beerdigen liebe SPD, aber verschont uns vorher bitte mit linken Sprüchen. NIEMAND glaubt sie mehr.
5. bloße Verleumdung.
nimda 05.03.2012
Zitat von lschulzGabriel tut exakt das Gleiche mit seiner SPD er unterstützt den Kommunisten Hollande. Nur nicht offen wie die CDU sondern wie üblch verdeckt um nicht zu sagen hinterhältig
Sie haben ein ebenso gestörtes Verhältnis zur Wahrheit wie Frau Merkel. Den zukünftigen (wahrscheinlich) Präsidenten der Franzosen, aus niedrigen Gründen, einen Kommunisten zu nennen,ist reine Verleumdung und zeigt wessen Geistes Kind sie sind.
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Staatsoberhaupt:
François Hollande

Regierungschef: Manuel Valls

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