Wahlkampf Grüne gehen auf Distanz zur SPD

Entfernung vom Wunschpartner: Grünen-Chefin Claudia Roth will auch gegen die SPD Wahlkampf führen. Ein gemeinsames rot-grünes Projekt werde es diesmal nicht geben. Roth ist enttäuscht vom Schattenkabinett des sozialdemokratischen Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier.


Hamburg - Nach der Vorstellung der SPD-Wahlkampfmannschaft gehen die Grünen zunehmend auf Distanz zu den Sozialdemokraten. "In diesem Wahlkampf gibt es kein rot-grünes Projekt wie in den letzten Wahlkämpfen", sagte Grünen-Chefin Claudia Roth der "Augsburger Allgemeinen". Sie kündigte zugleich an, den Wahlkampf auch gegen den früheren Koalitionspartner zu führen. "Wir werden um das Potential aller rot-grünen Wähler kämpfen. Wir haben keine Stimme abzugeben und auch keinen Mitleidsbonus zu verteilen."

Grünen-Chefin Roth: "Wir haben keine Stimme abzugeben"
ddp

Grünen-Chefin Roth: "Wir haben keine Stimme abzugeben"

Roth nannte den bisherigen Wahlkampf der Sozialdemokraten enttäuschend und hielt dem SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier Fehler bei der Besetzung seines Schattenkabinetts vor: "Als Mensch aus dem Süden finde es sehr bedenklich, dass die SPD glaubt, sich leisten zu können, niemanden aus Bayern oder Baden-Württemberg für ihr Schattenkabinett zu nominieren. Das sind immerhin zwei der drei größten Bundesländer."

Gleichzeitig verwies die Grünen-Chefin darauf, dass die Wahl noch nicht entschieden sei. Bei den letzten Wahlen habe Schwarz-Gelb in den Umfragen immer in Führung gelegen, gereicht habe es aber nie. "Auch dieses Mal ist die Messe noch nicht gelesen", fügte Roth hinzu. Allerdings müsse Steinmeier dazu das Potenzial mobilisieren: "Jetzt muss endlich der Angriff kommen."

Trotz der Kritik an der SPD lobte Roth Steinmeier. Für sie persönlich sei er ein feiner Mann. "Er hat uns in der rot-grünen Koalition immer fair behandelt und zum Zusammenhalt der Koalition beigetragen." Die Grünen waren mit der SPD von 1998 bis 2005 an der Macht. Ab 1999 war Steinmeier Kanzleramtsminister unter Gerhard Schröder.

wit/ddp/AP

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