Wahlkampf im "Rheingold Express": Merkel wirbt mit Adenauer für Schwarz-Gelb

Angela Merkel auf den Spuren von Konrad Adenauer: Mit dem vom ersten Kanzler gern genutzten Luxuszug "Rheingold Express" ging die Regierungschefin auf Wahlkampftour. Sie warb auch mit einem Slogan des legendären Politikers für eine schwarz-gelbe Koalition: "Keine Experimente".

Adenauer-Express: Merkel reist durch die Geschichte Fotos
DPA

Bonn/Koblenz - Die Kanzlerin auf Konrad Adenauers Gleisen: Im "Rheingold Express", einem auch schon vom ersten Regierungschef der Bundesrepublik genutzten Sonderzug von Bonn nach Berlin, stellte sich Angela Merkel ganz in die Tradition der Urväter der Union. Dass es für Schwarz-Gelb immer enger wird, konterte Merkel auch wie einst ihr Vorbild Konrad Adenauer: "Wir können uns keinerlei Experimente erlauben", warb die CDU-Vorsitzende am Dienstag in Koblenz am 60. Jahrestag des Amtsantritts Adenauers für ein Bündnis mit der FDP.

Adenauer, der Deutschland 14 Jahre regierte, war 1957 mit dem Slogan "Keine Experimente" in den Wahlkampf gezogen und hatte damit eine absolute Mehrheit für die Union erzielt. Zum ersten und bisher einzigen Mal in der Geschichte der Bundesrepublik kam damit eine politische Kraft auf ein Ergebnis über 50 Prozent.

Merkel war in den vergangenen Wochen von der FDP immer wieder vorgehalten worden, sie steuere auf eine Große Koalition zu.

Zuletzt hatte FDP-Chef Guido Westerwelle ihr das nach dem Fernsehduell mit Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier vorgehalten: "Das war ein Abend, der nach Großer Koalition roch, aus allen Poren." Auf ihrer Zugfahrt sagte Merkel, nötig seien "stabile Verhältnisse". Sie erwähnte ausdrücklich die Situation in Thüringen und im Saarland, wo die Regierungsbildung gut zwei Wochen nach den Landtagswahlen noch offen ist.

Merkel hatte am Morgen vor Beginn der Zugreise auf dem Waldfriedhof in Rhöndorf bei Bonn an Adenauers Grab einen Kranz niedergelegt. Anschließend stattete sie dem Zoologischen Forschungsmuseum Alexander König in Bonn einen Besuch ab.

Die Zugfahrt führt von Bonn nach Berlin. Koblenz war der erste Halt. Vor dem Hauptbahnhof wurde die Kanzlerin von rund 2000 Menschen empfangen. Weitere Zwischenstopps waren noch Frankfurt am Main, Erfurt und Leipzig. Am späten Abend wird im Foyer des Konrad-Adenauer-Hauses in Berlin eine Foto-Installation mit Motiven Adenauers präsentiert.

In Koblenz kündigte Merkel für den bevorstehenden G-20-Gipfel in Pittsburgh eine harte Gangart an. Sie fahre zu dem Treffen, "um sicherzustellen, dass die Banker dieser Welt nie wieder auf unsere Knochen solche Sachen anstellen können, sondern dass sie Regeln kriegen wie jeder Mensch auf der Welt".

Es müssten Regeln für die Banken gefunden werden, damit die Welt nicht wieder an den Abgrund komme, sagte Merkel unter großem Beifall. Es brauche internationale Regeln, insbesondere aber "eine nationale Kraftanstrengung, um aus diesem Tal herauszukommen".

In Frankfurt am Main erinnerte die CDU-Vorsitzende an die Pleite der Lehman-Bank in den USA vor genau einem Jahr, die den bisher schwersten Wirtschaftseinbruch auch in 60 Jahren Bundesrepublik verursacht habe. Die Regeln der sozialen Marktwirtschaft müssten aber auch in der Finanzwelt gelten. Banker müssten lernen, Regeln zu beherzigen. Zugleich legte Merkel ein Bekenntnis zur Mitbestimmung ab, die sich bewährt habe, und warnte vor Neiddebatten jedweder Art.

Schließlich forderte die Kanzlerin vor rund tausend Zuhörern auf dem Platz vor dem Frankfurter Hauptbahnhof Innovationen auch in der Automobilindustrie. "Wir brauchen neue Antriebstechnologien, andere Autos, das Auto des 21. Jahrhunderts", rief Merkel mit Blick auf die am Donnerstag in der Stadt beginnende Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) aus.

als/dpa/AP

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Forum - Welche Koalition soll Deutschland regieren?
insgesamt 1835 Beiträge
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1.
Knippi2006 14.09.2009
Zitat von sysopSchwarz-Gelb, Ampel, Jamaika, eine andere Konstellation - oder wieder die Große Koalition? Welches Regierungsbündnis wünschen Sie sich nach der Bundestagswahl?
Egal, welche Farbkombi - solange sie ehrlich, anständig, human und vernünftig agieren, leider wird unter den genannten Voraussetzungen keine Regierung zu Stande kommen.
2. Seid pragmatisch une realistisch!
Der Pragmatist 14.09.2009
Zitat von sysopSchwarz-Gelb, Ampel, Jamaika, eine andere Konstellation - oder wieder die Große Koalition? Welches Regierungsbündnis wünschen Sie sich nach der Bundestagswahl?
Schwarz-Gelb waere wohl die beste Loesung, um das Land vorauszutreiben und seine Stellung in der Welt zu bewahren. Schwarz-Rot ginge zur Not noch und Rot-Rot-Gruen wuerde den Untergang und Zerfall der Republik sehr beschleunigen. Die Industrie, der grosse Feind der Roten und Garant eines Einkommens, wuerde sich in andere Laender verlegen anstatt sich ewig mit ihren Peinigern herumzuschlagen. Millionen Arbeitsplaetze wuerden verloren gehen und andere Laender wuerden zweifelsohne gross von dieser Industrieverlagerung profitieren. Also Leute, wenn ihr weiterhin dort wohnen wollt wo ihr wohnt, seid realistisch und pragmatisch und unterstuetzt die Industrie. Nur die Industrie kann Euch ein Einkommen geben, der Staat kann es nicht. Er kann Euch nur geld aus der Tasche ziehen und das tut er auch ganz kraeftig. Pragmatist
3.
kimm100 14.09.2009
Alle ausser CDU/FDP
4. Rot-Rot-Grün
yogtze 14.09.2009
Zitat von sysopSchwarz-Gelb, Ampel, Jamaika, eine andere Konstellation - oder wieder die Große Koalition? Welches Regierungsbündnis wünschen Sie sich nach der Bundestagswahl?
Es kann nur eine Koalition geben, die nach den sozialen Einschnitten der letzten Jahre wieder einen gerechten Ausgleich schaffen kann: Rot-Rot-Grün! Leider wird es dazu nach der Wahl nicht kommen, weder die Linken noch die SPD sind zum jetzigen Zeitpunkt dazu bereit, doch wenn es zu einer Groko kommt, hoffe ich, dass diese nach spätestens zwei Jahren zerbricht und es dann soweit ist, dass die SPD, mit neuem Führungspersonal, zu ihren Wurzeln zurückkehrt!
5.
DJ Doena 14.09.2009
Es wäre schön, wenn man diese Frage auf einem tatsächlichen Wahlzettel beantworten dürfte. So quasi Liste 1: Direktkandidat, Liste 2: Partei, Liste 3: Wunschkoalition Dann würde nämlich der ganze Miste aufhören, von wegen "der Wähler" (Einzahl) hätte die Parteien in eine große Koalition gezwungen - wie das mit den derzeitigen Stimmzetteln möglich sein soll, ist mir völlig schleierhaft.
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