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Wahlkampf in Hessen: Koch attackiert Ypsilanti mit Anti-Kommunisten-Kampagne

"Ypsilanti, al-Wazir und die Kommunisten stoppen!": Hessens Ministerpräsident Koch kämpft gegen seinen dramatischen Umfrageabsturz - mit einer neuen Plakatkampagne will er die SPD-Kontrahentin stoppen, die immer beliebter wird.

Wiesbaden - Es bleibt spannend: Der Landtagswahlkampf in Hessen entwickelt sich zum Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem schwarz-gelben und rot-grünen Lager. Laut einem heute veröffentlichten ZDF-Politbarometer liegen Roland Koch und Andrea Ypsilanti nur noch einen Prozentpunkt auseinander. Zünglein an der Waage bleibt damit die Linke, die bei fünf Prozent liegt. Auch eine aktuelle ARD-Umfrage von Infratest Dimap hat gestern Koch fallende Werte bescheinigt.

Wahlkämpfer Koch: "Ich glaube, dass ich der Demokratie nütze"
AP

Wahlkämpfer Koch: "Ich glaube, dass ich der Demokratie nütze"

Im Einzelnen sieht die Forschungsgruppe Wahlen bei der ZDF-Umfrage die CDU bei 38 Prozent. Die SPD kommt in der Sonntagsfrage auf 37 Prozent, Grüne und FDP erreichen je acht Prozent. Im direkten Vergleich der Spitzenkandidaten gaben 46 Prozent der Befragten an, sie wollten die Sozialdemokratin Andrea Ypsilanti als künftige Ministerpräsidentin sehen. Für Amtsinhaber Roland Koch (CDU) entschieden sich 36 Prozent.

Im Dezember hatte Koch im Politbarometer noch mit 13 Prozentpunkten vor Ypsilanti gelegen. Damals lag Koch bei der Bewertung auf einer Skala von plus fünf bis minus fünf noch knapp im positiven Bereich (0,1). Jetzt kommt er mit minus 0,6 auf einen deutlich schlechteren Imagewert. Ypsilanti hat sich im gleichen Zeitraum von 0,4 auf 0,9 gesteigert. Allerdings wird Koch in den eigenen Reihen mit 2,5 etwas besser bewertet als Ypsilanti von ihren Anhängern (2,1).

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Wichtigstes Thema in den Augen der hessischen Wähler ist nach wie vor die Bildungs- und Schulpolitik (33 Prozent). Als weitere drängende Probleme gaben die Befragten die Arbeitslosigkeit (31 Prozent) und die Kriminalität (30 Prozent) an. Für die Umfrage waren laut ZDF vom 14. bis 17. Januar 1000 Wahlberechtigte befragt worden. 43 Prozent sagten, sie wüssten noch nicht, wen sie am 27. Januar wählen werden.

Koch selbst ficht das bisher wenig an - er will bei seinem Wahlkampfstil bleiben. Der "Berliner Zeitung" sagte er, dass sein polarisierender Wahlkampf der Demokratie förderlich sei, weil damit die Unterschiede der Parteien deutlicher zu Tage träten. "Ich glaube, dass ich der Demokratie nütze, indem ich sehr zuspitze und Probleme, die die Menschen bedrücken, wie die sich häufenden brutalen Gewalttaten jugendlicher Täter, anspreche", zitiert die Zeitung ihn. "Die Wähler müssen sehen, dass sie entscheiden, zu welchem Bahnhof der Zug fährt." Der Regierungschef setzt sich besonders für härtere Strafen für Gewalttäter ein.

Die hessische CDU versucht nun, mit einer Plakatkampagne gegen die sinkenden Umfragewerte anzusteuern. Generalsekretär Michael Boddenberg stellte heute in Wiesbaden ein neues Plakat vor, auf dem vor einem "Links-Block" in Hessen gewarnt wird: "Ypsilanti, al-Wazir und die Kommunisten stoppen!" Das Plakat nimmt Bezug auf die SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti, den hessischen Grünen-Chef Tarek al-Wazir sowie die hessische Linkspartei.

Boddenberg sagte, es gehe bei der Wahl um die Entscheidung, ob Hessen künftig von einer bürgerlichen Mehrheit oder einem Linksbündnis regiert werde. Die Union wolle mit ihrer Kampagne einen Einzug der Linkspartei in den Landtag verhindern: "Dabei bleiben wir bis zum letzten Tag." Ein zweites Plakat nimmt unter der Überschrift "Gewalt braucht eine harte Antwort" Bezug auf die Koch-Kampagne gegen Jugendkriminalität.

ffr/AP/ddp/AFP

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