Wahlkampf in Thüringen Althaus wehrt sich gegen Vorwürfe der Opfer-Familie

In Interviews sprach er über seinen schweren Unfall, betete am Grab der getöteten Skifahrerin: Jetzt wehrt sich Thüringens Ministerpräsident Althaus gegen Vorwürfe, er benutze das Unglück als Wahlkampfthema. Der Witwer von Beata Christandl hatte den Politiker "pietätlos" genannt.

Thüringens Ministerpräsident Althaus: "Ich habe mich für die Amtsgeschäfte entschieden"
ddp

Thüringens Ministerpräsident Althaus: "Ich habe mich für die Amtsgeschäfte entschieden"


Erfurt - Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) verteidigt sich gegen Vorwürfe, er benutze seinen Skiunfall für den Landtagswahlkampf. Althaus sagte dem Nachrichtenportal News.de, das Thema finde bei seinen öffentlichen Auftritten auf keinem einzigen Marktplatz in Thüringen statt.

Der Anwalt der Familie der bei dem Unfall am Neujahrstag in Österreich getöteten Beata Christandl, Alexander Rehrl, hatte den CDU-Politiker zuvor scharf kritisiert. Der Zeitung "Die Welt" sagte er: "Da der Tod von Beata Christandl eine zutiefst private Angelegenheit der Familie ist, werden die jüngsten Berichte über den tragischen Skiunfall von der Familie nicht nur als Vertrauensbruch, sondern als unangebracht und pietätlos bewertet." Auch von einem "freundschaftlichen Kontakt" zwischen dem Witwer und Althaus sei ihm bis auf zwei Briefwechsel nichts bekannt, sagte Rehrl weiter.

Althaus hatte in Interviews mehrfach über die Gefühle gesprochen, die der tödliche Unfall bei ihm ausgelöst hat, etwa dass er das Grab von Beata Christandl in seinem Sommerurlaub besucht und dort gebetet habe. Mit dem Witwer habe er mehrfach Briefe gewechselt, das Verhältnis sei freundschaftlich.

Althaus sagte in dem am Freitag veröffentlichten Interview, ein Kriterium, wann man als verurteilter Politiker in einer exponierten öffentlichen Funktion weiterarbeiten könne, gebe es nicht. "Das muss jeder selbst einschätzen. Ich habe für mich gleich zu Anfang entschieden, dass ich am Ende des Genesungsprozesses wieder die Amtsgeschäfte als Ministerpräsident aufnehmen möchte."

"Keine gesundheitlichen Beschwerden"

Der CDU-Politiker fügte hinzu, er sei dankbar, wieder als Ministerpräsident arbeiten zu können. Dafür habe er die Rekonvaleszenz genutzt. Seitdem gebe es keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen mehr.

Althaus war am 1. Januar 2009 auf einer Skipiste in Österreich mit Beata Christandl zusammengeprallt. Die Frau starb an ihren schweren Verletzungen, Thüringens Regierungschef erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. Anfang März war Althaus von einem österreichischen Gericht wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 33.300 Euro und zu 5000 Euro Schmerzensgeld verurteilt worden. Die zivilrechtliche Schadenersatzregelung steht noch aus.

Die zivilrechtliche Auseinandersetzung zwischen der Familie Christandl und Althaus ist weiterhin offen. Dabei geht um die Betreuungskosten für den einjährigen Sohn, den der Witwer in seinem Wohnort in Virginia Beach (USA) allein großziehen muss.

amz/ddp/dpa

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