Wahlkampf mit Leuchten Gabriels Wunderlampe

Für ein Euro bringt Bundesumweltminister Sigmar Gabriel beim Wahlkampf Energiesparlampen unters Volk. Die Leuchte macht im Labor von Ökotest aber keine gute Figur. Nicht mal die versprochene Leuchtkraft wird erreicht.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD):
dpa

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD):


Hamburg - Im Wahlkampf werden häufig Geschenke verteilt: Kugelschreiber, Schlüsselanhänger, Luftballons - der Bürger muss schließlich an die Partei erinnert werden, bei der er sein Kreuzchen machen soll. Sigmar Gabriel, amtierender Bundesumweltminister von der SPD, setzt jedoch nicht allein auf sogenannte Give-aways. Er verkauft den Bürgern an seinem Wahlkampfstand auch Energiesparlampen für einen Euro.

Das passt natürlich super zum Öko-Image, dass Gabriel verbreiten will. Gegen Atomkraft, gegen ein Endlager in Gorleben, für den Ausbau alternativer Energien - der SPD-Politiker setzt auf die guten alten grünen Themen. Allerdings ist die Energiesparlampe, die er verkauft, gar nicht so umweltfreundlich, wie er meint. Nach Recherchen von SPIEGEL TV Magazin (Sonntag, 22.35 Uhr auf RTL) erreicht sie nur eine Leuchtkraft, die 20 Prozent unter dem angegeben Wert liegt.

"Herr Gabriel verspricht, dass diese Energiesparlampe 14 W att genauso hell sein soll wie eine 75 Watt Glühlampe", sagte ein "Öko-Test"-Experte. Das stimme aber nicht. "Wir messen lediglich 120 Lux, dass sind 20 bis 30 Prozent weniger ."

Das Ergebnis ist nicht einmal besonders erstaunlich: "Öko-Test" hatte erst kürzlich 16 Energiesparlampen eingehend untersucht, darunter Modelle von Osram, Philips und Ikea. Ergebnis des Tests: Nur vier Lampen können es einigermaßen mit der 60-Watt-Glühbirne aufnehmen, die sie ja eigentlich ersetzen sollen. Knapp ein Drittel der Energiesparlampen erreichte ein "befriedigend", der Rest schnitt noch schlechter ab.

Prädikat "befriedigend"

"Öko-Test" untersuchte Gabriels Wunderlampe auch in punkto Elektrosmog. Die Leuchte strahlte nach Angaben der Tester achtmal mehr als es der TCO-Grenzwert für einen PC-Monitor vorsieht. Auch dies deckt sich mit den früheren Messungen. "Öko-Test" hatte festgestellt, dass die elektrischen Wechselfelder im Umkreis von Energiesparlampen generell viel stärker sind als bei Glühbirnen.

In 30 Zentimetern Abstand habe die Strahlung der 16 Modelle deutlich die Werte überschritten, die die TCO-Zertifizierung für strahlungsarme Bildschirme vorschreibt, berichteten die Tester. Erst in einem Abstand von einem bis eineinhalb Metern sinke die Elektrosmogbelastung auf ein tolerierbares Maß, wenn man die Richtwerte der TCO als Maßstab nehme. Die Hersteller Osram, Philips und Megaman erklärten auf "Öko-Test"-Anfrage, dass die TCO-Standards für Computerbildschirme gemacht und für Energiesparlampen nicht relevant seien. Es gebe keine gesetzliche Verpflichtung, diese einzuhalten.

Das Fazit des Testers für Gabriels Wahlkampfleuchte fiel mau aus: Sie hat keine Nachteile, aber auch keine Vorteile gegenüber den bisher getesteten Lampen.

In einem Interview mich SPIEGEL TV hatte der Umweltminister zudem behauptet, dass seine Lampe ja "Made in Germany" sei. Ein Testkauf beim Elektronikriesen Saturn ergab, dass Gabriels Lampe auch in China hergestellt wird.

hda



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