Wahlkampf-Plakate SPD schießt sich auf Merkel ein

Mit der angekündigten Erhöhung der Mehrwertsteuer hat die Union der SPD einen Ball auf den Elfmeterpunkt gelegt. Die sozialdemokratischen Wahlkämpfer nehmen nun Anlauf, um ihn zu verwandeln.

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Neuer SPD-Aufkleber: "Wir müssen kämpfen"

Neuer SPD-Aufkleber: "Wir müssen kämpfen"

Berlin - "Merkelsteuer, das wird teuer", "Ich kann mir Angela Merkel nicht leisten" und "Deutschland kann sich CDU/CSU nicht leisten" - mit diesen Wahlkampfslogans wird die SPD in die heiße Wahlkampfphase ziehen. Dies kündigte SPD-Bundesgeschäftsführer Kajo Wasserhövel gegenüber SPIEGEL ONLINE an.

Die Sozialdemokraten haben die von der Union angekündigte Mehrwertsteuererhöhung von 16 auf 18 Prozent als erstes zentrales Wahlkampfmotiv entdeckt. Am 5. August sollen die neuen Plakate, Flyer und Aufkleber auf einer "Mobilisierungskonferenz" allen Direktkandidaten vorgestellt werden. SPD-Chef Franz Müntefering und Bundeskanzler Gerhard Schröder werden Reden halten. Einen Tag später dann wird es einen bundesweiten "Aktionstag gegen die Merkelsteuer" geben.

Wahlkampf-Slogan: "Die Hauptauseinandersetzung läuft zwischen SPD und Union"

Wahlkampf-Slogan: "Die Hauptauseinandersetzung läuft zwischen SPD und Union"

Wie schon auf ihren Wahlkampfseiten im Internet greift die SPD bei ihrer ersten Plakataktion zum Mittel des "negative campaigning". Das heißt, es werden nicht die eigenen Stärken herausgestellt, sondern die vermeintlichen Schwachpunkte des Gegners attackiert. "Wir liegen hinten, wir müssen kämpfen", rechtfertigt Wasserhövel den Tonfall. Man wolle deutlich machen, dass die Politik der CDU "die Arbeitnehmer einseitig belaste".

Die "Merkel-Steuer" ist nur das erste Motiv. Weitere sollen folgen, darunter Plakate, die die Familien-, Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik der SPD loben. Doch es wird auch weitere Negativ-Plakate geben, etwa zu den "Finanzierungslücken" der Programme von Union und FDP oder zur vermeintlichen Führungsschwäche der Kandidaten Merkel und Westerwelle.

Im Wahlkampf zählt jedes Detail. Wasserhövel sprach mit SPIEGEL ONLINE, während CDU-Generalsekretär Volker Kauder im Konrad-Adenauer-Haus die Wahlkampfzentrale der Union eröffnete - wohl kaum ein Zufall.

Auch die Linkspartei wird von der SPD ins Visier genommen, wenn auch nicht in gleichem Maße wie die Union. "Die Hauptauseinandersetzung läuft zwischen SPD und Union", bekräftigte Wasserhövel.

SPD-Wahlplakat: Die vermeintlichen Schwachpunkte des Gegners attackieren

SPD-Wahlplakat: Die vermeintlichen Schwachpunkte des Gegners attackieren

Am vergangenen Wochenende hatte die SPD bereits großformatige Anzeigen in ostdeutschen Zeitungen geschaltet, in denen Union und Linkspartei zusammen angegriffen werden. "Merkel und Lafontaine sind schlecht für den Osten", stand über einer Auflistung all der Nachteile, die die Wahl eines der beiden Kandidaten angeblich mit sich bringen würde.

Was die Linkspartei angeht, hofft die SPD-Zentrale auf einen Abnutzungseffekt. "Die Leute trauen denen bereits jetzt nichts zu", sagt Wasserhövel. "Sie wissen, dass Lafontaine und Gysi Hinschmeißer sind." Auf Plakaten werde man die "Illusionen" und den "Populismus" der Linkspartei thematisieren. Ein Beispiel sei das Plakat, das bereits vor dem Willy-Brandt-Haus hängt. Dort steht: "PDSWAS?".



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