Wahlkrampf: Hessens Linke streiten über Kandidatur von Attac-Chefin

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Machtspielchen, Männerbünde, Mailmobbing: Attac-Geschäftsführerin Sabine Leidig kandidiert in der hessischen Linkspartei für den Bundestag. Doch der Landesvorstand macht Stimmung gegen die Globalisierungskritikerin.

Hamburg - Der Vorwurf ist verklausuliert, aber deftig: "Sabine hat sich in keiner Weise unterstützend auf ein Projekt einer linken Kraft und Partei bezogen." So begründet die Führung der hessischen Linkspartei ihre Ablehnung von Sabine Leidig - in einer Rundmail, die SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Sabine Leidig, Geschäftsführerin von Attac: "Es geht nicht um mich als Person"
DDP

Sabine Leidig, Geschäftsführerin von Attac: "Es geht nicht um mich als Person"

Die Attac-Geschäftsführerin kandidiert bei dem Parteitag am Samstag auf Platz eins der Landesliste. Derart attackiert, erhebt nun Leidig schwere Vorwürfe gegen die Parteispitze: "Es geht nicht um mich als Person, sondern nur um taktische Überlegungen."

Die Bundestagsabgeordneten Werner Dreibus und Wolfgang Gehrke würden sich bessere Chancen ausrechnen, wenn eine andere Spitzenkandidatin auf Platz eins stünde, klagt Leidig. Landeschef Ulrich Wilken weist das als abstrus zurück. Er sagte SPIEGEL ONLINE, es gebe im Landesvorstand keine Nähe zu einem der beiden Kandidaten.

Die Linke schmückt sich gerne mit Attac-Bezügen, doch die Kandidatur einer profilierten Seiteneinsteigerin aus dem globalisierungskritischen Netzwerk stößt auf offenen Widerstand. Der Vorstand um Wilken möchte lieber die 66-jährige Marlis Wilde-Stockmeier zur Spitzenkandidatin machen.

"Bei allem Charme, eine Kandidatin aus dem globalisierungskritischen Lager auf unserer Landesliste zu haben, sind Zweifel da, ob Sabine eine solche gewollte Ausstrahlung in unser Wählersegment haben kann", heißt es in der Rundmail. Leidig nennt das eine Unverschämtheit. Es stehe Wilken nicht zu, so über sie zu urteilen.

Der Landeschef bemüht sich, die E-Mail zu relativieren. Er sagte, die Ablehnung der Kandidatur sei ein normaler innerparteilicher Vorgang: "Ich sehe aber auch, dass Sabine Leidig durchaus Rückendeckung in einigen Kreisverbänden genießt." Etwa in der Heimat der Gegenkandidatin: "Ich wurde von zwei Stadtverordneten aus Kassel gebeten, gegen Wilde-Stockmeier anzutreten", sagt Leidig.

Der hessische Landesverband gilt seit seiner Gründung 2007 als zerstritten. Konflikten um Spitzenkandidaten folgte der Austritt einiger prominenter Mitglieder im Januar diesen Jahres. Auch einige, die in der Partei blieben, kritisieren mangelnde innerparteiliche Demokratie und eine Abkehr von programmatischen Grundsätzen. Am Dienstag hatten sich zudem profilierte Funktionäre vom Entwurf des Wahlprogramms distanziert.

Streit um Rolle der Rosa-Luxemburg-Stiftung

Im Fall Leidig beklagt der hessische Landesvorstand zudem eine angebliche Einmischung der parteinahen Stiftung: "Kritisieren wollen wir auf jeden Fall, dass sich die Rosa-Luxemburg-Stiftung mit einer Mail an zumindest Teile des Landesverbandes gewendet hat." Dies stehe der Stiftung nicht zu, sie verletze das Gleichbehandlungsgebot aller Kandidatinnen. Wilken sagte, er lege großen Wert auf die Trennung von Stiftung und Partei.

"Der Vorwurf stimmt aber einfach nicht", wehrt sich Leidig. Ein Mitarbeiter der Stiftung habe lediglich ihre Bewerbung an einige Mitglieder versandt - und dies über den Computer am Arbeitsplatz statt seine private Adresse zu nutzen.

Wie der Streit beim Parteitag am Samstag auch ausgeht - der Wunsch, rasch in die Linke einzutreten, sagt Leidig, habe sich bei ihr zumindest nicht verstärkt.

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