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Wahlplakate: "Parteien sollten sich etwas besseres einfallen lassen"

"Nur langweilig", "völlig ineffektiv": Die Kommunikationswissenschaftlerin Christina Holtz-Bacha geht im SPIEGEL-Interview mit den EU-Wahlplakaten der Parteien hart ins Gericht. Lob hat sie nur für die angriffslustige Kampagne der SPD - die allerdings auch riskant sei.

SPIEGEL: Wie finden Sie die Wahlplakate der SPD mit Sprüchen wie "Dumpinglöhne würden CDU wählen" oder "Finanzhaie würden FDP wählen" ?

Holtz-Bacha: Die humorige Angriffswerbung erzeugt Aufmerksamkeit. Man wundert sich, spricht vielleicht sogar drüber. Insofern ist die Kampagne sehr geschickt. Allerdings darf die Aufmerksamkeit nicht auf die Konkurrenz der SPD gezogen werden, wie es die FDP im Internet versucht hat mit dem Spruch "Pleitegeier würden SPD wählen". Darin liegt das Risiko.

Was die CDU auf ihren Wahlplakaten zeigt, findet Kommunikationswissenschaftlerin Holtz-Bacha "nur langweilig"
AP

Was die CDU auf ihren Wahlplakaten zeigt, findet Kommunikationswissenschaftlerin Holtz-Bacha "nur langweilig"

SPIEGEL: Wird die CDU-Werbung Wähler mobilisieren?

Holtz-Bacha: Kaum zu glauben, die Plakate "Wir in Europa" erinnern an die Zeiten des Helmut Kohl und an Bundestagswahlen, bei denen die CDU ebenso einfallslos mit "Wir in Deutschland" warb. Das ist nur langweilig.

SPIEGEL: Auch die FDP recycelt offenbar ihre Kampagne. Zieht das?

Holtz-Bacha: Die Liberalen dachten schon vor fünf Jahren, sie hätten einen Knüller mit dem Gesicht ihrer Kandidatin Silvana Koch-Mehrin, die ja später mit ihrem Körper in den Schlagzeilen blieb. Schönheit allein genügt nicht, aber der FDP kommt entgegen, dass auf Wahlwerbung nicht viel Politik unterzubringen ist.

SPIEGEL: Verstehen Sie, was die Grünen mit ihrem "Wums" sagen wollen?

Holtz-Bacha: Früher hatten die Grünen ansprechendere Ideen. Sie bleiben sich insofern treu, als sie die Wähler zum Nachdenken auffordern. Allerdings darf auf einem Plakat kein Rätsel stehen. Denn es ist schon viel, wenn ein Plakat eine Sekunde Aufmerksamkeit erzeugt.

SPIEGEL: Parteien werben zusätzlich mit dem Konterfei ihrer Kandidaten, die entweder niemand kennt oder schon mal wie ein Kinderschreck aussehen. Was bringt das?

Holtz-Bacha: Die meisten Kandidatenplakate an Laternenmasten sind völlig ineffektiv. Im Falle furchteinflößender Fotos können sie sogar kontraproduktiv sein. Die Parteien sollten sich etwas Besseres einfallen lassen.

SPIEGEL: Warum ist das Engagement der Parteien für die Europawahl so gering?

Holtz-Bacha: Die Europawahl steht ganz im Schatten der Bundestagswahl. Deshalb investieren die Parteien so wenig wie möglich und führen einen Wahlkampf, der weder die eigenen Mitglieder, die Medien und vermutlich auch nicht die Wähler mitreißt.

Das Interview führte Petra Bornhöft

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SPD-Wahlkampf: "Finanzhaie würden FDP wählen"


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