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Wahlspots von Splitterparteien: Die Nervensägen der Demokratie

Von und

Nein!-Idee

Sie kämpfen für Esoterik in der Politik oder gegen Pornos, wollen mehr Rechte für Rentner, Tiere und Kirchgänger: Gut 20 Mini-Parteien treten zur Bundestagswahl an. Wir zeigen kuriose Auftritte der Kandidaten - und ein Best of der schrägsten Internetvideos.

Berlin - Sie machen den Wahlzettel extralang, und ihre Namen sind oft extraschwer zu merken: Tierschutzpartei, Familien-Partei, Partei Bibeltreuer Christen, die Violetten, Partei der Nichtwähler, Partei der Vernunft, die Nein!-Idee - so viele Kleinparteien wie nie haben sich um die Zulassung für die Bundestagswahl beworben. Zum Wahltermin am 22. September treten 26 der insgesamt 30 anerkannten Splitterparteien an (hier gibt es eine Auflistung).

Realistische Chancen, die Fünfprozenthürde zu überwinden, haben die ewigen Sonstigen nicht. Aber eines muss man ihnen lassen: Die Underdogs der Politik sind beharrlich. Wahljahr für Wahljahr versuchen sie, den Bundeswahlleiter und sein Gremium von ihrer Existenzberechtigung zu überzeugen.

Auch in diesem Jahr gab es eine Prüfzeremonie, in der der Wahlausschuss auf alte Bekannte traf. Etwa auf die Rentner Partei, die trotz eines durchschnittlichen Stimmenanteils von 0,1 Prozent immer wieder antritt. Und wieder. Und wieder. Sehen Sie hier, wie die Rentner Partei für sich wirbt - vor dem Wahlausschuss und im Internet (Videolänge: 02.07 Minuten):

"Leute, mischt euch ein!" // Basecap-Gebuhle der Rentner Partei

RENTNER
Da stellt sich die Frage: Warum kämpft man, wenn es nichts zu gewinnen gibt? Viele Mitglieder von Splitterparteien sehen den kleinen Protest gegen die Etablierten unabhängig vom Bundestag als Dauerprojekt. Sie entwerfen Info-Flyer, drehen mit Nachbars Hund einen Werbespot, basteln an ihrer Vereins-Homepage und füllen Ordner mit Programmen, Satzungen und Rechenschaftsberichten.

Allerdings regen sich bei so manchem Anwärter Zweifel am ernsthaften Willen. Etwa wenn die Partei der Nichtwähler qua Grundsatzprogramm erklärt, sie halte Parteien im Grunde für sinnlos. Derlei Widersprüche führen zu kuriosen Szenen. Sehen Sie hier, wie Partei und Prüferin aneinander vorbeireden (Videolänge: 01.26 Minuten):

"Habe ich Sie da richtig verstanden?" // Die Nichtwähler-Partei hat Vermittlungsprobleme

Bundestags-TV
Um viele Menschen erreichen zu können, sind die Programme der Minis zu monothematisch oder schlichtweg zu gaga. Mal liegt der Fokus auf Esoterik und Alternativmedizin (Die Violetten), mal auf Seelenheil und Sittenverfall (Partei Bibeltreuer Christen). Herumstehende Hipster, Kartoffelpüree, das auf Fliesen klatscht und ein eindringliches "Nein zu Porno" - Ausschnitte aus den skurrilsten Clips der Splitterparteien im Internet sehen Sie hier (Videolänge 01.12 Minuten):

Kartoffelbrei, Hipster, Wackelbildchen // Die schrägsten Videoclips

ÖDP
Freilich kann man den Amateur-Style der Mini-Parteien belächeln. Eines sollte man dabei aber nicht vergessen: Auch die Etablierten produzieren im Wahlkampf zuweilen peinlichen Werbespot-Quark.

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insgesamt 29 Beiträge
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1. Splitterparteien in der Demokratie
wurzelbär 11.09.2013
Ist doch alles eine Frage der Prioritäten. Die obersten Prioritäten der Menschen, vom Volk haben sich doch in Jahren seit der Gründung der BRD nicht geändert. Egal was Politiker, Parteien und Regierungen veranstalten, sie werden vom Volk gewählt ! Nicht Denken, Vergessen, Hoffen, Glauben und Wählen, das sind und bleiben die wichtigsten Eigenschaften des deutschen Bürgers. Verstehen warum, erkennen wieso, usw. sind nicht Gedanken eines deutschen "Michel". Deshalb hängt Deutschland auch am hinteren Teil des Propheten. Ist das Wählen zwischen Strick oder Schafott, Gesetz oder Strafe wirklich als Demokratie zu bezeichnen, oder bedarf es dazu nicht noch etwas mehr?
2. Dank an alle Parteien
Roleroli 11.09.2013
Sie sind keine Nervensägen der Demokratie, die Splitterparteien, sondern das Salz in der Suppe der Demokratie. Was wäre unsere Demokratie, wenn wir nicht auch die Extreme zulassen würden - auch wenn es uns manchmal schwer fällt. Deshalb gilt der Dank allen Demokraten, den Etablierten genauso wie den Skurrilen und Schrägen!
3. Heute noch unter Sonstige Parteien
oannad 11.09.2013
Morgen könnte das schon anders aussehen. Große Zeitungen oder auch die Parteien über 5% sollten nicht so abwertent über diese Gruppe Urteilen. Denn das Eine oder auch das Andere was diese kleine Parteien von sich geben ist nicht immer schlecht. Auf alle Fälle sollte der Wähler diesmal den kleinen Parteien den Vorzug geben. Skurriler als CDU und SPD können die doch gar nicht sein.
4. Warum nicht?
Arabsalam 11.09.2013
Im Bundestag gibt es auch eine Partei, die sich für die Interessen von Hoteliers, Investmentbankern und Steuerbetrügern einsetzt. Da sind Lobbyparteien für Tiere, Rentner oder yogische Flieger für die Allgemeinheit sogar noch interessanter.
5. Warum nicht?
Jaja Bings 11.09.2013
Es wird bei diesem beitrag möglicherweise vergessen, dass viele (vor allem junge) Wähler absolut unentschlossen sind wer gewählt wird. Dies liegt unter anderem daran, dass sie sich nicht von den Wahlprogrammen der großen Parteien vertreten fühlen. Teil der Demokratie ist aber doch eine meinungsvielfalt... die sehe ich persönlich nicht mehr wirklich vertreten. Schade finde ich nur, dass kleine minderheitsparteien wie beispielsweise die piraten sich leider nicht organisiert bekommen und dadurch unwählbar werden. Also Nichtwähler?!?
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