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Wählerverhalten in Hamburg: AfD punktet bei Arbeitern, FDP bei Jungwählern

Von und (Grafik)

Die AfD ist erstmals in ein westdeutsches Landesparlament eingezogen. Wer stimmte für die Rechtskonservativen? Wo sind die anderen Parteien stark? Die Details nach Alter, Beruf und Geschlecht im Überblick.

Hamburg - 6,1 Prozent aus dem Stand: Die Alternative für Deutschland (AfD) ist einer der Gewinner der Hamburger Wahl. Sie ist als sechste Partei in die Bürgerschaft eingezogen. Woher kommen die Anhänger der rechtskonservativen Partei? Die ARD liefert mit Infratest dimap eine genaue Wähleranalyse (Stand: vorläufiges Ergebnis). Hier sind die wichtigsten Fakten im Überblick:

1. Die AfD bindet Protestwähler

Die rechtskonservative Partei profitiert vor allem von den frustrierten Wählern: 71 Prozent der AfD-Anhänger geben an, ihre Wahlentscheidung aus Enttäuschung getroffen zu haben, nur 26 Prozent aus Überzeugung (lesen Sie hier eine Analyse zum AfD-Ergebnis). Damit sammelt die Partei Protestwähler. Im Wahlkampf setzte sie auf die Themen Flüchtlinge, Islam und innere Sicherheit - Inhalte, die die AfD-Anhänger als häufigsten Grund für ihre Wahlentscheidung nennen (33 Prozent; Bildung 26 Prozent; Verkehr/Infrastruktur 21 Prozent).

Die AfD sammelt insbesondere enttäuschte ehemalige CDU- und SPD-Wähler, wie die Analyse der Wählerwanderung zeigt (eine ausführliche Auswertung lesen Sie hier, alle Grafiken sehen Sie im Wahlanalyse-Tool).

Die Erzkonservativen erreichen ihre besten Ergebnisse bei Arbeitern, hier liegt ihr Stimmenanteil bei elf Prozent. Interessant ist, dass die SPD in dieser Berufsgruppe minus neun Prozentpunkte verzeichnet. Gute Ergebnisse schafft die AfD auch insgesamt bei Männern, bei Wählern mit mittleren Bildungsabschlüssen und wirtschaftlich Unzufriedenen (neun Prozent). In allen Altersgruppen kann sie fast gleich stark mit einem Stimmenanteil von fünf bis sechs Prozent punkten.

2. Rentnerpartei SPD

Die größte Unterstützung haben die Sozialdemokraten bei Wählern über 60 Jahre. In dieser Altersgruppe können sie ihr Ergebnis im Vergleich zu 2011 um zwei Prozentpunkte auf 53 Prozent verbessern. Bei den Rentnern liegt ihr Stimmenanteil bei 54 Prozent (plus drei Prozentpunkte).

Allerdings verliert die SPD bei jungen Wählern bis 35 Jahre an Rückhalt: minus sechs Prozentpunkte bei den 25- bis 34-Jährigen und minus sieben Prozentpunkte bei den 16- bis 24-Jährigen. Außerdem muss sie Einbußen bei Arbeitern, Angestellten und Beamten hinnehmen.

3. CDU verliert überall

Selbst viele ihrer Stammwähler halten den Christdemokraten nicht mehr die Treue. Nur jeder vierte Anhänger (26 Prozent) sagt, dass die langfristige Parteibindung wichtig für seine aktuelle Wahlentscheidung gewesen sei.

Die CDU verzeichnet überall ein Minus - besonders große Verluste muss sie in ihrer stärksten Altersgruppe, bei den über 60-Jährigen, hinnehmen: Ihr Ergebnis fällt hier um minus zehn Prozentpunkte auf 21 Prozent. Neben den Rentnern verliert die CDU auch bei Beamten, Arbeitern und Selbstständigen überdurchschnittlich viele Stimmen.

4. Linke erfolgreich bei Jungen, Arbeitslosen und Unzufriedenen

Die Linkspartei schafft mit 8,5 Prozent eines ihrer besten Ergebnisse in Westdeutschland. Bei den Arbeitslosen und denjenigen, die mit der persönlichen wirtschaftlichen Lage unzufrieden sind, verbucht sie große Stimmenanteile - sie ist dort nach der SPD zweitstärkste Partei. Große Gewinne (je plus vier Prozentpunkte) erreicht sie außerdem bei Wählern unter 35 Jahren und bei den Arbeitern.

5. Mehr Jungwähler bei der FDP

Die Liberalen können ihren Stimmenanteil vor allem bei den Wählern unter 25 Jahren um drei Prozentpunkte auf sieben Prozent steigern. Die FDP profitiert vor allem von enttäuschten CDU-Wählern. 9000 Ex-Unionswähler machten ihr Kreuz bei der FDP.

Jeder fünfte Wähler der Liberalen (22 Prozent) gibt an, die Partei wegen der Spitzenkandidatin Katja Suding angekreuzt zu haben. Lag die FDP vor wenigen Monaten in den Umfragen noch bei zwei Prozent, hat sie nun 7,4 Prozent erreicht. Das liegt auch an der hohen Zustimmung ihrer Kernklientel, den Selbstständigen. Entscheidende Themen sind für die FDP-Anhänger die Wirtschaftspolitik und auch Bildung.

6. Zugewinne für Grüne bei Beamten

Den Grünen werden große Kompetenzen in den Themenbereichen Verkehrs-, Familien- und Ausländerpolitik zugeschrieben. Insbesondere bei Frauen im Alter von 25 bis 34 Jahren kann sie Zugewinne verzeichnen (plus vier Prozentpunkte, 22 Prozent) und bei den Beamten (plus sechs Prozentpunkte, 19 Prozent).

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 56 Beiträge
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1.
ClausWunderlich 16.02.2015
Also haben die bunten Farben doch was gebracht.
2. Jede neue Partei sammelt zunächst Protestwähler
hassowa 16.02.2015
Das war noch nie anders. Auch bei den Grünen war das damals so. Die wurden damals noch mehr verlacht, als die AfD. Daran sollten sich die Verfasser solcher Berichte erinnern.
3. ich frage mich
Nonvaio01 16.02.2015
woher die das wissen? Das koennen doch nur stichproben sein wo ein waehler die angaben gemacht hat nach der wahl.
4.
HighFrequency 16.02.2015
"Interessant ist, dass die SPD in dieser Berufsgruppe [Arbeiter] minus neun Prozentpunkte verzeichnet." "Interessant" im Sinne von "verwunderlich" ist dies ja nun keineswegs, hat sich die SPD von dieser Berufsgruppe doch schon lange verabschiedet.
5. Die Union hat nun auch ein Brüderle bekommen...
donadoni 16.02.2015
...so wie einst die SPD mit den Linken. Die SPD wird die Linken nicht mehr los, die ihr Wählerpozenzial anzapft. Das Gleiche macht nun die AfD bei der Union, wobei das bei der Union umso tragischer ist, da sie nun keinen Koalitionspartner mehr hat. Sie kann bundesweit allenfalls mit der SPD in eine "Große" Koalition gehen, wo sie dann sozialdemokratisiert wird wie aktuell, was wiederum ihre Stammwähler verschreckt. Die SPD hingegen kann zumindest auf Landesebene, 2017 oder sogar früher auf Bundesweben, ihre kommunistischen Träume mit den Linken verwirklichen. Die Merkel-Union ist in einer Sackgasse angekommen. Eine Lösung aus dieser Aussichtslosigkeit ist nicht erkennbar, wenn man sich nicht von Merkel trennt.
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