Beisetzung des Altkanzlers Walter Kohl fordert Staatsakt am Brandenburger Tor

Warum Speyer? Helmut Kohls Sohn Walter kritisiert den Ort der Trauerfeier für den verstorbenen Altkanzler. Die bisherige Planung sei "unwürdig".

Walter Kohl mit Kindern vor seinem Elternhaus in Oggersheim
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Walter Kohl mit Kindern vor seinem Elternhaus in Oggersheim


Walter Kohl kritisiert die bisherige Planung für das Begräbnis seines Vaters. Der Sohn des verstorbenen CDU-Altkanzlers Helmut Kohl plädiert dafür, dass die deutsche Trauerfeier für seinen Vater nicht in Speyer, sondern in Berlin stattfindet.

"Ich möchte als Familienmitglied einen Diskussionsvorschlag unterbreiten, der sowohl die europäische als auch die deutsche Dimension verbindet", sagte er in einem auf "Zeit Online" veröffentlichten Interview.

Helmut Kohl war am Freitag vergangener Woche im Alter von 87 Jahren in seinem Haus in Ludwigshafen-Oggersheim gestorben. Der CDU-Politiker war von 1982 bis 1998 Bundeskanzler.

Walter Kohl fordert, dass nach dem europäischen Trauerakt am 1. Juli morgens in Straßburg anschließend am Brandenburger Tor in Berlin "die deutsche Verabschiedung mit drei verbundenen Elementen stattfinden" solle. Seiner Auffassung nach sind diese:

  • ein Staatsakt, "bei dem sich Deutschland verabschiedet";
  • ein ökumenisches Requiem, "das die Konfessionen vereint";
  • ein Großer Zapfenstreich mit militärischen Ehren.

Das Brandenburger Tor stehe wie kaum ein anderes Bauwerk für die deutsche Einheit, sagte der Sohn des Altkanzlers. Er habe seinen Vater im Dezember 1989 bei der Öffnung des Brandenburger Tors begleitet. Deshalb wisse er, "wie wichtig und bewegend dieser Moment für ihn war". Er sei überzeugt, dass sein Vorschlag "bei voller Gesundheit seine Zustimmung gefunden hätte".

Erster europäischer Staatsakt in der Geschichte

Bislang ist in Absprache mit Kohls Witwe Maike Kohl-Richter zunächst ein europäischer Staatsakt im Europaparlament in Straßburg geplant. Es wird der erste europäische Staatsakt in der Geschichte sein. Danach ist eine deutsche Abschiedszeremonie nur in Speyer geplant, wo Helmut Kohl am 1. Juli beigesetzt werden soll.

SPIEGEL BIOGRAFIE 3/2017

Walter Kohl will an der privaten Beisetzung auf dem Friedhof am Dom zu Speyer nach eigenen Angaben nicht teilnehmen. Mit der Entscheidung für ein Begräbnis in Speyer solle das politische Lebenswerk seines Vaters von seiner ersten Frau Hannelore getrennt werden, sagte er. Hannelore Kohl, die sich 2001 das Leben genommen hatte, ist Walter Kohls Mutter. Sie ist in Ludwigshafen begraben.

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Familie Kohl: "Ohne die Spendenaffäre wäre Mutter nicht tot"

Walter Kohl sagte in dem Interview, sein Vater habe "immer betont, dass sein Lebenswerk ohne seine Frau Hannelore nicht möglich gewesen wäre. Deshalb finde ich es richtig, wenn er neben ihr seine letzte Ruhe findet." Die Ehefrau des einstigen Kanzlers, seine Mutter, dürfe "nicht einfach weggekürzt werden", sagte Walter Kohl.

dop/AFP/dpa

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insgesamt 188 Beiträge
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Seite 1
toll_er 23.06.2017
1. Warum..
Herr Kohl, halten Sie sich einfach da raus. Ihr Vater wolle doch von Ihnen auch nichts mehr wissen, aus welchen Gründen auch immer.... Ihr Familienstreit ist eine andere Sache...
christoph_drenk 23.06.2017
2.
Das ganze Theater um den Kohl ist unwürdig. Der Mann ist tot und seine Unterlassungen genauso groß wie seine Verdienste. In der Addition kann gesagt werden, daß 1989 mit oder ohne Herrn Kohl zum Ergebnis geführt hätte. Begraben.
kladderadatsch 23.06.2017
3. Bitte auch neben Frau Kohl beisetzen
beide haben die wichtigen Jahrzehnte zusammengeprägt. Frau Kohl hat ebenso viel für D geopfert, vielleicht sogar mehr als ihr Mann. Die zweite Frau hat ihn gepflegt, aber das kann man nicht mit seiner Familie vergleichen. Der Doppelname sagt auch alles: Den Kohl hat sie drangehängt.
paulvernica 23.06.2017
4. Berichte stoppen
Also Spon sollte aus Pietätsgründen über dieses Thema einfach nicht mehr berichten. Wenn sich die Familie Kohl öffentlich zerfleischen will sollte man da nicht noch mithelfen. Es ist wortwörtlich ein Trauerspiel und H.K würde sich wohl im Grabe drehen wenn er das wüsste, und wenn er denn schon endlich darin wäre.
joG 23.06.2017
5. Wenn der Mann....
....mit seinem Euro nicht einen so Menschen verachtenden Vertag gemacht hätte und nicht als Hauptfigur des System Kohl von den Meisten als Symbol für Korruption der deutschen Art gesehen wird..... Ja! Deutschland sollte wirklich einen riesigen Staatsakt veranstallten, damit jeder sieht was in Europa war und dass man dazu steht.
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