Walther Leisler Kiep Ein Mann mit vielen Talenten


Berlin - Walther Leisler Kiep war schon immer ein viel beachteter Mann: Allein das Stasi-Dossier, das die Gauck-Behörde kürzlich über den früheren CDU-Schatzmeister und langjährigen CDU-Bundestagsabgeordneten an Journalisten weitergab, umfasste rund 1000 Seiten. Ein Vierteljahrhundert lang - bis 1989 - hatten Mitarbeiter der Stasi den Mann mit den vielen Talenten und guten Beziehungen zu den USA akribisch ausgeforscht, Telefonate abgehört, festgehalten, was er aß und trank, und sogar minutiös notiert, wann bei Besuchen im Osten Deutschlands in Kieps Hotelzimmer das Licht gelöscht wurde.

Kohl 1982 bei Kiep in Hamburg, der damals CDU-Spitzenkandidat für die Hamburgische Bürgerschaft war
DPA

Kohl 1982 bei Kiep in Hamburg, der damals CDU-Spitzenkandidat für die Hamburgische Bürgerschaft war

Die Stasi belauschte den heute 74 Jahre alten Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern nicht ohne Grund: 21 Jahre lang - von 1971 bis 1992 - war Kiep Bundesschatzmeister der CDU, Mitte der achtziger Jahre geriet er in der Affäre um illegale Praktiken bei der Parteienfinanzierung in die Schlagzeilen. 1991 wurde dem Politiker mit der staatsmännischen Ausstrahlung deswegen der Prozess gemacht.

Wegen fortgesetzter Beihilfe zur Steuerhinterziehung wurde Kiep damals zu einer Geldstrafe von 675.000 Mark (270 Tagessätze zu je 2500 Mark) verurteilt. Ein Jahr später hob der Bundesgerichtshof das Urteil wegen Rechts- und Verfahrensmängeln auf. Bei dem Verfahren ging es um der CDU zugedachte und über eine "Waschanlage" geflossene Spenden namhafter deutscher Unternehmen in der Gesamthöhe von 17,5 Millionen Mark.

Anfang November 1999 rückte Kiep erneut ins Rampenlicht. Ein Haftbefehl gegen den früheren Schatzmeister brachte die CDU-Spendenaffäre ins Rollen. Kiep, der 1991 in der Schweiz zusammen mit dem langjährigen CDU-Finanzberater Horst Weyrauch vom Waffenhändler Karlheinz Schreiber in einem Koffer eine Million Mark in bar erhalten hatte, wird deswegen der Beihilfe zur Steuerhinterziehung bezichtigt. Nachdem er sich den Behörden gestellt hatte, wurde er gegen Zahlung einer Kaution in Höhe von 500.000 Mark wieder auf freien Fuß gesetzt.

Die große CDU-Karriere blieb Walther Leisler Kiep versagt. Der gebürtige Hamburger gehörte von 1965 bis 1976 dem Bundestag an. Dabei zählte er in der Auseinandersetzung um die Ostpolitik zu den Abweichlern in den eigenen Reihen und unterstützte den Aussöhnungskurs des SPD-Kanzlers Willy Brandt.

Von 1976 bis 1980 war Kiep Finanzminister in Niedersachsen. Der Versuch, anschließend als außenpolitischer Sprecher des damaligen CDU/CSU-Fraktionschefs Helmut Kohl auf dem Bonner Politparkett wieder Fuß zu fassen, scheiterte. Auch bei den Hamburger Bürgerschaftswahlen 1981/82 hatte Kiep als Spitzenkandidat der CDU kein Glück. Im Oktober 1992 verzichtete er auf eine erneute Kandidatur als Schatzmeister.



© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.