Wegen Sprengstoffanschlag Lebenslang für Johannes Weinrich

Johannes Weinrich hat den Sprengstoffanschlag auf das Maison de France in Berlin 1983 geplant, organisiert und ausführen lassen. Zu diesem Schluss kam das Landgericht und verurteilte den 52-Jährigen zu lebenslanger Haft.


Berlin - Das Gericht unter dem Vorsitzenden Richter Hans Boß stellte in seinem Urteil die "besondere Schwere der Schuld" fest. Weinrich, der als "rechte Hand" des Topterroristen Carlos gilt, kann daher nicht mit einer vorzeitigen Entlassung rechnen.

Lebenslange Haft: Johannes Weinrich
DPA

Lebenslange Haft: Johannes Weinrich

Weinrich wurden ein Mord und fünf versuchte Morde zur Last gelegt. Der mitangeklagte syrische Ex-Diplomat Nabil Shritah wurde wegen Beihilfe zu dem Anschlag zu zwei Jahren Haft verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurden. Das Urteil gegen Weinrich, das nach fast vier Jahren Prozessdauer fiel, ist noch nicht rechtskräftig.

Mit Carlos zusammen soll Weinrich die Terroristenbande "Gruppe internationale Revolutionäre" gegründet haben, die unter dem Vorwand der Imperialismus-Bekämpfung weltweit Mord- und Sprengstoffanschläge beging. Das französische Kulturzentrum "Maison de France" war deshalb Ziel des Anschlags, weil die Gruppe zwei in Frankreich inhaftierte Mitglieder freipressen wollte. Bei dem Berliner Anschlag wurden ein 26-jähriger Mann getötet und 23 Personen verletzt.

Topterrorist Illich Ramirez Sanchez, bekannt als Carlos
AP

Topterrorist Illich Ramirez Sanchez, bekannt als Carlos

Shritah wurde zur Last gelegt, dass er die 24 Kilogramm Sprengstoff in der syrischen Botschaft in Ost-Berlin zwischengelagert hatte. Er war von Weinrich 1982 dorthin gebracht worden. Nach Beobachtung der DDR-Staatssicherheit, die die Carlos-Bande seit längerem im Auge hatte, wurde der Sprengstoff dann in die syrische Botschaft gebracht und dort bis kurz vor dem Anschlag gelagert. Vermutlich in Diplomatenfahrzeugen ist sie nach West-Berlin gebracht worden.

Weinrich saß während der Urteilsverkündung in einem Panzerglaskäfig und zeigte keinerlei Regung. Er machte sich eifrig Notizen, während der Richter den Urteilsspruch verlas.



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