Bundeswehr-Eingreiftruppe für den Kosovo: Wehrbeauftragter rügt Dauereinsatz

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Deutschland schickt erneut eine robuste Eingreiftruppe in den Kosovo, rund um die Wahlen droht dort eine neue Eskalation. Der Wehrbeauftragte kritisiert nun die hohe Belastung für die eingesetzten Soldaten - sie sind zum Teil seit anderthalb Jahren im Dauereinsatz.

Wehrbeauftragter Königshaus: Die Personallage der Kfor-Truppen ist "angespannt". Zur Großansicht
dapd

Wehrbeauftragter Königshaus: Die Personallage der Kfor-Truppen ist "angespannt".

Berlin - Der Wehrbeauftragte hat die Bundeswehr wegen der erneuten Entsendung einer deutschen Eingreiftruppe in den Kosovo kritisiert. In einem dreiseitigen Brief an den Bundestag schreibt Hellmut Königshaus (FDP), er halte die Einsatzbelastung für die Soldatinnen und Soldaten des ABC-Abwehrregiments aus Bruchsal und des Artilleriebattaillons aus Immendingen "für deutlich zu hoch". Große Teile der Einheiten seien durch die neue Mission der "Operational Reserve Force" (ORF) auf dem Balkan "zum dritten Mal innerhalb von anderthalb Jahren in den Einsatz" geschickt worden - faktisch sind viele Soldaten damit quasi seit 18 Monaten im Dauereinsatz.

Die Kritik des FDP-Politikers kommt zu einer heiklen Zeit. Ende vergangener Woche hatte Berlin der Entsendung der rund 550 Deutschen zugestimmt. Seit Monaten gibt es zwischen Serbien, das den Kosovo bis heute als abtrünnige Region betrachtet, und der Kosovo-Verwaltung Streit über die Wahlen. Ursprünglich wollte Belgrad auch in mehrheitlich von Serben bewohnten Gemeinden im Kosovo Wahllokale öffnen, dieses Vorhaben wurde jedoch abgesagt. Nun rumort es im Nordkosovo. In einem vertraulichen Bericht warnte das Einsatzführungskommando der Bundeswehr vor der "Gefahr von Eskalation" und "erheblichem Konfliktpotential" für den ganzen Kosovo.

Bundeswehr nennt Entsendung alternativlos

Wegen der brenzligen Lage rund um die Wahlen Anfang Mai, hatte der Kommandeur der Nato-Truppen im Kosovo um Verstärkung durch die Eingreiftruppe ORF gebeten, die von Deutschland und Österreich gestellt wird. Berlin kam dem umgehend nach und setzte die ORF wieder in Bewegung, die gerade erst aus einem vorherigen Einsatz auf dem Balkan zurückgekehrt war. Viele der Soldaten, so Königshaus in dem SPIEGEL ONLINE vorliegenden Brief, hätten zwischen den aktuellen Einsätzen kaum eine Pause gehabt. Für einige Soldaten ist es innerhalb von anderthalb Jahren die dritte Mission in direkter Folge.

Der Wehrbeauftragte, der als eine Art Ombudsmann für die Belange der Soldaten eintritt, hatte die Einheiten für den Kosovo-Einsatz erst kürzlich in ihren Kasernen und auch auf dem Balkan besucht. Etliche Bundeswehrsoldaten beklagten sich bei ihm über die langen Stehzeiten, die laut ihren Aussagen regelmäßig überschritten würden. Königshaus schreibt, die Personallage bei den Kfor-Einheiten sei "angespannt". In einigen Bereichen führe die dünne Personaldecke bereits zu einer Gefährdung der Auftragserfüllung.

Hinter verschlossenen Türen wurde der Streit um die Belastung der ORF-Einheit bereits im Bundestag geführt. Im Verteidigungsausschuss warf die Opposition dem Wehrressort vor, den Einsatz der Eingreiftruppe nicht richtig geplant zu haben. "Die Bundeswehr ist sehenden Auges in dieses Problem gestolpert", kritisierte der grüne Verteidigungsexperte Omid Nouripour. Die Bundeswehrführung zeigte in der Sitzung zwar Verständnis für die Klagen, gleichwohl aber habe es zu der Entsendung keine Alternative gegeben. Die Eingreiftruppen seien für solche drohenden Eskalationen eingeführt worden.

Bundeswehr rechnet nicht mit Entspannung der Lage

Intern gesteht die Bundeswehr die Probleme durchaus ein. Der "zweite Einsatz des deutsch-österreichischen ORF Bataillons stellt ohne Zweifel eine Belastung für die Angehörigen des ORF Bataillons dar", heißt es in einem vertraulichen Report der Bundeswehr. Gleichwohl sei die Entsendung "unumgänglich, da das Bataillon nach Rückkehr aus dem Einsatzland in den 'ORF Ready Status', der die volle Einsatzbereitschaft innerhalb von sieben Tagen im Einsatzland erfordert, wechselte". Schon diese Woche soll die Einheit im Kosovo voll einsatzbereit sein. Die Soldaten der Einheit können ihrer Unzufriedenheit diese Woche Luft machen: Am Dienstag macht sich eine Delegation des Verteidigungsauschusses auf den Weg in die Region.

Derzeit hat die Nato rund 5800 Soldaten der Kfor-Truppe auf dem Balkan stationiert, rund 1300 davon stellt die Bundeswehr. Grundsätzlich besteht die Aufgabe der internationalen Soldaten, seit dem Beginn der Operation im Jahr 1999, in der Vermeidung von neuen Konflikten zwischen dem Kosovo und Serbien. Von einer eigentlich geplanten Reduzierung der Truppe ist mittlerweile keine Rede mehr, mit einer Beruhigung des Konflikts rechnet bei der Bundeswehr aktuell niemand.

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insgesamt 42 Beiträge
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1. Was sagen eigendlich die "anderen" zu den Luschen von der Armee ?
slider 01.05.2012
Zitat von sysopDeutschland schickt erneut eine robuste Eingreiftruppe in den Kosovo, rund um die Wahlen droht dort eine neue Eskalation. Der Wehrbeauftragte kritisiert nun die hohe Belastung für die eingesetzten Soldaten - sie sind zum Teil seit anderthalb Jahren im Dauereinsatz. Bundeswehr-Eingreiftruppe für den Kosovo: Wehrbeauftragter rügt Dauerreinsatz - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,830712,00.html)
Was sagen eigendlich die "anderen" zu den Luschen von der Armee ? Was sagen der Notarzt der Jahrzehnte im Einsatz ist, was sagte die Krankenschwester die Jahrzehnte im Einsatz ist, was sagt der Altenpfleger der Jahrzehnte im Einsatz ist, was sagt die........... . Man ich kann das Gejaule um "Mamas Beste" von der Armee nicht mehr hören.
2.
DJ Doena 01.05.2012
---Zitat--- Seit Monaten gibt es zwischen Serbien, das den Kosovo bis heute als abtrünnige Region betrachtet ---Zitatende--- Haben sie doch auch recht. Lincoln fand es schließlich auch nicht lustig, dass die Baumwollpflücker im Süden ihr eigenes Ding machen wollten.
3.
meck1 01.05.2012
@slider Die "anderen" sind nach Dienstschluss zu Hause bei ihrer Familie, brauchen auf dem Weg dorthin nicht auf Minen zu achten und müssen nicht hinter jeder Ecke einen bewaffneten Freiheitskämpfer vermuten. Sie sind meistens nicht bewaffnet und müssen sich nicht mit einer Bürokratie auseinandersetzen, welche ihnen ein Strafverfahren aufbürdet, wenn sich in der dafür vorgesehenen Entladekiste bei der Sicherheitsüberprüfung aus Versehen ein Schuss löst. Oder werden ihre Briefe geöffnet? Das Recht auf freie Meinungsäußerung beschnitten? Telefone abgehört? Bezahlt unter dem Nato-Schnitt? Von der öffentlichkeit daheim ins Gesicht gespuckt, es sei denn, es wird irgendwo in der nähe gerade eine Kaserne geschlossen? Soll ich weitermachen? Wenn man keine Ahnung hat, ... Statt über Polemik längst überholte Klischees zu bedienen sollte man vielleicht über Inhalte diskutieren. Das setzt natürlich eine bestimmte Sachkenntnis vorraus, welche bei Ihnen augenscheinlich in Gänze nicht vorhanden ist.
4. Dummes Geschwätz
DerWürfler 01.05.2012
Zitat von sliderWas sagen eigendlich die "anderen" zu den Luschen von der Armee ? Was sagen der Notarzt der Jahrzehnte im Einsatz ist, was sagte die Krankenschwester die Jahrzehnte im Einsatz ist, was sagt der Altenpfleger der Jahrzehnte im Einsatz ist, was sagt die........... . Man ich kann das Gejaule um "Mamas Beste" von der Armee nicht mehr hören.
.... Hauptsache Bundeswehr-Bashing. Wüßte nicht das Ärzt, Pfleger, Krankenschwestern usw. dauerhaft von Ihren Angehörigen hunderte Kilometer enfernt Ihren Dienst tun. Mal voher den Kopf einschalten lieber User "Slider"!
5.
hardkekz 01.05.2012
Zitat von sliderWas sagen eigendlich die "anderen" zu den Luschen von der Armee ? Was sagen der Notarzt der Jahrzehnte im Einsatz ist, was sagte die Krankenschwester die Jahrzehnte im Einsatz ist, was sagt der Altenpfleger der Jahrzehnte im Einsatz ist, was sagt die........... . Man ich kann das Gejaule um "Mamas Beste" von der Armee nicht mehr hören.
Man sollte schon etwas nachdenken bevor man schreibt. Notärzte,Krankenschwestern und Altenpfleger werden nochmal nicht ins Ausland kommandiert. Es ist ein gewaltiger Unterschied ob man nach dem Dienst bei der Familie ist, oder irgendwo in Usibamba wo man hinkommandiert wurde und dort monatelang nicht wegkommt. Am besten sie gehen selbst mal in den Auslandseinsatz, das ist kein 5 Sterne Urlaub.
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