Von Lisa Erdmann
Hamburg - Der Sold ist alles andere als üppig. Ein Soldat im freiwilligen Wehrdienst erhält im Schnitt rund tausend Euro im Monat. Im ersten bis dritten Dienst-Monat beträgt der Sold 777,30 Euro. Bis zum Ende der längstmöglichen Dienstdauer von 23 Monaten steigt das Einkommen auf 1146,30 Euro. Dass man damit keine großen Kapriolen schlagen kann, weiß auch das Verteidigungsministerium. Deswegen heißt es in einer Werbebroschüre für den Freiwilligen Wehrdienst mehrfach: steuerfrei. Brutto für netto. Auch Sozialabgaben fallen nicht an - die zahlt die Bundeswehr.
Ähnlich ist die Regelung beim Bundesfreiwilligendienst (Bufdi). Die Bezüge sind zwar eigentlich steuerpflichtig, werden aber de facto von der Steuerpflicht ausgenommen. Dort gibt es ein Taschengeld von maximal 336 Euro, manche Arbeitgeber zahlen noch ein bisschen was für Verpflegung und Unterkunft drauf. Aber über 500 Euro im Monat kommt da kaum einer. Die kompletten Sozialabgaben zahlt auch hier der Arbeitgeber.
Wenigstens gibt es also keine Abzüge. Bisher.
Geht es nach Finanzminister Wolfgang Schäuble, soll sich das bald ändern. Der Entwurf für das Jahressteuergesetz 2013 sieht vor, die bisherige Steuerfreiheit zu streichen. In dem Papier werden das Gleichheitsgebot und die Steuergerechtigkeit als Begründung herangezogen.
Protest aus allen Lagern
Mit der Idee hat sich Schäuble nun großen Ärger ins Haus geholt, denn die Entrüstung geht quer durch die gesamte Parteienlandschaft und die Interessenverbände. Alle gegen den Finanzminister.
Finanzministerium sieht sich in der Pflicht
Um relevante Summen für den Bundeshaushalt dreht sich der Schäuble-Vorstoß keinesfalls. Der größte Teil der Freiwilligen fällt gar nicht unter die Steuerpflicht, weil er unter der Freigrenze von jährlich 8004 Euro liegt. "Ich schätze mal, 90 Prozent der Bufdis trifft das gar nicht", sagt Peter Schloßmacher vom zuständigen Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben. Ein Problem sieht er vor allem bei den älteren Freiwilligen. Rentner müssten künftig rechnen. "Für Hausfrauen etwa, die sich ihre Rente etwas aufbessern wollen, könnte sich der Dienst künftig nicht mehr lohnen." Das sei kein gutes Signal.
Freiwillige bei der Bundeswehr könnten laut Verteidigungsministerium mit bis zu 65 Euro pro Monat Steuerbelastung rechnen, falls sich Schäuble durchsetzt.
Das Finanzministerium sieht sich jedoch in der Pflicht. Die Neubewertung sei durch den Übergang vom Pflichtdienst zu einem Freiwilligendienst zum 1. Juli vergangenen Jahres notwendig geworden, sagte eine Sprecherin. Experten hätten bei einer internen Prüfung festgestellt, dass eine Besteuerung nun "rechtlich geboten" sei.
Regierungssprecher Steffen Seibert versuchte den Aufruhr am Mittwoch zu beschwichtigen. In der Angelegenheit sei noch nichts entschieden. Er könne für die Bundesregierung zusagen, "dass alle Argumente gehört und gewogen werden".
Mit Material von dapd und AFP
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