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Wehrreform: Freiwillig zum Bund? Nein, danke!

Es sind alarmierende Zahlen: Nicht einmal ein halbes Prozent der jungen Männer zeigt bislang Interesse am neuen Freiwilligendienst der Bundeswehr. Die Probleme schüren Sorgen um die künftige personelle Ausstattung der Truppe - und um die Einsatzbereitschaft im Ausland.

Rekruten auf dem Truppenübungsplatz: Bloß keine Panik, wenn sie nicht kommen Zur Großansicht
dapd

Rekruten auf dem Truppenübungsplatz: Bloß keine Panik, wenn sie nicht kommen

Berlin - Als Jahrhundertreform wurde das Vorhaben vorab gefeiert - doch die Bundeswehrreform sorgt im Zuge ihrer Umsetzung immer mehr für Unruhe. Besonders die Umstellung auf den Freiwilligendienst macht Probleme: Er stößt auf äußerst mäßiges Interesse. Von 498.000 jungen Männern, die im März und April angeschrieben wurden, äußerten nach Angaben des Verteidigungsministeriums nur rund 1800 Interesse. Das sind nicht einmal 0,4 Prozent. Ein mickriger Wert.

Alles halb so wild, heißt es im Verteidigungsministerium, kein Grund zur Beunruhigung. Die Zahlen zeigten, "dass die Freiwilligen nicht in Massen kommen, aber man trotzdem keine Panik schieben muss", sagte ein Sprecher von Wehrminister Thomas de Maizière. Abwarten, so die Devise. Wird schon noch.

Anfang Januar waren die letzten Wehrpflichtigen eingezogen worden. Im März und April kamen insgesamt 2749 Freiwillige zur Bundeswehr. Der neue freiwillige Wehrdienst mit all seinen materiellen Vergünstigungen startet aber erst zum 1. Juli. Entscheidend sei, wie stark der Zulauf dann sei, sagte der Sprecher.

Tatsächlich aber ist das geringe Interesse, das sich derzeit abzeichnet, ein erhebliches Problem für die Bundeswehr. Sie plant eigentlich mit rund 15.000 Freiwilligen pro Jahr, die während eines Wehrdienstes zwischen sechs und 23 Monaten etwa 170.000 Zeit- und Berufssoldaten unterstützen sollen. Kommt es nicht zu einer deutlichen Verbesserung, dürfte bald eine ziemlich große Lücke bei der Mannschaftsstärke klaffen. Die Bundeswehr hatte bereits zu Jahresanfang 165.000 junge Männer angeschrieben, die zu den Letzten gehörten, die noch gemustert wurden. Davon hatten 8300 Interesse am freiwilligen Wehrdienst geäußert. Das waren immerhin fünf Prozent.

Mögliche Probleme für Auslandseinsätze

Noch macht man sich im Ministerium Mut. Die Werbekampagne laufe noch, und ein aussagekräftiger Trend sei erst in der Rückschau eines Jahres abzuschätzen. Doch auch den Beamten im Bendlerblock ist klar, dass man gerade mit Blick auf die Auslandseinsätze vor einem gewaltigen Problem steht, sollte die Zahl der Freiwilligen nicht drastisch zunehmen. Wie nervös die Lage die Truppe macht, offenbarte im März ein Schreiben des Heeresinspekteurs, Generalleutnant Werner Freers, an den Generalinspekteur Volker Wieker. "Im Übergang zur neuen Struktur werden wir große Lücken im Personalkörper hinnehmen müssen, die uns langjährig begleiten und nicht auszugleichen sein werden", warnte Freers damals.

Neben den Problemen beim Freiwilligendienst wächst aufgrund der Sparmaßnahmen zudem die Sorge vor dem Verlust der Bündnisfähigkeit und Gefahren für die nationale Sicherheit. In dem internen Ministeriumspapier wird laut "Bild" davor gewarnt, dass der Finanzplan bereits im kommenden Jahr zu Einschnitten führe, die die Personalstrukturen stören und die Beteiligung an laufenden Einsätzen beeinträchtigen würden.

"Die ins Auge gefassten Einschnitte werden die Fähigkeiten Deutschlands, mit militärischen Mitteln zur nationalen und internationalen Sicherheitsvorsorge beizutragen, erheblich einschränken", heißt es in dem Papier. Dies könne auf mittlere Sicht auch nicht wieder rückgängig gemacht werden.

Ein Ministeriumssprecher sagte dazu auf Anfrage, es gebe keinen Anlass zu einer Stellungnahme. Er verwies darauf, dass es zur Bundeswehrreform noch "keinerlei Entscheidung" gebe. Diese werde "intensiv" vorbereitet und Ende Mai oder Anfang Juni getroffen.

vme/dpa/dapd

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1. ...
Barath 21.04.2011
Zitat von sysopEs sind alarmierende Zahlen: Nicht einmal ein halbes Prozent der jungen Männer zeigen bislang Interesse*am neuen Freiwilligendienst*der Bundeswehr. Die Probleme schüren Sorgen um die künftige personelle Ausstattung der Truppe - und um die Einsatzbereitschaft im Ausland. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,758610,00.html
An und für sich hat die Bundeswehr ja auch im Ausland nichts verloren, da sie eine reine Verteidigungsarmee ist (sein sollte). Und da wir innerhalb Europas dieser Tage keinen Angriff fürchten müssen, ist die BW ja eigentlich auch überflüssig...
2. Überlegung wert
bananamarv 21.04.2011
Ich wurde von der Bundeswehr angeschrieben und sie haben natürlich fleißig Werbung gemacht für den neuen Freiwilligen Wehrdienst und ich muss zugeben, dass ich mit dem Gedanken spiele, hinzugehen. Eine gute Zeit, um nach der Schule Erfahrungen zu sammeln, denn sofort ein Studium anfangen, FSJ und Auslandsaufenthalte reizen mich im Moment nicht.
3. Kanonenfutter
moliebste 21.04.2011
Auslandseinsätze: Das war und ist doch der ganze Sinn einer Berufs- und Freiwilligenarmee. Mit der guten alten Wehrpflichtigenarmee und ihrer Verpflichtung auf die Landesverteidigung ist ein Kampf um Rohstoffe und Absatzmärkte nicht so einfach zu machen. Spätestens in der nächsten Wirtschaftskrise steht dann auch genug potentielles Kanonenfutter in Schlange vor dem Kasernentor. Dann kanns losgehen.
4. na klar
donbernd, 21.04.2011
Na wie schön, schnell mal alle über einen Kamm geschert und mit einer entsprechenden Plakattierung versehen. Können sie sich vielleicht vorstellen das das problem eher an den illusorischen Traumgebilden liegt welche die Politik im Bezug auf das Militär hegt und pflegt ? Deutschland wird am Hindukusch verteidigt ..... das ich nicht lache. Natürlich ist dies auch kein Krieg , sondern nur ein 'humanitärer Hilfseinsatz' bei dem auf einen geschossen wird und Sprengfallen gelegt werden, und es keinesfalls um Pipelinerouten geht. Panzer zur Absicherung brauchen wir nicht denn es ist ja kein Krieg. Nun soll es mit derselben 'humanitärer Hilfseinsatz' Floskel nach Lybien gehen ......... ohne Worte. Das keiner mehr mitmachen will bei sinnfreien Kriegen zur Rohstoffsicherung und im Interesse von Grosskonzernen ist ein gutes Zeichen. Das i
5. Thw
Querspass 21.04.2011
http://www.thw.de/DE/THW/Stellenangebote/stellenangebote_node.html Bietet einfach die gleichen Sicherheiten in der Versorgung von Zeitsoldaten, beim THW an. Dann klappts auch mit der inneren Sicherheit.
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Sparvorgaben für die Bundeswehr

Auf rund 8,3 Milliarden Euro bis 2014 belaufen sich die Sparvorgaben für den Verteidigungsminister. Diese Summe wurde im Zuge des schwarz-gelben Sparpakets fest vereinbart. Allerdings wurde dem damaligen Minister Guttenberg von Bundesfinanziminister Wolfgang Schäuble im Februar eine zeitliche Streckung des Sparprogramms um ein Jahr auf jetzt 2015 zugestanden. Damit wird der Spardruck um 2,6 Milliarden Euro entlastet, errechnete die FDP. Sie fordert Schäuble auf, wieder zum alten Sparzeitplan zurückzukehren

Nach den alten Vorgaben musste der Verteidigungsminister bei der Reform der Bundeswehr innerhalb der nächsten drei Jahre insgesamt vier Milliarden Euro sparen - eine Milliarde im Jahr 2013 und weitere drei Milliarden im Jahr 2014.

Hinzu kamen Einsparungen bei "disponiblen Ausgaben", von denen alle Ressorts betroffen sind. Hier handelt es sich um Einschnitte bei nicht gesetzlich gebundenen Kosten. Danach muss Guttenberg gegenüber dem Finanzplan in diesem Jahr rund 598 Millionen Euro erbringen. Im nächsten Jahr wäre diese Einsparvorgabe auf 1,089 Milliarden Euro angestiegen, in den Jahren 2013 und 2014 hätten jeweils 1,334 Milliarden Euro erbracht werden müssen.

Guttenberg hatte bereits darauf verwiesen, dass er die Sparziele im Zuge der Wehrreform wegen Anschubinvestitionen für den Umbau der Bundeswehr in eine Freiwilligenarmee nicht erfüllen könne. Der Minister wollte eine Verkleinerung der Bundeswehr auf 163.500 Soldaten, die Koalition entschied, dass es bis zu 185.000 Soldaten sein sollen. Guttenbergs Nachfolger Thomas de Maizière versicherte nach seinem Amtsantritt, es bleibe bei der Reform. Allerdings kündigte er eine Lageanalyse an und erklärte in seinem ersten Tagesbefehl an die Truppe: "Ich nehme mir die Zeit, die ich brauche."


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