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Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten: Gauck wünscht sich mehr Hilfe für Syrien-Flüchtlinge

DPA

Zum Jahresende mahnt Joachim Gauck mehr Engagement für Flüchtlinge an. "Tun wir wirklich schon alles, was wir tun könnten?", fragt der Bundespräsident in seiner Weihnachtsansprache. Zugleich erinnert er an Flucht und Vertreibung in der deutschen Geschichte.

Berlin - Der Bundespräsident widmet seine traditionelle Weihnachtsansprache in diesem Jahr den Opfern von Flucht von Vertreibung. Darin ruft Joachim Gauck zu mehr Mitgefühl, Hilfe und Großzügigkeit für Menschen in Not auf. "Die Flüchtlinge, die zu uns kommen, kommen nicht mit der Erwartung, hier in ein gemachtes Bett zu fallen. Sie wollen Verfolgung und Armut entfliehen, und sie wollen Sinn in einem erfüllten Leben finden", sagt Gauck in seiner Rede. In voller Länge wird sie am zweiten Weihnachtsfeiertag ausgestrahlt (lesen Sie den Wortlaut hier vorab).

Gauck geht konkret auf Flüchtlinge aus Syrien ein und auf jene Menschen, die über das Meer nach Europa gelangen. "Wir denken an das schreckliche Schicksal der Familien aus Syrien, wir denken an die Verzweifelten, die den gefährlichen Weg nach Europa über das Wasser wagen. Wir denken auch an die Menschen, die kommen, weil sie bei uns die Freiheit, das Recht und die Sicherheit finden, die ihnen in ihren Ländern verwehrt werden", so der Bundespräsident.

2013 wurde Europa wieder von mehreren Flüchtlingsdramen vor der italienischen Insel Lampedusa erschüttert, im Herbst etwa starben mehr als 360 Passagiere beim Untergang eines Flüchtlingsbootes. Auch der Bürgerkrieg in Syrien fordert weiter seinen Tribut. Hilfswerke rechnen mit einem besonders harten Winter für die Menschen auf der Flucht. Die Uno warnte jüngst, weltweit gebe es so viele Flüchtlinge wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

"Tun wir wirklich schon alles?"

Der Bundespräsident hatte bereits in seiner ersten Weihnachtsansprache vor einem Jahr zu mehr Offenheit gegenüber Asylsuchenden und Zuwanderern aufgerufen. In diesem Jahr geht er nun ausführlicher auf das Thema ein. "Es gibt viele Gründe, warum Menschen ihre Heimat verlassen. Krieg und Hunger, Verfolgung und Not", betont er.

Der Bundespräsident räumt auch die Grenzen des Machbaren ein. "Machen wir unser Herz nicht eng mit der Feststellung, dass wir nicht jeden, der kommt, in unserem Land aufnehmen können", sagt er. Aber zur Wahrheit gehöre auch, bei einer Antwort die Bilder der Verletzten und Verjagten mit einzubeziehen, fährt er fort. "Tun wir wirklich schon alles, was wir tun könnten?", fragt Gauck.

Seit der Tragödie von Lampedusa steht die EU-Einwanderungspolitik verstärkt in der Kritik, da sie vor allem auf Abschottung setzt. Ende November hatte Gauck die Bundesregierung aufgefordert, mehr Flüchtlinge aus Syrien aufzunehmen. Die Asylpolitik ist auch in Deutschland umstritten. So wollen die Innenminister von Bund und Ländern 10.000 Menschen aus dem Bürgerkriegsland Syrien aufnehmen. Grüne und Linke fordern, das Kontingent deutlich zu erhöhen.

Gauck weist in seiner Weihnachtsansprache auch auf Schicksale von Flucht von Vertreibung im eigenen Land hin. "Im 19. Jahrhundert sind sie zu Millionen in die Neue Welt ausgewandert, und nach dem Zweiten Weltkrieg mussten Flüchtlinge und Vertriebene sich eine neue Heimat suchen", so Gauck. Im Koalitionsvertrag von Union und SPD sind erstmals Planungen für einen nationalen Gedenktag für Vertriebene verankert.

Gauck würdigt in seiner Ansprache auch die Arbeit von Ehrenamtlichen. Er erinnert an deren Einsätze beispielsweise bei der Bewältigung der Flut im Sommer, aber auch ihr Engagement für Kultur, Sport oder Bürgerrechte. "Sie sind das große Geschenk für Deutschland", sagt das Staatsoberhaupt. "Ich danke Ihnen dafür, dass Sie unser Land so lebenswert machen."

Der frühere Pfarrer erwähnt ausdrücklich auch "Menschen anderer Religionen" und "Menschen, die ohne Glauben leben". Auch für sie stärke Weihnachten die Hoffnung und Sehnsucht danach, "in Frieden und Einklang mit unseren Mitmenschen leben zu können".


Die Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten wird am Mittwoch, 25. Dezember, ausgestrahlt. Zum Beispiel um 20.10 Uhr in der ARD (hier die Sendetermine im Überblick).

amz/dpa/Reuters/AFP

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Chronologie: Der Aufstand gegen Assad

Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

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