Weimar Rechtsextremisten stürmen 1.-Mai-Kundgebung

In Thüringen nutzen Rechtsextremisten den 1. Mai, um mal wieder unangenehm aufzufallen. In Weimar pöbelten sie auf einer DGB-Kundgebung. Vier Menschen wurden laut Polizei bei Rangeleien verletzt. Die Beamten nahmen 29 Verdächtige fest.

Schwarz gekleidete Rechtsextremisten in Weimar: "Sehr aggressives" Auftreten
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Schwarz gekleidete Rechtsextremisten in Weimar: "Sehr aggressives" Auftreten


Eine Gruppe von Rechtsextremisten hat am Freitag eine Kundgebung von DGB, SPD und Linke auf dem Marktplatz in Weimar gestürmt. Wie eine Polizistin der Polizeiwache SPIEGEL ONLINE mitteilte, seien die 50 Angreifer plötzlich aufmarschiert und hätten die Versammlung angegriffen.

Die Polizei Thüringen meldete 29 Festnahmen. Eine Sprecherin sagte, dass auf Seiten des DGB vier Menschen verletzt worden seien. Die Linkspartei hatte auf Twitter zunächst von 15 Verletzten berichtet.

Der SPD-Bundesabgeordnete Carsten Schneider, der an der Veranstaltung teilnahm, sagte SPIEGEL ONLINE, es habe sich um 40 bis 50 schwarz gekleidete junge Menschen gehandelt. Er habe gegen 11 Uhr seine Rede beginnen wollen, da seien die Nationalisten auf dem Familienfest mit Plakaten aufgetaucht, auf denen unter anderem "DGB = Arbeiterverräter" und "Nein zum Heim" stand.

Rechtsextremisten bedrängen Teilnehmer einer Maikundgebung in Weimar
DPA

Rechtsextremisten bedrängen Teilnehmer einer Maikundgebung in Weimar

Diese hätten nach dem Mikrofon gegriffen und rechtsextreme Parolen gebrüllt. Immer wieder seien die Rechtsextremisten - auch vom Oberbürgermeister Stefan Wolf (SPD) - aufgefordert worden, den Platz zu verlassen, sagte Schneider. "Die waren sehr aggressiv, haben geschubst, es gab Rangeleien. Sie haben einem älteren Mann ein Holzplakat in den Bauch gerammt." Dann hätten die Veranstalter den Strom abgedreht, die Angreifer seien verschwunden. "Unser Fest geht natürlich weiter", sagte Sozialdemokrat Schneider.

"So etwas habe ich noch nicht erlebt, die waren gut organisiert - das war ein gezielter Überfall", sagte Schneider, der aus Erfurt stammt. Er sagte, ein Teil der Verdächtigen sei in einer Tiefgarage gestellt worden, in der sie ihre Autos abgestellt hatten. Die Polizei bestätigte dies, sie sperrte die Garage ab und nahm die Männer fest. Sie sitzen einer Polizeisprecherin zufolge in Gewahrsam, solange die Kundgebungen in Erfurt und Saalfeld noch laufen. Dort haben sich Rechtsextremisten versammelt.

Die in Weimar festgenommen Männer seien teils polizeibekannt, auch wegen rechtsradikaler Vorfälle, sagte die Sprecherin. Die Festgenommenen stammten nicht aus Weimar. Es wird vermutet, dass sie auf dem Weg nach Erfurt waren. Dort versammelten sich nach Angaben der Polizei 200 Anhänger der NPD und 300 Gegendemonstranten. In Saalfeld kamen rund 500 Menschen zusammen, um gegen einen Aufzug von 500 Neonazis und Rechtsextremisten zu protestieren.

Proteste gegen NPD-Kundgebung in Erfurt
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Proteste gegen NPD-Kundgebung in Erfurt

heb



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 147 Beiträge
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Seite 1
darkace82 01.05.2015
1. Kein Wunder....
Wen wundert es dass auch die rechtsextremen immer offener auftreten? Sie werden ja inzwischen reichlich hofiert, ihre Parolen schaffen es in den bürgerlichen mainstream und die Linken samt den meisten Medien schaffen es nicht, angemessen zu reagieren, sondern bereiten durch blinde beissreflexe den rechten Gewalttätern noch den Weg. Rassismus und Rechtsextreme Parolen sind in Deutschland wieder salonfähig...
voiceecho 01.05.2015
2. War zu erwarten...
Dank Pegida und AFD sind solche Ansichten wieder salonfähig. Sie fühlen sich berufen und gestärkt, sich zu zeigen und andere anzugreifen. Wehrt den Anfängen, wer aus der Geschichte nichts gelernt hat, wird für die Zukunft auch nichts lernen!
koenigludwigiivonbayern 01.05.2015
3. Krawall ist Krawall
Den 30.4. und 1. Mai als Krawalltag für die Linken freizugeben, hat eben auch eine andere Seite. Nämlich die, daß auch andere sagen "Krawall ist Krawall". Wer die Linken nicht bestraft kann die Rechten nicht verurteilen. So einfach ist das.
brunot 01.05.2015
4. Wie doof
Wie doof muss man sein, um sein Auto in der Tiefgarage zu parken, wenn man so eine Idiotie vorhat. Auch wenn ich genug von diesen Typen habe, Angst habe ich nicht. Vor was auch? :-))
notaror 01.05.2015
5. Keine Frage..
..so etwas ist unter gar keinen Umständen zu dulden und widerspricht jeglichem gesellschaftlichen Konsens. Gleichwohl ist davon auszugehen, dass dieser Vorfall - gemessen an der Anzahl der Opfer - in Relation zu den anstehenden Maikrawallen in Berlin überproportionalen Presseniederschlag finden wird.
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