"Weiße Wölfe Terrorcrew" Neonazis gingen systematisch vor

Attacken gegen Migranten, Linke und Polizisten: Die vom Bundesinnenministerium verbotene rechtsextreme Gruppe Weiße Wölfe Terrorcrew hat nach SPIEGEL-Informationen ihre Angriffe gezielt durchgeführt.

Aufmarsch der Weißen Wölfe
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Aufmarsch der Weißen Wölfe


Mitglieder der vom Bundesinnenministerium verbotenen rechtsextremen Gruppe Weiße Wölfe Terrorcrew (WWT) gingen über Jahre systematisch gegen Migranten, Linke und Polizisten vor. Das geht aus der 87-seitigen Verfügung des Bundesinnenministeriums gegen die Organisation hervor, die dem SPIEGEL vorliegt. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

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Heft 12/2016
"Ihr da oben belügt uns doch alle"

Die Gruppierung war am Mittwoch durch Bundesinnenminister Thomas de Maizière verboten worden. Die WWT agiere "offen und aggressiv gegen unseren Staat und unsere Gesellschaft, gegen Migranten und Andersdenkende", so der CDU-Politiker. Sie verbreite fremdenfeindliche und menschenverachtende Ideologie, trage rechtsextremistische Hetze auf die Straße und schrecke nicht vor Gewalttaten zurück. Solchen rechtsextremen Gruppierungen müsse "mit den Mittel der wehrhaften Demokratie" entgegengetreten werden.

In der Verbotsverfügung des Innenministeriums wird das Vorgehen der Gruppe an einzelnen Beispielen beschrieben:

  • 2013 nannten WWT-Mitglieder beispielsweise in Pinneberg einen Mann aus Togo "Scheißnigger", dann schlug einer von ihnen dem Mann mit der Faust ins Gesicht, andere traten auf ihn ein, als er am Boden lag.
  • 2014 pöbelten Männer der Terrorcrew in einem Hamburger Schnellrestaurant. Als die Polizei eintraf, gingen sie mit Schlägen und Fußtritten auf die Beamten los.
  • 2015 schließlich sollen WWT-Mitglieder gemeinsam mit anderen Neonazis einen Anschlag mit illegaler Pyrotechnik auf ein Asylbewerberheim in Bamberg geplant haben. Es solle "Steine regnen", und es sollten "Häuser brennen", tönte einer der Neonazis.

Regelmäßig nahmen Mitglieder der Vereinigung an Aufmärschen, Konzerten und Demonstrationen der rechtsextremen Szene teil. "Wir haben keinen Marsch gemacht, es gab gleich Krawalle, gleich aufs Maul", schwärmte Sebastian R. laut Verbotsverfügung in einem abgehörten Gespräch nach einer Demonstration 2013, "gleich auf die Fresse. Das war so geil." Stolz berichtete er, WWT-Leute hätten Feuerwerkskörper und Steine in eine Menge linker Gegendemonstranten geworfen "wie auf Schießbudenfiguren". Linke Aktivisten hätten "schwerste Verbrennungen davongetragen". In einem anderen Gespräch sagte R. über sich selbst: "Ich bin überzeugter Nationalsozialist. Ich bin Rassist. Ich bin Antisemit. Ich lebe dafür."

Sorgen bereitet den Behörden nach SPIEGEL-Informationen die Vernetzung der Terrorcrew mit rechtsextremen Parteien. So bekleideten WWT-Mitglieder Ämter in Landesverbänden der NPD und der Partei "Die Rechte".

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