Wen trifft Merkel: China skeptisch gegenüber Iran-Sanktionen

Bei einem Treffen von Kanzlerin Merkel mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Wen in Berlin hat sich der Gast äußerst zurückhaltend zu Sanktionen gegen Iran geäußert. Diese könnten kontraproduktiv sein, sagte Wen.

Berlin - Sanktionen führten nicht unbedingt zu einer Lösung des Atomkonflikts, sagte Wen Jiabao in Berlin. Möglicherweise führten sie sogar zu einem gegenteiligen Ergebnis, sagte Wen nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). "Deshalb sollten wir ganz vorsichtig mit diesen Maßnahmen (Sanktionen) sein."

Zugleich bekräftigte er, seine Regierung wende sich gegen die Ausbreitung von Atomwaffen. "Wir sehen es nicht gerne, dass Iran Atomwaffen entwickelt. Wir sehen es auch nicht gerne, dass die Stabilität und der Frieden im Nahen Osten und darüber hinaus in der Welt gestört wird", sagte Wen. Der Regierungschef forderte die iranische Regierung auf, sie müsse großen Wert auf Haltung der Weltgemeinschaft legen und konstruktive Maßnahmen ergreifen. Es gehe darum, die Verhandlungen möglichst früh wieder aufzunehmen.

Vor dem Treffen mit Merkel war Wen mit Bundespräsident Horst Köhler zusammengekommen. Dieser nahm eine Einladung Chinas für voraussichtlich 2007 an. In dem Gespräch mit Köhler ging es um das rasante chinesische Wirtschaftswachstum mit Blick auf die Umwelt, die geringen Herstellungskosten in China und die wachsende Militärkraft des asiatischen Landes. Wen sprach diese heiklen Themen direkt an und versuchte, die damit verbundenen Sorgen zu entkräften. Weitere Themen des Berlin-Besuchs des chinesischen Premiers sind der Nahost- Konflikt.

Vor der Ankunft von Wen hatte der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke (CDU), die neuen Maßnahmen Pekings gegen eine freie Berichterstattung im Land scharf kritisiert.

Die Grünen hatten von Merkel klare Worte zur Lage der Menschrechte in China verlangt. Merkel dürfe Wen nicht mit Samthandschuhen begrüßen, sagte der stellvertretende Fraktionschef Jürgen Trittin der "Frankfurter Rundschau". Neben Todesurteilen oder der Verfolgung ethnischer Minderheiten müsse verstärkt auf die Verletzung der sozialen Menschenrechte verwiesen werden. In Chinas Fabriken herrschten Zustände wie um die Zeit des Kommunistischen Manifests von 1848.

asc/dpa/AP/AFP

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