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"Wer betrügt, der fliegt": Die CSU beim Wort

Ein Kommentar von André Geicke

Ministerpräsident Seehofer: Vorteile zu Lasten der Allgemeinheit Zur Großansicht
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Ministerpräsident Seehofer: Vorteile zu Lasten der Allgemeinheit

"Wer betrügt, der fliegt", lautet die Forderung von Horst Seehofer. Endlich! Und richtig so! Dem Schmarotzertum, dem bequemen Leben auf Kosten anderer, muss Paroli geboten werden.

Unser Gemeinwesen droht zwar noch nicht an solchem Missbrauch zugrunde zu gehen, und es sind natürlich auch nicht alle CSU-Politiker Sozialbetrüger. Aber es gibt da ein Problem, und das darf nicht kleingeredet werden.

Die Zeiten von Max Streibl und seinen Amigos sind Gott sei Dank vorbei, aber die Neigung zur Selbstbedienung im Amt ist besonders unter CSUlern nach wie vor ausgeprägt. Reihenweise haben CSU-Minister und Landtagsabgeordnete in Bayern ihren Verwandten Posten zugeschanzt und sie auf Staatskosten beschäftigt. Manche Politikerinnen und Politiker unter den Christsozialen missverstehen ihr Amt als eine Art Familienunternehmen, wirtschafteten schamlos auf Kosten der Steuerzahler in die eigene Tasche.

Dies sei klargestellt: CSU-Mitglieder sollen nicht generell ausgegrenzt werden, darum geht es nicht. Wer sich ernsthaft politisch engagieren will, die demokratischen und parlamentarischen Spielregeln anerkennt und sich danach richtet, der soll auch in Zukunft Verantwortung übernehmen dürfen. Dass aber viele gerade aus dieser Partei in die Parlamente drängen, um sich zu Lasten der Allgemeinheit Vorteile zu erschleichen, stellt ein ernstes soziales Problem dar, dem sich die Gesellschaft zu stellen hat.

Fälle von Missbrauch hat es auch unter Mitgliedern anderer Parteien gegeben, aber Abgeordnete aus den Reihen der CSU haben sich immer wieder als in besonderem Maße anfällig gezeigt, ihre privilegierte Stellung zum Nachteil der Allgemeinheit auszunutzen.

Dies zu ignorieren und nicht gegenzusteuern, birgt die Gefahr, die Grundlagen unseres demokratischen Rechtsstaats zu zersetzen.

Wenn jetzt sogar von Christsozialen selbst die Forderung erhoben wird, konsequent einzuschreiten, dann ist das zu begrüßen, und wir sollten sie beim Wort nehmen: Wer betrügt, der fliegt.

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insgesamt 137 Beiträge
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1.
frautina 13.01.2014
anfällig" und geschützt. Wer betrügt fliegt. Wie überall.
2. Da hat der Autor
nemesis_01 13.01.2014
aber was vollkommen falsch verstanden. Die eigenen Verwandten und Bekannten sind weder Rumänen noch Bulgaren noch sonst einer autostehlenden Nationalität. Ausserdem war das ja sozusagen ein Akt sozialer Nächstenliebe und die kann ja wohl kaum bestraft werden. Wer hier das schnöde Motiv Mammon unterstellt, der hat die Spezlwirtschaft in Bayern einfach nicht verstanden.
3.
garfield 13.01.2014
Zitat von sysopDPA"Wer betrügt, der fliegt", lautet die Forderung von Horst Seehofer. Endlich! Und richtig so! Dem Schmarotzertum, dem bequemen Leben auf Kosten anderer, muss Paroli geboten werden. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/wer-betruegt-der-fliegt-die-csu-und-missbrauch-im-amt-a-943305.html
Ist doch alles paletti. Die halten sich doch schon vorbildlich dran: Wer betrügt, der fliegt (http://www.stern.de/digital/online/wer-betruegt-der-fliegt-so-lacht-das-netz-ueber-den-csu-slogan-2080096.html)
4.
gegenpressing 13.01.2014
"Wer betrügt, der fliegt" gilt doch nur für Ausländer! Deutsche, und gerade CSU Mitglieder dürfen natürlich weiterhin betrügen! War Ihnen das gar nicht klar, oder haben Sie die CSU absichtlich falsch verstanden?
5. Sehr gut....
mr.ious 13.01.2014
...drucken die Kollegen bei der SZ sicher gleich unter die Rätselecke. Damit es auch die finden denen man es nicht übersetzen muß.
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